Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 56 Disibodenberg, Depot (aus Marienkapelle) 1369

Beschreibung

Grabplatte des Ritters Winand IV. von Steinkallenfels. Bisher nur aus kopialer Überlieferung bekannt („in sacello quodam iuxta ambitum a parte orientali“). Zu drei kleinen, unzusammenhängenden Bruchstücken1), die zu einem nicht mehr feststellbaren Zeitpunkt auf dem Klostergelände gefunden und im Disibodenberger Hof verwahrt wurden, kamen bei den Ausgrabungen im Sommer 1987 aus dem Schutt der Marienkapelle weitere neun, bei den weiterführenden Sondierungen im Sommer 1989 zusätzliche zwei große Fragmente dieser Platte zum Vorschein (Plan Nr. 62). Es handelte sich um eine große, hervorragend gearbeitete Platte aus gelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien und einem reliefierten Wappen im oberen Mittelfeld. Erhalten haben sich das linke obere und untere Eck, sowie mehrere kleinere Stücke der Schriftleiste.

Erg. nach Helwich.

Maße: Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.56 - Disibodenberg, Depot (aus Marienkapelle) - 1369

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/5]

  1. ANNOa) · D(OMI)NI Mo [CCC LXIX IN CONVERSIONE] S(AN)C(T)I · PAULI · AP[(OS)T(OL)I] O(BIIT) · WINA(N)D(US)b) · MILE/S · DE · [LAPI]DE · CUI(US)c) · A(N)I[MA REQUI]ESCAT · I(N) · PACEd) ·

Datum: 25. Januar 1369.

Wappen:
Steinkallenfels (Stamm I, hier mit dem Stern am Hals des Leoparden als Beizeichen).

Kommentar

Die schlanken, mit tief eingehauenen Schwellungen versehenen Buchstaben bestechen durch ihre elegante Linienführung und ihren Formenreichtum: neben dem Wechsel von kapitalem und langem I bzw. unzialem N (letzteres spiegelverkehrt), erscheint A allein in fünf Variationen, E mit kunstvoll gestalteten Ziercauden als innere Ausläufer des nicht durchgezogenen Mittelbalkens, M halbgeschlossen unzial und unziales T mit dreiecksförmigem Bogen. Bei einigen Buchstaben sind die Enden entweder als eingerollte Ziercauden oder als teilweise lang ausgezogene, feinstrichige Ausläufer gestaltet.

Da Helwich bei seiner Überlieferung der bislang verloren geglaubten Grabplatte ein wesentlicher Fehler unterlief2), erlaubt nun der Fund3) einige Verbesserungen in der Genealogie des weitverzweigten Geschlechts derer von Steinkallenfels. Nicht der 1345 bis 1353 urkundlich erwähnte Wilhelm I. von Kaldenfels verstarb – wie bisher angenommen – am Tag der Bekehrung des Apostel Paulus 13694), sondern der in der Marienkapelle begrabene Ritter Winand IV. von Steinkallenfels (aus dem Stamm I, der sogenannten Winand‘schen Linie), dessen Todesdatum bisher immer mit „um 1370“ angegeben wurde5). Der mit Greta, der Schwester des Sponheimer Abtes Philipp6) und Tochter des Hermann Meusewin von Sponheim verheiratete Winand IV., wird 1355 bis 1366 urkundlich genannt; 1358 schlichtet er als Schiedsrichter eine Erbschaftsangelegenheit der Wildgrafen zu Kyrburg7). Laut Trithemius war er zudem ein herausragender „promotor et benefactor“8) des Klosters Sponheim. Jakob von Steinkallenfels, der einzige bekannte Sohn des Ehepaars, wurde Schultheiß in Sobernheim. Mit der Heirat seiner Tochter erlosch diese Linie im Mannesstamm, ihr Besitz ging an die Herren von Lewenstein9).

Textkritischer Apparat

  1. N spiegelverkehrt.
  2. N spiegelverkehrt; US-Kürzung in Form einer eckigen Neun.
  3. US-Kürzung ebenso.
  4. Die letzten beiden Buchstaben sind aus Platzmangel in kleinen gotischen Majuskeln über dem letzten Worttrenner in den äußeren Rand der Leiste eingehauen.

Anmerkungen

  1. Darunter ein eindeutig zugehöriges, kleines Fragment mit einem E, das bislang keinem bestimmtem Wort zugewiesen werden konnte.
  2. Helwich, Syntagma 445 gibt den Namen des Verstorbenen mit WILHELMUS an. Dieser offensichtliche Fehler könnte bei der später erfolgten Übertragung der am 24. Oktober 1615 vor Ort angefertigten Abschrift ins Reine entstanden sein; vgl. zur seiner Arbeitsweise Fuchs, Helwich, hier v.a. 81ff.
  3. Aufgrund der seltenen Datumsangabe IN CONVERSIONE SANCTI PAULI APOSTOLI, von der ein großes Fragment gefunden wurde, besteht an der vorgenommenen Zuordnung der Platte kein Zweifel.
  4. So die auf Helwich gründenden Möller, Stammtafeln AF III 274 und Conrad, Steinkallenfelser Adel 8 (1961) 4, die zudem das Todesdatum falsch mit dem 15. Januar angeben.
  5. Vgl. ebd.
  6. Trithemius, Chron. Sponh. 330.
  7. Vgl. Köllner, Geschichte 74.
  8. Wie Anm. 6.
  9. Vgl. Möller, Stammtafeln AF III 273.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 445.
  2. Roth, Syntagma 1 (1883).
  3. Baudenkmale III 134 (beide nach Helwich).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 56 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0005603.