Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 113 Hennweiler, Evang. Pfarrkirche 1428

Beschreibung

Glocke mit Spruch- und Meisterinschrift, im Glockenstuhl mittlere Glocke vorne links. Auf der Schulter zweizeilige Umschrift zwischen einfachen Rundstegen. Abgesehen von einigen geflickten Stellen ist die schwer zugängliche Glocke gut erhalten. Worttrenner fehlen, als Texttrenner dienen kleine Kreuzchen. Gewicht 448 kg1).

Maße: H. (o. Kr.) ca. 75, Dm. 86, Bu. 2,3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr.113 - Hennweiler, Evang. Pfarrkirche - 1428

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/2]

  1. · o rex glorie accipe nos graciose2) + ave maria gracia plena dominvs tecvm3) + per me iohannem [de uuol]fa) fiat / anno d(omi)ni mo cccco xxviii ora pro nobis beate stephaneb)

Übersetzung:

O König der Herrlichkeit, nimm uns in Gnaden auf. Gegrüßest seist du Maria voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Durch mich, Johann (von Wolf) soll sie entstehen. Im Jahre des Herrn 1428. Bitte für uns, heiliger Stephan.

Kommentar

Die Anrufung des heiligen Stephan bezieht sich wohl auf das Patrozinium der um 1790 niedergelegten Vorgängerkirche des 13. Jahrhunderts. Da jedoch der Turm mit der als Chor der ehemaligen Stiftskirche dienenden Turmkapelle vom Abriß verschont blieb, hängt die Glocke noch an ihrem ursprünglichen Ort4).

Wegen einer Flickstelle ist der Namen des Glockengießers nicht mehr eindeutig überprüfbar. Möglicherweise handelt es sich bei dem namentlich sonst unbekannten Meister um einen Vorfahren der aus Prüm stammenden und in Trier ansässigen Familie Wolf(f), die im 15. und 16. Jahrhundert nachweislich als Glockengießer tätig waren5). Auf dieser Glocke wurde erstmals im Bearbeitungsgebiet die gotische Minuskel als Glockenschrift verwendet.

Textkritischer Apparat

  1. Ca. 11 cm lange, überschmierte Flickstelle; erg. nach Kdm.
  2. Zwischen den Wörtern der zweiten Zeile befinden sich große, freigelassene Zwischenräume (16, 8 und 30 cm).

Anmerkungen

  1. Vgl. Verzeichnis 81.
  2. Der Spruch könnte eine singuläre Variante des im 13. bis 15. Jh. auf Glocken weit verbreiteten Friedensrufes „O rex glorie veni cum pace“ sein; vgl. dazu ausführlich Walter, Glockenkunde 162ff.
  3. Nach Lc. 1,28.
  4. Vgl. Ohlmann und Ziemer, Hennweiler 79ff.
  5. Vgl. die zahlreichen Nachweise bei Renard, Glocken 83. – Die 1523 in Norheim gegossene Glocke stammt von einem Mitglied dieser Familie (Nr. 262).

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 297 (verworren).
  2. Ohlmann, Hennweiler Nr. 3 (nach Lehfeldt).
  3. Kdm. 182.
  4. Liste der Gocken (1942) 3.
  5. Füllmann, Hennweiler mit Abb. S. 58.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 113 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0011307.