Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 213 Niederhausen, Evang. Pfarrkirche um 1500?

Beschreibung

Wandmalerei mit Kreuztitulus und Namensbeischriften in der früheren Turmkapelle und heutigen Sakristei der 1254 erstmals genannten, ehemaligen Wallfahrtskirche St. Mechthild1). Entdeckt im Jahre 19242), wurden sie letztmals in den Jahren 1968 und 1979/803) restauriert. Die in etwa quadratische, spätmittelalterliche Kapelle4) ist floral, vor allem aber mit unbeschrifteten Szenen aus der Barbara-, der Martins- und (vielleicht) der Valentinslegende ausgemalt. Die Südwand über dem Durchgang zum Chor ist mit einer Kreuzigungsgruppe vor einer Landschaft geschmückt. Unter dem Kreuz mit Titulus (A) kniet das mit Namensbeischriften (B) gekennzeichnete, jeweils einen Rosenkranz in den gefalteten Händen haltende Stifterpaar. Links der Mann in einem braunen, kuttenartigen Gewand, rechts die Frau in grauer Kleidung mit weißem Kopftuch.

Maße: H5). 192, B. 212, Bu. 3 (A), 2,5-3 (B) cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Schreibschriftliche Kursive (B).

DI 34, Nr.213 - Niederhausen, Evang. Pfarrkirche - um 1500?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/5]

  1. A

    [i(esus)] n(azarenus) r(ex)a) i(udeorum)6)

  2. B

    Peter Lembach // Anna

Kommentar

Da die rot aufgemalten Namensbeischriften weder in gotischer Minuskel noch in Fraktur geschrieben sind und auch kaum noch zeittypische, (spät)gotische Elemente enthalten, dürften sie später nachgetragen worden sein. Die Datierung der Kreuzigungsszene richtet sich daher vor allem nach bau- und kunstgeschichtlichen Kriterien7) und auch auf einen urkundlichen Hinweis, nach dem ein gewisser, vielleicht mit dem Stifterpaar verwandter Konrad von Limpach8), Schultheiß zu Niederhausen, im Jahr 1503 100 Gulden für eine ewige Messe auf den Antoniusaltar stiftete.

Slotta sieht in dem sonst unbekannten Stifter einen vermögenden Bergmann und bezieht die restliche, unbeschriftete Ausmalung der Kapelle auf den Bergbau am benachbarten Lemberg.

Textkritischer Apparat

  1. Anfangsbuchstabe verschrieben zu n.

Anmerkungen

  1. Vgl. Seibrich, Entwicklung 132.
  2. Vgl. Clemen, Gotische Monumentalmalereien 437.
  3. Vgl. Denkmalpflege 1968-73, 124 und ebd. 1979-81, 249.
  4. Vgl. zum Folgenden ausführlich Slotta 150ff. und Glatz, Wandmalereien 293f.
  5. Die Angaben beziehen sich auf die bemalte Fläche.
  6. Io. 19,19.
  7. Vgl. Glatz, Wandmalereien 294 und zum Folgenden Kdm. 313ff.
  8. Eine Verbindung zu dem 1556 erstmals erwähnten Peter (II.) von Limbach, dem letzten Abt des Klosters Disibodenberg und späteren Pfarrer von Odernheim (vgl. dazu Schworm, Odernheim und Disibodenberg 270ff.), läßt sich aufgrund der Ikonographie wohl kaum herstellen.

Nachweise

  1. Kdm. 314.
  2. Landkreis Bad Kreuznach Abb. S. 136.
  3. Pampus, Wandmalereien 5.
  4. R. Slotta, Die Bergbau-Denkmäler am Lemberg, in: Der Anschnitt. Zs. f. Kunst und Kultur im Bergbau 30 (1978) 159 Abb. 12.
  5. Lipps, Entdeckungsreisen mit Abb. 39.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 213 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0021303.