Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 71 Disibodenberg, Kreuzgang 1388?

Beschreibung

Grabplatte der Elisabeth Vogt von Hunolstein (?), geb. Kämmerer von Worms. Im südlichen Teil des Ostflügels in den Boden eingelassen (Plan Nr. 3), aufgefunden bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Große Platte aus weißem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien; im Feld ist in Ritzzeichnung unter einem dreiteiligen, krabbenbesetzten Kielbogen eine weibliche Figur mit Schleier, langem faltenreichen Gewand und gefalteten Händen dargestellt. Beide früher vorhandenen Wappen in den oberen Ecken sind unkenntlich. Die Platte ist insgesamt stark verwittert und mehrmals gebrochen, das rechte obere und das linke untere Eck fehlen völlig.

Maße: H. 210, B. 102, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.71 - Disibodenberg, Kreuzgang - 1388?

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Straeter) [1/4]

  1. + ANNO · D(OMI)NIa) [M CCC / LXXX VIII XVII]I · K(A)L(ENDAS) · IANVAR(II) · O(BIIT) [.....] ELI[SA / BETHA ..... / IOHAN]NIS · M[IL]IT(IS)b) · ADVOCAT[US DE HUNOLSTEIN]

Datum: 15. Dezember.

Kommentar

Die Schaftenden der wenigen erhaltenen Buchstaben laufen in extrem verbreiterte Dreiecke aus, T erscheint kapital.

Die Identifizierung der Personen gründet sich auf mehreren Überlegungen. Der erhaltene Textbestand und die figürliche Darstellung lassen zunächst auf die Grabplatte einer angeheirateten Vogt von Hunolstein schließen1). Die sich anbietende Ergänzung des Männernamens führt zu Johann I. Vogt von Hunolstein († Mai 1396) aus der Züscher Linie, der sich 1382 u.ö., in Übereinstimmung mit der Inschrift, ausdrücklich selbst als miles bezeichnet2) und mit einer am 15. Dezember 1388 verstorbenen Elisabeth verheiratet war3). Bei der Verstorbenen könnte es sich damit um die Tochter Johanns IV. Kämmerer von Worms und der Elisabeth von Rodenstein gehandelt haben, die vor ihrer zweiten Ehe mit Johann I. Vogt von Hunolstein mit dem 1377/78 verstorbenen Ruprecht von Randeck verheiratet war4). Durch ihren Sohn Johann IV. pflanzte sich die Linie zu Züsch bis in die Neuzeit fort5). Ihre Tochter Anna war mit Johannes von Sötern verheiratet6), aus dessen familiärem Umfeld zwei Personen auf dem Disibodenberg bestattet waren7) – vielleicht erklärt sich so die Wahl ihrer Begräbnisstätte.

Trotz einer letztlich nicht auszuräumenden Unsicherheit dürfte diese singuläre genealogische, mit nahezu allen vorliegenden Informationen8) harmonierende Konstellation die Zuschreibung der Grabinschrift und die vorgenommenen erheblichen Ergänzungen rechtfertigen.

Textkritischer Apparat

  1. Beide Buchstaben sind mittlerweile abgesplittert.
  2. Die IS Kürzung wird durch einen leicht nach links gekrümmten, durch die rechte Balkenhälfte des T verlaufenden Keil angezeigt.

Anmerkungen

  1. Nur dieses Geschlecht führt im Naheraum den in den Urkunden des 14. Jh. öfters verwendeten Namenszusatz ADVOCATUS, vgl. Töpfer, UB Hunolstein I Nr.172, 181 und 228.
  2. Im Unterschied zu seinem Bruder Hugel, der durchgängig als Junker bezeichnet wird; vgl. ebd. II Nr. 40 und v.a. Mertens, Züsch 31 Anm.*.
  3. Vgl. Mertens, Züsch 35ff. – Möller, Stammtafeln AF II Taf. LXV (hier 13. Dezember 1388) und III Taf. XCI bezieht seine Informationen offensichtlich aus Ockhart, der die von Helwich zusammengestellten, mittlerweile verlorenen Epitaphia Dalbergiorum benützt hat; freundlicher Hinweis meines Kollegen Dr. Rüdiger Fuchs.
  4. Vgl. Töpfer, UB Hunolstein II Nr. 37 und Mertens, Züsch 32 Anm.**.
  5. Vgl. die genealogische Tafel bei Mertens, Züsch 706 und Nr. 287 von 1540.
  6. Vgl. Mertens, Züsch 37 und die Stammtafel im Rhein. Antiquarius II 18, 676.
  7. Vgl. Nr. 51 von 1364 und Nr. 54 von 1368.
  8. DI 29 (Worms) Nr. 171 führt ebenfalls eine (verlorene), textlich allerdings abweichende und überlieferungsgeschichtlich nicht unumstrittene Grabinschrift (vgl. Anm. 3) für die Verstorbene auf, die sich im Wormser Martinsstift befunden haben soll; möglicherweise handelte es sich dabei um eine zusätzliche Totengedächtnisinschrift am Ort der Familiengrablege der Kämmerer von Worms.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 71 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0007107.