Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 63 Pfaffen-Schwabenheim 1380/(18.Jh.)

Beschreibung

Tumbendeckplatte für Graf Walram (I.) von Sponheim(-Kreuznach). Ehemals wohl im nördlichen Querhaus über dem Boden befindlich, wurde sie im Verlauf des 18. Jahrhunderts1) innen rechts neben dem Eingang in die Wand eingelassen und erst während der Renovierung der Jahres 1905-11 am heutigen Standort senkrecht an der inneren Südwand des Langhauses aufgestellt. Übergroße Platte aus gelblichem Sandstein mit entgegen dem Uhrzeigersinn verlaufender Umschrift (A)2) auf der steil nach außen abgeschrägten oberen und der linken Leiste. Die beiden anderen Leisten sind ohne Inschrift. Im Mittelfeld ist die hochreliefierte Figur des Verstorbenen in Waffenhemd und kurzem, ärmellosen Lendner3) dargestellt, versehen mit rosettenbesetztem Gürtel und Ketten zur Befestigung von Dolch und Schwert. Das unbedeckte Haupt mit Vollbart und langer Haartracht liegt auf einem mit zwei Quasten geschmückten Kissen, die Hände sind betend vor der Brust gefaltet, der rechte Fuß ruht auf einem Löwen, der linke auf einem Hund. Im oberen Teil wird der Ritter von zwei frontal dargestellten, betenden Engeln umrahmt, in der Mitte von Helm und Wappenschild, unten von zwei weiteren Figuren4). Zahlreiche Flickstellen, zudem Schriftverlust durch die beschädigten Leisten; die linke untere Ecke der Platte, ein Großteil der Flügel des linken Engels sowie das Schwert fehlen. Vermutlich zur Zeit der Wiederbesiedelung des Stiftes am Beginn des 18. Jahrhunderts erhielt die aufgerichtete Platte einen baldachinartigen Aufsatz mit der 9zeiligen, heute verlorenen Memorialinschrift (B).

Erg. nach Helwich. Text nach Wickenburg (B).

Maße: H. 260, B. 150, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.63 - Pfaffen-Schwabenheim, ehem. Stiftskirche der Augustinerchorherren - 1380/(18.Jh.)

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/9]

  1. A

    · ANNO · D(OMI)NI · M[· CC]C · LXXX · X[...a) · KALEND]AS · / FEBRVARII · O(BIIT) · D(OMI)N(V)S · WALRAM · COMES · DE · SPANHEY[M]

  2. B

    CIPPUS / P(iae) M(emoriae) Walrami / Comitis In Sponheim / de Canoniae huius Pfaffenschwa/benheimensis Fundatorum / Familia. / An(n)o MCCCLXXX Idibus Februarii / Demortui et in veteri olim Navi huius / Ecclesiae Sepulti

Datum: kurz vor dem 23. Januar 1380.

Wappen:
Sponheim.

Kommentar

Die tief eingehauene, meist mit dreiecksförmigen Schwellungen versehene Majuskel zeigt bei V und W dünnstrichige Hasten mit ausgeprägten Dreiecken an den Enden. Von dem unbekannten Steinmetzen dürften noch zwei weitere Deckplatten5) angefertigt worden sein. An der Verwendung der Platte als Tumbendeckplatte kann es – analog zu der seines Onkels Johann II.6) – keinen Zweifel geben. Auch sie erhielt wohl aus den gleichen Gründen den Aufsatz mit einer nachträglich angefertigten Memorialinschrift7).

Walram8), der zweite Sohn aus der Ehe des Grafen Simon II. von Sponheim mit Elisabeth von Valkenburg9), heiratete 1330/31 Gräfin Elisabeth von Katzenelnbogen. Nach dem Tode seines Vaters und seines Onkels vereinigte er ab 1340 die bis dahin geteilte Vordere Grafschaft Sponheim wieder in einer Hand. Vor allem in der Pfalz und in Rheinhessen10) gelangen ihm erhebliche Gebietserweiterungen. 1345 fungierte er als kaiserlicher Landvogt in der Wetterau. Mit seinem Begräbnis in Pfaffen-Schwabenheim (an der Seite seines Onkels) endet die über mindestens vier Generationen nachweisbare Funktion des Chorherrenstifts als Erbbegräbnis der Grafen von Sponheim-Kreuznach. Sein Sohn und Nachfolger Simon III. und seine Familie11) ließen sich bereits im Karmeliterkloster bzw. in der Pfarrkirche zu Kreuznach bestatten.

Textkritischer Apparat

  1. Die Überlieferung bei Helwich ist an dieser Stelle verderbt, er liest II und streicht das folgende, nicht mehr zu erkennende Zahlzeichen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 27 von 1340 Anm. 1 und 2.
  2. Die sonst exakten Zeichnungen bei Denkmäler und bei Wimmer zeigen den entgegengesetzten Schriftverlauf.
  3. Vgl. zur Rüstung Rady, Kostüm 25 mit Bildtafel II, 30.
  4. Zu erkennen sind zwei beschädigte Figuren in langem, faltenreichen Gewand, die rechte bartlos mit Tonsur, die linke mit Vollbart. Der um 1750 angefertigten Zeichnung bei Wickenburg ist zudem zu entnehmen, daß beide in den Händen senkrecht ausgestreckte Attribute halten, bei denen es sich vielleicht um Schriftrollen handeln könnte – somit läge es nahe, sie als Propheten, Apostel oder Evangelisten zu identifizieren.
  5. Vgl. Nr. 67 von 1383.
  6. Vgl. Nr. 27 von 1340.
  7. Die Befestigungslöcher befinden sich hier allerdings nicht nur auf den oberen Leisten, sondern auch im Feld zwischen Engelsköpfen und Kissen. Laut Bronner, Pfaffen-Schwabenheim 107 befand sich der Aufsatz 1923 noch an seinem Platz. Dagegen überliefert ihn bereits Wimmer nicht mehr. Das Problem des – wohl aufgrund der stark beschädigten Stelle – abweichenden Todesdatums bei Wickenburg (13. Februar) kann auch durch urkundliches Material nicht eindeutig entschieden werden (vgl. Mötsch, Genealogie 161 Anm. 949).
  8. Vgl. zum Folgenden Lehmann, Spanheim 2, 175ff. sowie Mötsch, Genealogie 160f. mit Stammtafel S. 166.
  9. Vgl. zu ihrem gemeinsamen Grabmal Nr. 27 von 1340 Anm. 11.
  10. Vgl. dazu ausführlich Dotzauer, Pfaffen-Schwabenheim 554f.
  11. Vgl. Nr. 108 von 1414.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 322.
  2. Wickenburg, Thesaurus Palatinus I 295 (Nachzeichnung).
  3. Scriba, Grabdenkmähler 328 (nach Helwich).
  4. Denkmäler fol. 26 (Zeichnung Taf. 46).
  5. Wagner, Stifte II 40 (nach Helwich).
  6. Wimmer, Grabdenkmale Taf. XVII (Zeichnung).
  7. Meyer-Husmann, Baugeschichte mit Abb. 41.
  8. W. Vogt, Pfaffen-Schwabenheim, in: NK (1972) mit Abb. S. 70.
  9. Gerten, Chronik mit Abb. S. 57.
  10. Jöckle, Pfaffen-Schwabenheim mit Abb. S. 8.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 63 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0006306.