Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 74 Disibodenberg, Klosterkirche 1393

Beschreibung

Grabplatte des Ritters Gerhard von Steinkallenfels (Stamm IV), bisher nur kopial überliefert. Im südlichen Seitenschiff der Klosterkirche vor dem an den ehemaligen Lettner grenzenden Altar in den Boden eingelassen (Plan Nr. 60). Erstmals aufgefunden um die Mitte des letzten Jahrhunderts1), dann wiederentdeckt bei den Ausgrabungen im Sommer 1987. Große Platte aus gelblichem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien und einem großen, reliefierten Wappen im oberen Mittelfeld. Ein kleiner, inschriftsloser Teil der linken oberen Leiste wird durch einen eingeritzten Drachen ausgefüllt. Abgesehen von kleineren Beschädigungen Mitte der rechten Leiste, befindet sich die hervorragend gearbeitete Platte in einem guten Zustand.

Maße: H. 210, B. 95, Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr.74 - Disibodenberg, Klosterkirche - 1393

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/3]

  1. +a) · anno · d(omi)ni · m · ccc / · lxxxxiii · in vigilia · th[o]me · ap(osto)li · o(biit) · gerhardus · / · miles · de · lapide · cuius ·b) / · a(n)i(m)a · requiescat · in · pace · amenc)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1393 am Tag vor dem Fest des Apostels Thomas (20. Dezember) starb Gerhard, Ritter vom Stein(-Kallenfels), dessen Seele in Frieden ruhen möge. Amen.

Wappen:
Steinkallenfels (Stamm IV).

Kommentar

Die sorgfältig gehauene Minuskel zeigt einen Zierstrich bei g sowie als weitere Schmuckformen eingerollte Ziercauden bei h und beim runden s.

Gerhard war der zweite Sohn Johanns II. von Steinkallenfels2) und seiner ersten Frau Metza, geb. Kämmerer von Worms3). Er war verheiratet mit der Witwe des Johann Marschall von Waldeck, Hebela Wale von Waldeck4), die neben ihm begraben wurde5). Der Verstorbene war Lehensträger der Grafen von Sponheim6) und wird noch 1379 als kurpfälzischer Burggraf zu Kaub am Rhein urkundlich erwähnt7).

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn nach einer Rosette.
  2. Worttrenner hinter der äußeren Begrenzungslinie.
  3. Der Textabschluß ist durch ein aus vier Rauten bestehendes, kreuzförmiges Zeichen markiert.

Anmerkungen

  1. Vgl. Schneider.
  2. Vgl. die Ausführungen zu seiner erhaltenen figürlichen Grabplatte Nr. 44 in der Nikolauskirche zu Bad Kreuznach.
  3. Sie wurde mit ihrem Sohn Ulrich an der gleichen Stelle in der Klosterkirche beigesetzt, vgl. Nr. 41 von 1339/54.
  4. Vgl. Möller, Stammtafeln AF III Taf. CXXIV.
  5. Vgl. Nr. 101 von 1401.
  6. Vgl. Conrad, Steinkallenfelser Adel 7 (1960) 1.
  7. Vgl. Möller (wie Anm. 4).

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 443.
  2. Schneider, Ganerbschlösser 168 Anm. 26.
  3. Rhein. Antiquarius II 19, 349f.
  4. Roth, Syntagma 1 (1883).
  5. Baudenkmale III 133 (alle nach Helwich).
  6. Nikitsch, Entdeckung 14 mit Abb. 6.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 74 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0007401.