Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 104 Bad Kreuznach, Schloßparkmuseum 1407

Beschreibung

Tumbendeckplatte der Edelfrau Gertrud von Leyen geb. von Bosenheim. Die Platte war noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts in der damaligen Kreuznacher Pfarrkirche „an der Wandt im Chor zu sehen“1), gelangte dann vermutlich im Zuge der Wiederherstellung des verfallenen Chors 1862/63 in den Besitz2) des Historisch-Antiquarischen Vereins, von dort aus in das Magazin des späteren Heimat- bzw. Karl-Geib-Museums und soll (nach dessen Ende 1986 erfolgter Schließung) an den angegebenen Standort überführt werden. Übergroße Platte aus gelbweißem Sandstein mit Umschrift auf steil nach außen abgeschrägten Leisten, in den oberen Ecken zwei Wappen. Im Mittelfeld ist die halbreliefierte Figur der Verstorbenen unter einem krabbenbesetzten, dreiteiligen Kielbogen mit seitlichen Fialen dargestellt, versehen mit Schleier und langem, faltenreichen Gewand, die Hände vor der Brust gefaltet, zu Füßen ein Hund. Quer verlaufende Bruchstelle im oberen Drittel, Figur und unteres Drittel stark verwittert.

Maße: H. 223, B. 125, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.104 - Bad Kreuznach, Schlossparkmuseum - 1407

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/4]

  1. + ANNO · D(OMI)NI · Mo · CCCCo · UII · / ULTIM[O] · DIE · MENSIS · IANUARII · O(BIIT) · DOMICELLA / TRUDA · DE · LEIEN · UXORa) · / DOMICELLI · RUDOLFI · DE · LEIEN · [A(N)]I(M)A · E(IUS) · RE(QUIESCAT) · I(N) · PA(CE)b)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1407 am letzten Tag des Monats Januar (31. Januar) starb die Edelfrau Gertrud von Leyen, Gemahlin des Edelknappen Rudolf von Leyen. Deren Seele möge in Frieden ruhen.

Wappen:
Leyen (von zehn 2:1, 2:1 und 1:2:1 gestellten Schindeln begleiteter Sparren); Bosenheim II (von vier Kreuzchen bewinkelte Lilie).

Kommentar

Die hier zum letzten Mal im Bearbeitungsgebiet nachweisbare Schriftform der gotischen Majuskel ist sorgfältig ausgeführt und zeigt als Zier Nodi bei I und am Mittelteil des M. Die trogartig ausgeführten Buchstaben waren mit einer deswegen gut haftenden, noch in Resten vorhandenen rötlichen Farbmasse3) gefüllt.

Gertrud entstammt einer vornehmlich im 13. und 14. Jahrhundert nachweisbaren Adelsfamilie4), mit Sitz in dem (heute nach Bad Kreuznach eingemeindeten) Dorf Bosenheim. Ihr Ehemann Rudolf von Leyen dürfte Ganerbe auf der gleichnamigen Burg5) bei Rümmelsheim gewesen sein; zudem besaß seine Familie ein Burghaus6) zu Kreuznach. Im Jahr 14117) scheint Rudolf seiner verstorbenen Frau eine Seelgerätstiftung eingerichtet zu haben.

Textkritischer Apparat

  1. Helwich und Kdm. lesen RELICTA.
  2. Zwischen P und A kein Worttrenner, nach dem mit P(ACE) A(MEN) aufzulösen wäre.

Anmerkungen

  1. So Helwich fol. 85v (nicht im Syntagma). Vgl. auch die Erwähnungen bei Acta Acdemiae I 29, Andreae, Crucenacum Palatinum 154 und Widder, Beschreibung 42. – Andreae führt zudem, nach Hörensagen, eine weitere Grabplatte einer Jungfrau mit einer verstümmelten Inschrift auf: „+ ANNO · DOMINI · M · CCCC · VII · VIGESIMA · DIE · MAII (.....) R(E)Q(UIES)C(A)T · IN · PACE“, die er „procul dubio“ einer sonst nirgends nachweisbaren Wild- und Rheingräfin zuschreibt. Da dieses Fragment auch sonst nicht überliefert wird und es von Helwich, wie auch die vorliegende Inschrift, bezeichnenderweise nicht erwähnt wird, dürfte sich Andreaes Gewährsmann geirrt und sie mit der hier vorliegenden Grabinschrift aus dem gleichen Jahr verwechselt haben.
  2. Vgl. dazu Einleitung XLVI Anm. 152.
  3. Vgl. den Hinweis bei Stumpf.
  4. Vgl. Sitzius, Adelsgeschlecht sowie Nr. 24 von 1337.
  5. Vgl. Kdm. 328ff. Helwich 83ff. nennt – allerdings ohne Überlieferung der Grabinschrift – einige weitere in Kreuznach begrabene Angehörige der Familie.
  6. Vgl. Lehmann, Spanheim II 182f.
  7. So Helwich fol. 81 mit Verweis auf einen entsprechenden „kauffbrief“.

Nachweise

  1. Helwich, Op. gen. V fol. 81 und 102.
  2. Stumpf, Grabsteine 7 (1927) Nr. 18.
  3. Kdm. 105 und Abb. 68.
  4. Steindenkmäler Nr. 115.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 104 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0010408.