Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 68† Disibodenberg, Marienkapelle 1387

Beschreibung

Grabdenkmal des Ritters Antilmann von Graseweg. Noch 1614 in der Marienkapelle nachgewiesen, wurde es bei den Ausgrabungen der Jahre 1985-89 nicht mehr aufgefunden (Plan Nr. IV). Falls es sich um eine figürliche Darstellung des Verstorbenen in Halbrelief gehandelt haben sollte („epitaphium cum effigie militis“), könnten die in der Marienkapelle zum Vorschein gekommenen, im Klostermuseum auf dem Disibodenberger Hof verwahrten, gut gearbeiteten Bruchstücke einer ritterlichen Figur (Helm, rechter Ellbogen, Fußpartie) zu diesem verlorenen Grabdenkmal gehören.

Nach Helwich.

DI 34, Nr.68 - Disibodenberg, Marienkapelle - 1387

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/1]

  1. + Anno domini mo ccco lxxxviio altera die post Gregorii papae obiit Antelmannus miles de Graswege borggravius in Beckelnheim anima eius vivat in pace

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1387, am zweiten Tag nach dem (Todestag) des Papstes Gregor (14. März), starb Antilmann, Ritter von Graseweg, Burggraf auf Böckelheim. Seine Seele möge in Frieden leben.

Wappen:
Graseweg (über einem mit einem Stern belegten Balken drei liegende Steine, darunter drei 2:1 gestellte; Hz: Pfauenstoß).

Kommentar

Der Verstorbene gilt als der bedeutendste Vertreter1) der kleinen Adelsfamilie von Graseweg, deren Mitglieder über Generationen hinweg in Sobernheim als Amtmänner der Grafen von Veldenz und der Erzbischöfe von Mainz dienten2). Antilmann wird inschriftlich erstmals 1347 auf der Grabplatte seiner bisher unbekannten ersten Frau Agatha namentlich genannt3). Im darauffolgenden Jahr leistet er als Amtmann von Sobernheim und Böckelheim dem Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg den Treueeid. Kurz danach dürfte er in zweiter Ehe Liepmut von Schmidburg geheiratet haben, da beide bereits 1354 als Ehepaar in einer bedeutenden Pachtangelegenheit erscheinen4). Seiner dritten Ehe mit der Grafentochter Katherina von Homburg5) verdankt das Kloster Disibodenberg den um 1365 erfolgten Neubau der alten Marienkapelle6), die sie sich beide zu ihrer Grablege bestimmten.

Die reiche Mitgift seiner drei Ehefrauen und sein wirtschaftliches Geschick dürften es Antilmann ermöglicht haben, etwa ab der Jahrhundertmitte als Finanzier des regionalen Adels, des Mainzer Domkapitels und vor allem des Mainzer Erzbischofs aufzutreten. Seine besondere Position als dessen „lieber heimlicher Rat und Getreuer“ kommt vornehmlich in den zahlreichen urkundlichen Erwähnungen als Bürge, Zeuge und als Schlichter zum Ausdruck, zumal er letztere Funktion allein bei Veldenzer Streitigkeiten zwischen 1354 und 1373 sechsmal ausübte7). Im Verlauf seines Lebens wurde Antilmann mit zahlreichen Gütern, Pfandschaften und Zöllen belehnt; er besaß Anteile an einigen wichtigen Burgen, wobei ihm die beiden an der Nahe gelegenen Burgen Böckelheim und Martinstein zur lebenslangen Nutzung überlassen wurden8). 1382 machte er mit seiner Frau Katherina dem Kloster Disibodenberg erneut eine große Stiftung von jetzt 329 Goldgulden, die für tägliche Seelenmessen und vornehmlich für das feierliche Jahrgedächtnis der Stifter verwendet werden sollten9). Da das Ehepaar keine Nachkommen hinterließ, fielen die Lehen zurück; lediglich der alte Familienbesitz ging bereits auf jene Erben10) über, mit denen dann das Geschlecht ausgestorben sein dürfte.

Anmerkungen

  1. Vgl. zu ihm die biographische Studie von Pöhlmann, der die folgenden Ausführungen zugrunde liegen.
  2. Vgl. dazu die Bemerkungen zu Jakob I. von Graseweg Nr. 20 von 1313.
  3. Vgl. ihre Grabplatte Nr. 35 von 1347 und zu seiner ersten urkundliche Erwähnung im gleichen Jahr Schmitz-Kallenberg, Urkunden S. 235 Nr. 313.
  4. Vgl. ihre Grabplatte Nr. 43 von 1360.
  5. Vgl. ihre Grabplatte Nr. 70 von 1388.
  6. Im Klostermuseum auf dem Disibodenberger Hof wird ein aus der Marienkapelle stammender Schlußstein mit dem Allianzwappen Homburg/Graseweg verwahrt (vgl. dazu Nikitsch, Entdeckung 17 mit Abb. 2). Helwich fügte in seinem Manuskript den Abschriften der Stiftergrabplatten ihr Seelgerät bei: 28 Pfund für die Feier des Jahrgedächtnisses und je 8 Pfund 5 Schilling für die Totenmesse des anschließenden 7. und 30. Tages. Vgl. zu dieser Abfolge, die wohl schon im 13. Jh. mancherorts als übertriebene Totenfürsorge empfunden wurde, Stüber, Commendatio animae 166 Anm. 7, sowie zu ihrer Herkunft aus der Antike Angenendt, Theologie 171ff.
  7. Vgl. Pöhlmann 6ff.
  8. Zwischen diesen Burgen lagen mit ihren Besitzungen um Sobernheim die Kerngebiete der Grasewegs, darunter befand sich auch seit 1360 das gesamte Dorf und Gericht Meddersheim; vgl. dazu Schmitz-Kallenberg, Urkunden S.259f. Nr. 437 und Schneider, Martinstein pass.
  9. Vgl. Kopialbuch Disibodenberg (HStAD) fol.6f.
  10. Vgl. dazu Nr. 421 von (1449)/16.Jh.?

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 444.
  2. Roth, Syntagma 1 (1883).
  3. Baudenkmale III 133.
  4. Pöhlmann, Antilmann 10.
  5. Salden-Lunkenheimer, Besitzungen 190.
  6. Schrader, Hildegard 59 Anm. 41 (alle nach Helwich).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 68† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0006806.