Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 50 Disibodenberg, Kreuzgang 1363?

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabplatte für Heinrich Brendel von Osthofen und seine Ehefrau. Etwa in der Mitte des östlichen Flügels in den Boden eingelassen (Plan Nr. 14), aufgefunden bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Große Platte aus hellem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im oberen Mittelfeld zwei sich zuneigende, flachreliefierte Vollwappen. Abgesehen vom oberen Drittel ist die Platte erheblich zerstört, in der Mitte verläuft ein Bruch.

Maße: H. 242, B. 98, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 34, Nr.50 - Disibodenberg, Kreuzgang - 1363?

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Straeter) [1/1]

  1. +a)· an(n)o · d(omi)ni · / ·b) m · ccc · lx · iiic) [........ o(biit)] hei(n)ric[us ........... / ........] steph/a(n)i pr[otomartyri ..... cuius anima requies]cat i(n) pa/ce · ame(n)

Datum: 1363?; um den 26. Dezember 13(..).

Wappen:
Brendel von Osthofen? (geschachter Schrägrechtsbalken, Hz: zwischen Büffelhörner ein schwebendes Schildchen mit dem gleichen Bild wie im Hauptschild); unbekannt (im gespaltenen Schild rechts ein Schwanenflug, links drei (oder mehr) Blümchen, Hz: Schwanenflug).

Kommentar

Da die Identifizierung des Ehepaars aufgrund der Beschädigungen nur über die Wappen erfolgen kann, ergibt sich analog zu dem Wappen von 13891) für den Mann die Zugehörigkeit zu den Brendel von Osthofen, die später Brendel von Sponheim genannt und hauptsächlich als Burgmannen erwähnt werden2). Allerdings ist bisher ein Heinrich Brendel von Osthofen urkundlich nicht nachgewiesen. Im Wappen der Ehefrau ist der Schwanenflügel als Stammwappen mit den Blümchen als angeheiratetes Wappen kombiniert; diese bisher nicht identifizierte Wappenkombination weist eher auf eine Herkunft aus dem städtischen Patriziat hin als auf eine aus dem Adel des Rhein-NaheRaums. Da der Datierung das Todesdatum des Mannes zugrunde liegt, könnte sie sich je nach dem Sterbezeitpunkt seiner Frau um etliche Jahre nach oben verschieben. Dennoch ist die Grabplatte als frühes Beispiel für die Verwendung einer schlanken, ausgebildeten gotischen Minuskel im Bearbeitungsgebiet anzusehen.

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn in der Mitte der oberen Leiste nach einer Rosette.
  2. Wechsel des Worttrenners von einem halbkugelig eingetieftem Punkt zu einem einfachen Kreis.
  3. Da lediglich eine vollständige Haste und zwei parallel liegende obere Enden sichtbar sind, könnte auch zu iv, vi, vielleicht auch ix, also 1364, 1366 bzw. 1369 ergänzt werden. Möglich wäre ebenfalls die Lesung 1360 mit einer der oben genannten Zahlen als Tagesdatum.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 72 von 1389. – Das gleiche Wappen führt Ende des 14. Jh. eine Hebela Brendel von Sponheim; bei den diversen Linien der Herren von Montfort, die ebenfalls den geschachten Schrägbalken im Schild haben, ist die hier vorliegende Helmzier unüblich (freundlicher Hinweis von Herrn Dr. Helmut Hartmann, Bechtheim).
  2. Vgl. Möller, Stammtafeln NF II 98 und die urkundlichen Nachweise bei Baur, Hessische Urkunden V (Register).
Addenda & Corrigenda (Stand 23. September 2014):

Das erste Wappen ist wohl doch das der Herren von Montfort (mit Sitz auf der gleichnamigen Burg in der Nordpfalz), die gelegentlich auch die Büffelhörner als Helmzier führen (vgl. Gruber, Wappenbilder-Index S. 97). Somit dürfte es sich bei dem Verstorbenen um den 1342 bis 1362 nachweisbaren Heinrich IV. von Montfort handeln, verheiratet (?) mit Lisa von Wolfskehlen (vgl. Ehrhard, Montfort Taf. IV). Das zweite Wappen ist das der im Frankfurter Raum beheimateten Herren von Sachsenhausen(-Praunheim): ein Balken, aus dem drei Blätterstiele mit je einer Frucht wachsen; Helmzier: ein Schwanenrumpf zwischen zwei Federstößen (vgl. Wolfert, Wappenbuch Taf. 4 und zur Familie Möller, Stammtafeln AF III 261f.). Das von Ehrhard gesetzte Fragezeichen lässt die Möglichkeit offen, dass es sich bei Heinrichs Ehefrau um eine NN. von Sachsenhausen gehandelt hat, möglicherweise einer Schwester der Frau seines älteren Bruders Philipp III. von Montfort, der nachweislich mit Heilike, Tochter des Rudolf von Sachsenhausen verheiratet war, die 392 als Witwe bezeichnet wird. – Für entscheidende Hinweise danke ich meinem Heidelberger Kollegen Dr. Harald Drös, Brief vom 14. November 1993.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 50 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0005005.