Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 112 Bad Kreuznach, Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus 1422

Beschreibung

Tumbendeckplatte für Johann von Waldeck und seine Frau Schonetta von Montfort. Sie wurde spätestens im Verlauf der Renovierung der ehemaligen Karmeliter-Klosterkirche in den Jahren 189819051) senkrecht auf einen Sockel an die Nordostwand des Chors gestellt. Große, sorgfältig gearbeitete Sandsteinplatte mit Umschrift auf nach außen abgeschrägten Leisten, in den oberen Ecken zwei einfache Wappen. Im vertieften Mittelfeld sind die halbreliefierten Figuren des Ehepaars unter einer von zwei dreiteiligen, krabbenbesetzten Kielbögen bekrönten Säulenarchitektur dargestellt, dabei im Zwickel Helm mit Helmzier. Rechts der Mann mit offenem Visier, Halsberge und einer mit Zaddeln besetzten Rüstung, die Hände vor dem Schwert zusammengelegt; daneben seine Frau im langen, faltenreichen Gewand mit Kruseler, die Hände vor der Brust gefaltet. Untere, gerade Leiste stark verwittert, bestoßen und zum Teil beigeputzt, insgesamt dick mit Steinfarbe überstrichen.

Erg. nach Helwich.

Maße: H. 185 (frgm.), B. 130, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr. 112 - Bad Kreuznach, Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus - 1422

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/7]

  1. · [annoa)] d(omi)ni m [cc]cc / [xxii]b) ipso die b(ea)ti bonefacii obiit domicell(us) joh(anne)s de waldecke c(uius)c) a(n)i(m)a req/escatd) [i(n) p(ace) a]men · // [annoe) d(omi)ni m / c]ccc 〈..........〉f) obiit domicella schonnet de montfort c(uius) a(n)i(m)a re/quiescat [i(n) p(ace)]

Datum: 5. Juni 1422.

Wappen:
Waldeck (mit dem Leoparden); Montfort.

Kommentar

Obwohl das meisterlich gearbeitete Grabdenkmal2) schon aufgrund des Schriftverlaufs noch als liegende Platte konzipiert war, deuten einige Anzeichen – wie die aufwendige Architektur, der Verzicht auf die sonst zu Füßen liegenden Tiere zugunsten einer als „Standfläche“ dienenden schrägen Ebene und die beiden unten in einen geraden Sockel übergehenden seitlichen Leisten – auf den sich in dieser Zeit abzeichnenden Übergang zum senkrecht an der Wand angebrachten Epitaph hin.

Johann von Waldeck entstammt einer nur wenig bekannten, vermutlich an der unteren Nahe ansässigen Adelsfamilie3), seine Frau Schonetta4) hingegen einem weitverzweigten nordpfälzischen Rittergeschlecht mit Sitz auf der Ganerbenburg Montfort. Als Tochter des Ritters Anthis von Montfort und seiner Frau Schonetta5), einer geborenen Gräfin von Homburg, tritt sie erstmals 1404 als Frau des Gerlach Knebel von Katzenelnbogen auf und heiratet nach dessen Tod 1413 in zweiter Ehe Johann von Waldeck. Das aufwendige Grabdenkmal samt den Inschriften dürfte anläßlich seines Todes angefertigt worden sein. Schonetta erhält am 12. August 1438 das Haus „Zur Haberkisten“6) in Kreuznach als Veldenzer Lehen, das sie wohl bis zu ihrem Tod im Jahre 1454 bewohnt. Im Jahr 1437 bedenkt sie das Karmeliterkloster mit einer großzügigen Stiftung7). Aus beiden Ehen scheint sie ohne Nachkommen geblieben zu sein; daher erklären sich wohl auch die nicht nachgetragenen Todesdaten. Ihre ebenfalls in der Klosterkirche beigesetzte Großtante Elisabeth8) verstarb wenige Jahre vor ihr.

Textkritischer Apparat

  1. Schriftbeginn in der Mitte der unteren Leiste, im Uhrzeigersinn von innen zu lesen.
  2. Würdtwein überliefert 1428.
  3. Gerundetes Minuskel-c.
  4. Sic!
  5. Schriftbeginn Mitte der unteren Leiste, gegen den Uhrzeigersinn von außen zu lesen.
  6. Mit Sicherheit nicht bearbeitete, etwa 85 cm lange Stelle, bei Helwich durch „nihil ade(st)“ angezeigt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Renard, Wiederherstellung 14.
  2. Vgl. die kunstgeschichtliche Wertung bei Zimmermann, Nahegebiet 23.
  3. Vgl. Möller, Stammtafeln AF I S. 110 und Nr. 53 von 1368.
  4. Vgl. zum Folgenden Ehrhard, Montfort 198f. und Stammtafel V.
  5. Vgl. zu ihrer verlorenen Grabplatte DI 29 (Worms) Nr. 205.
  6. Vgl. dazu Geib, Hist. Topographie I 37.
  7. Vgl. Milendunck, Historia fol. 143v.
  8. Vgl. Nr. 109 von 1417.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 315.
  2. Würdtweinsches Epitaphienbuch 302.
  3. Roth, Syntagma 3 (1884) 71 (nach Helwich).
  4. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 305 (teilw.).
  5. Kirsch, St. Nikolauskirche 28.
  6. Stumpf, Grabsteine 7 (1927) Nr. 21 (nach Helwich).
  7. Kdm. 83 mit Abb. 47.
  8. Wilke, Montfort 20 Abb. 12.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 112 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0011209.