Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 52 Disibodenberg, Kreuzgang (1348)/1365

Beschreibung

Grabplatte des Ulrich gen. Rennwart von Manubach und seiner Ehefrau Agnes von Laumersheim. Im südlichen Teil des Ostflügels vor einer Treppenstufe in den Boden eingelassen (Plan Nr. 5), aufgefunden bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Große Platte aus hellem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, in den oberen Ecken zwei teils geritzte, teils reliefierte Wappen. Im Mittelfeld steht ein in Ritzzeichnung ausgeführtes, sich zuwendendes ritterliches Ehepaar unter einem fünfteiligen, krabbenbesetzen Kielbogen. Der mit zugespitzter Beckenhaube, offenem Visier und langem gegürtetem Waffenhemd gerüstete Mann stützt sich beidhändig auf sein Schwert, das zusätzlich mit seinem Wappen gekennzeichnet ist. Seine mit Schleier und langem, faltenreichen Gewand bekleidete Frau hat die Hände zum Gebet gefaltet. Die Platte hat sich abgesehen von einigen Rissen und Absplitterungen gut erhalten; von ihr wurde ein Abguß angefertigt1).

Maße: H. 223, B. 112, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr.52 - Disibodenberg, Kreuzgang - (1348)/1365

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Strater [1/7]

  1. + an(n)oa) · dom(in)i · mo · ccco · xlviiio · xvio · / k(a)l(endas) · octob(ris) · o(biit) · ulricusb) · dictus · rennwartc) · huius · uxor · domicella · / agnes · de · lumersh(eim) · qued) · o(biit) · an(n)o · / · d(omi)ni · mo · ccco · lxvo · viii · id(us) · marcii · viuant · in pace · ambo · amene)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1348 am 16. Tag vor den Kalenden des Oktober (16. September) starb Ulrich, gen. Rennwart. Dessen Ehefrau, die Begine Agnes von Laumersheim, starb im Jahr des Herrn 1365, am 8. Tag vor den Iden des März (08. März). Mögen beide in Frieden leben. Amen.

Wappen:
Rennwart von Manubach (im geteilten Schild oben ein Leopard, darüber ein schräglinker Bastardfaden); Laumersheim (unter Schildhaupt zwei Reihen Feh).

Kommentar

Die frühe Minuskel zeigt entsprechend einfach gehauene, in der Größe leicht variierende Buchstaben, bei denen vor allem das nach unten hin extrem spitz zulaufende v, das leicht überproportionierte c und die ungewöhnliche Verbindung ct auffallen. w ist aus dem erwähnten v mit einer von oben mittig eingefügten, nicht durchgezogenen Haste gebildet. Die Datierung der Platte richtet sich nach der einheitlichen Schriftgestaltung.

Der sich selbst als (Edel)Knecht und Mann des Mainzer Erzbischofs2) bezeichnende Ulrich gen. Rennwart, stammt aus dem heutigen Manubach bei Bacharach3); sein Vater scheint Herdegen Dietzmann von Mannenbach4) gewesen zu sein. Ulrich erhält 1341 von seinem Lehensherrn das Schultheißenamt zu Sobernheim verpfändet, dazu ein Jahr später den Zoll des gleichen Ortes5). 1344 bestätigt er als Schultheiß einen Kaufvertrag6). Die hier auftretende Form des Wappens der Ehefrau ließ sich (wie das des Mannes) bislang nicht nachweisen, ihre Herkunft aus dem pfälzischen Laumersheim dürfte aber gesichert sein7). Nach dem Tode ihres Mannes scheint sich die wohl kinderlos gebliebene Agnes als Begine in die Klause zu Sobernheim zurückgezogen zu haben – dafür spricht die in Zusammenhang mit uxor verwendete, selten gebrauchte inschriftliche Bezeichnung domi-cella8). Die ausgesprochen qualitätsvolle Grabplatte mag sich aus der reichen Stiftung erklären, die Agnes am 28. August 1361, vier Jahre vor ihrem Tod, dem Kloster Disibodenberg testamentarisch vermachte: Sie übergibt all ihr liegendes und fahrendes Gut in der Sobernheimer Gemarkung dem Kloster, damit die Mönche für ihr, ihres Mannes und beider Vorfahren Seelenheil sorgen sollten9).

Der Stein ist neben seiner Funktion als Doppelgrabplatte auch als Beispiel für die erste, sicher datierte Verwendung der gotischen Minuskel im Bearbeitungsgebiet bemerkenswert.

Textkritischer Apparat

  1. Das Anfangs-a ist erhöht und füllt die Zeile voll aus.
  2. Anfangs-u mit überschriebenem kleinem o.
  3. Kürzungszeichen über re unklar.
  4. Sic!
  5. Es folgt als Füllsel ein aus vier rautenförmig zusammengesetzten Punkten gestaltetes Zeichen mit Schlängellinie.

Anmerkungen

  1. Das Duplikat wurde an der Westwand der Marienkapelle befestigt; vgl. zum Vorgang Nikitsch, Abguß mit Abb.1.
  2. Vgl. Würdtwein, Nova Subsidia V 240.
  3. Lkrs. Mainz-Bingen. – Zwar sind aus dem 14. Jh. mehrere Herren von Manubach nachgewiesen, sie zeigen aber sämtlich andere Wappen; vgl. Gruber, Wappenbilder 91 und F. Wagner, Die adeligen Geschlechter des Viertälergebietes von Bacharach, in: MWGF 16 (1952) 20-30. Das gleiche Wappen (allerdings ohne Faden) führt lediglich der 1353 verstorbene und im Kloster Eberbach beigesetzte Friedrich Brenner von Manubach, bei dem es sich somit um einen nahen Verwandten des Verstorbenen handeln könnte; vgl. zu seiner erhaltenen Grabplatte künftig DI Rheingau-Taunus-Kreis.
  4. Nach Ehrhard, Montfort 190ff. und Stammtaf. III spalteten sich die von Mannenbach Ende des 13. Jh. von den nordpfälzischen Benz von Montfort ab, als entsprechendes Wappen sollen sie den mit einem Turnierkragen versehenen, geschachten Balken geführt haben – völlig abweichend von dem vorliegenden.
  5. Otto, Regesten Erzbischöfe Mainz I 2 Nr. 4722 und 4863.
  6. Kopialbuch Disibodenberg (StAD) fol. 11.
  7. Lkrs. Bad Dürkheim. Während das Manneswappen zur Wappengruppe Steinkallenfels gehört, ist das der Frau der Gruppe derer von Dirmstein (östlich Laumersheim) zuzurechnen; freundlicher Hinweis von Herrn Dr. Helmut Hartmann, Bechtheim.
  8. Die übliche Übersetzung wäre Edelfrau. Da jedoch die Ritterbürtigkeit ihres Geschlechts bisher nicht nachzuweisen war und sich die Sobernheimer Beginenklause für eine vermögende, alleinstehende Witwe als Refugium geradezu anbietet, scheint in diesem Fall die von Du Cange, Glossarium III 162 gerade für das 14. Jh. nachgewiesene Bedeutung Begine zutreffender zu sein. Zudem wird sie in ihrem Testament als (geistliche) „Jungfrau“ bezeichnet.
  9. Vigener, Regesten Erzbischöfe Mainz II 1 Nr. 1433.

Nachweise

  1. Nikitsch, Zeugen 24 Abb. 1.
  2. Nikitsch, Entdeckung 15 mit Abb. 9.
  3. Nikitsch, Quelle 227.
  4. Stanzl, Klosterruine 82 Abb. 69.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 52 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0005201.