Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 191 Bad Kreuznach-Winzenheim, Kath. Kirche (aus Vorgängerkirche der Kath. Pfarrkirche Bretzenheim) 2.H.15.Jh.

Beschreibung

Taufstein mit Namensinschriften der vier Evangelisten, ehemals vor dem Liebfrauenaltar des Vorgängerbaus1) der 1789 neu errichteten katholischen Pfarrkirche Mariä Geburt zu Bretzenheim. Der Taufstein wurde nach 1589 außen vor die Kirche gesetzt, später nach Winzenheim gebracht und in einem Garten vergraben, dort 1842 wiederaufgefunden und in die 1819 erbaute katholische Kirche St. Peter überführt und im westlichen Vorraum aufgestellt. Achtseitige, ehemals mit einem runden Kupferbecken2) versehene Kuppa aus weißgelbem Sandstein mit profilierter Randzone, die einzelnen Felder abwechselnd mit flachreliefierten Evangelistensymbolen und krautigem Ast- bzw. Blattwerk gefüllt3). Die Beischriften befinden sich buchstabenweise weit auseinandergezogen auf den von den Figuren ausgehenden, stark gewundenen Spruchbändern. Insgesamt gut erhalten, kleinere Schäden am Rand. Der gedrungene Taufsteinsockel ist neu.

Maße: H. 60 (Kuppa), Dm. 110, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr.191 - Bad Kreuznach-Winzenheim, Kath. Kirche (aus Vorgängerkirche der Kath. Pfarrkirche Bretzenheim) - 2.H.15.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/5]

  1. s(anctvs) matevs // s(anctvs) lucasa) // s(anctvs) marcvs // s(anctvs) iohannes

Kommentar

Der durch den damaligen Bretzenheimer Ortsherren Graf Emich von Daun-Falkenstein4) zweckentfremdete Taufstein stellt den letzten erhaltenen, mit Inschriften versehenen, spätgotischen Vertreter seiner Art5) im Bearbeitungsgebiet dar, dessen Bedeutung durch die etwas derb ausgeführten Reliefs kaum geschmälert wird.

Textkritischer Apparat

  1. Hinter dem l ein dreiecksförmiges Zeichen.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu und zum Folgenden Heldmann, Bretzenheim 22 und Kdm. 437.
  2. Er fand als Futterkessel in einem gräflichen Viehstall Verwendung; vgl. Heldmann ebd.
  3. Dadurch könnte er dem unter Wormser Einfluß geprägten Astwerk-Typus (vgl. DI 29, Worms Nr. 307) zuzurechnen sein, dagegen kaum dem von Mainz abhängigen Maßwerk-Typus, vgl. dazu ausführlich O. Böcher, Spätgotische Taufsteine des Kreises Alzey, in: Alzeyer Geschichtsbll. 3 (1966) pass.
  4. Vgl. Heldmann, Bretzenheim 22.
  5. Vgl. zum ebenfalls spätgotischen, allerdings unbeschrifteten Sobernheimer Taufstein K. Otte, Taufsteine im Raum der rheinischen Kirche, in: MEKgR 32 (1983) 201f und zum Frei-Laubersheimer Exemplar Böcher (wie Anm. 3) 51ff.

Nachweise

  1. Kdm. Abb. 327.
  2. Ruser/Dellwing, Bad Kreuznach 279 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 191 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0019106.