Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 172 Meisenheim, Schloßkirche um 1489

Beschreibung

Evangelistensymbole mit bisher unbeachteten Namensbeischriften an vier von insgesamt elf dreipaßförmigen Schlußsteinen des kunstvoll in drei Ebenen angeordneten, scheinbar schwebenden Gewölbes der Grabkapelle1). Im Zentrum der baldachinartigen Maßwerkskonstruktion befindet sich die Muttergottes mit dem Kind, um sie herum gruppieren sich in etwa 12 Meter Höhe die figürlichen Darstellungen der vier Evangelisten mit den beschrifteten Spruchbändern. Das östliche Nebengewölbe trägt drei weitere Schlußsteine mit Flachreliefs des Gekreuzigten, Mariens und des Johannes; das westliche zeigt mit Pfalz-Zweibrücken-Veldenz, Croy und Wittelsbach die Wappen der Erbauer. Die Schlußsteine sind farbig gefaßt.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr.172 - Meisenheim, Schlosskirche - um 1489

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/5]

  1. s(anctus) : Iohan(n)es2)s(anctus) marc(us): s(anctus) · lucas:s(anctus) mathe(us)

Kommentar

Das Symbol des Evangelisten Johannes, der Adler, steht hier entgegen der sonst üblichen Rangordnung3) an östlicher, also bevorzugter Stelle; ein Grund dafür könnte in der damaligen Zugehörigkeit der Kirche zum Johanniterorden liegen4).

Mit dem Bau der dreischiffigen Hallenkirche wurde im Jahr 14795) unter Herzog Ludwig dem Schwarzen von Pfalz-Zweibrücken begonnen. Da er nach seinem Tode im Jahr 1489 in der nach ihm benannten Gruft unter der Grabkapelle beigesetzt wurde6), dürfte dieser Teil der Anlage zu diesem Zeitpunkt größtenteils fertiggestellt gewesen sein – daher die Datierung.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu ausführlich Lucas/Clemen, Instandsetzung 39f. (mit Umzeichnung), Kdm. 250 mit Abb. 179 und Fischer, Kirchenbaukunst 184.
  2. Inschriften von Osten aus im Uhrzeigersinn aufgeführt.
  3. Vgl. LCI I (1968) 696ff.
  4. Vgl. dazu Rödel, Johanniter-Kommende pass.
  5. Vgl. dazu die Bauinschrift Nr. 153 von 1479.
  6. So Crollius, Denkmahl 13f.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 172 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0017201.