Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 46 Disibodenberg, Kreuzgang kurz nach 1360

Beschreibung

Grabplatte einer unbekannten Person aus Sobernheim. Im westlichen Teil des Südflügels in den Boden eingelassen (Plan Nr. 44), aufgefunden bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Ungewöhnlich große Platte aus hellem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. Das gesamte Mittelfeld wird von einer eigenwilligen Maßwerkskomposition ausgefüllt, die vermutlich der gleichzeitigen gotischen Fensterarchitektur entlehnt ist: über zwei Lanzettfenstern ein in ein krummliniges Quadrat eingestellter Vierpaß, darüber ein Dreipaß in einem krabbenbesetzten Wimperg. Als Flankierung dienen zwei vierzonige, krabbenbesetzte Fialen. Die Platte ist im unteren Drittel und vor allem an den Schriftleisten stark verwittert und durch zahlreiche Brüche ganz erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Maße: H. 264, B. 109, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.46 - Disibodenberg, Kreuzgang - kurz nach 1360

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Straeter) [1/1]

  1. ANNOa) · / D(OMI)NI · M · CCC · LX · [..]III · K(A)L(ENDAS) [........] O(BIIT) [... / .....]ER[.. / ......] ·b) DE · SOBIRNH(EIM) · REQV[IESCAT IN PACE]

Kommentar

Die wenigen gut erhaltenen und tief eingehauenen Buchstaben1) zeigen interessante, fast schon manieriert wirkende Formen: E und S sind geschlossen und zeigen an den Buchstabenenden eingerollte Ziercauden, E und O erscheinen mit Dreiecken an den Bögen, B, E und R sind zudem mit kunstvoller Innenornamentik versehen.

Die verstorbene Person liegt zwar in der Umgebung der Sobernheimer Beginenplatten, der Stein könnte auch vom fragmentarischen Formular her gesehen zu ihnen passen, weicht aber in der äußeren Gestaltung so erheblich von ihnen ab, daß eine direkte Zugehörigkeit nicht sehr wahrscheinlich ist.

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn in der Mitte der oberen Leiste.
  2. Ornamentales Gebilde als Worttrenner.

Anmerkungen

  1. Ein Gipsabguß des Ortsnamens befindet sich in der Arbeitsstelle der Mainzer Inschriften-Kommission.

Nachweise

  1. Nikitsch, Sepulkralkultur Abb. 7.
  2. Stanzl, Klosterruine 122 Abb. 99.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 46 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0004606.