Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 86 Hundsbach, Evang. Kirche (aus Kl. Disibodenberg?) 2.H.14.Jh.

Beschreibung

Glocke mit Meisterinschrift auf einem Meisterzeichen, möglicherweise aus dem 1559 aufgehobenen Kloster Disibodenberg1). Wohl wegen einer Beschädigung abgenommen, steht sie heute rechts neben dem Altar der 1867 neu erbauten Kirche. Kleine Glocke mit zwei Kordelstegen am Hals, dazwischen anstelle einer Inschrift ein Kreuzigungsrelief mit Maria und Johannes sowie gegenüberliegend ein kunstvoll gestaltetes Meisterzeichen (Muttergottes mit Kind) mit der zu beiden Seiten verlaufenden, von innen zu lesenden Meisterinschrift. Gewicht2) ca. 50 kg, Schlagton h‘ (?).

Maße: H. 50 (m. Kr.), Dm. 46, Bu. 1 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.86 - Hundsbach, Evang. Kirche - 2.H.14.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. MAGISTERa) / SIFRIDE

Kommentar

Der als Glockengießer gut bezeugte Magister Sifride wirkte in den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts in Köln und Umgebung3). Da die Hundsbacher Glocke zwar über beide, von Sifride stets verwendete Reliefs verfügt, jedoch im Gegensatz zu allen anderen Glocken des Meisters recht klein ausgefallen ist, keine (lateinische) Inschrift und vor allem keinen Datierungsvermerk aufweist, wird sie nicht ihm direkt, sondern einer im Naheraum tätigen Nachfolge-Werkstatt zugerechnet, die diese Model weiterverwendet hat4). Für eine Zuschreibung an Sifride oder an seine Werkstatt würde lediglich – neben Meisterzeichen und Kreuzigungsrelief – der auch 1341 bei der Roxheimer Glocke verwendete Kordelsteg5) sowie die typische Form der Glockenrippe6) sprechen. Aufgrund dieser Beobachtungen könnte man den hier vorgeschlagene Zeitraum des Glockengusses auf die Zeit um die Mitte des 14. Jahrhunderts eingrenzen.

Die Glocke stand Ende des 17. Jahrhunderts im Mittelpunkt eines Eigentumsstreites zwischen Hundsbach und dem benachbarten Kirschroth, der einen guten Einblick in das innige Verhältnis der Hundsbacher Kirchengemeinde zu ihrer Glocke bietet7).

Textkritischer Apparat

  1. A ohne Mittelbalken.

Anmerkungen

  1. So Kdm. und alle folgenden ohne Angabe näherer Gründe.
  2. Angaben nach Poettgen.
  3. Vgl. zu seiner Tätigkeit ausführlich Poettgen 56f.
  4. Vgl. Poettgen 52 und 57 sowie die Registereinträge unter Sifride (Nachfolge-Werkstatt).
  5. Dagegen Poettgen 52, der dort den Kordelsteg als bei Sifride „nicht gebräuchlich“ bezeichnet.
  6. Vgl. die Charakterisierung bei Poettgen 38.
  7. Vgl. dazu ausführlich Franzmann, der dort (4) eine gründliche zeitgenössische Beschreibung der Glocke mit einer versuchten, jedoch völlig mißglückten Wiedergabe der Inschrift zitiert.

Nachweise

  1. Kdm. 188 (erw.).
  2. Fritzen, Glockengießer I 84 (erw.).
  3. R. Franzmann, Kennzeichen Marienbild mit Liliensträußchen. Wie ging der Glockenstreit zwischen Hundsbach und Kirschroth vor 300 Jahren aus?, in: KHbll. 8 (1987) 3f. (erw.) – Poettgen, Magister Sifride 45 (erw.).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 86 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0008604.