Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 43 Disibodenberg, Klosterkirche 1360

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabplatte der Liepmut von Graseweg, geb. von Schmidburg, bisher nur kopial überliefert (Plan Nr. 61). Auf dem Boden der Klosterkirche, wenige Meter vor dem Westportal, in zwei zusammenpassenden Fragmenten im Sommer 1987 aufgefundenes, linkes unteres Eck einer ehemals großen Platte aus hellem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. Im Mittelfeld ist noch die in teilweise punktierter Ritzzeichnung ausgeführte untere Hälfte einer weiblichen Figur in faltenreichem Gewand erkennbar. Ein ebenfalls noch sichtbarer Fialenansatz weist auf einen die Verstorbene umgebenden gotischen Architekturrahmen hin. Die Oberfläche der Grabplatte ist verwittert und stark bemoost, das linke untere Eck der Schriftleiste zudem erheblich beschädigt. Als Worttrenner dienen kleine Kreise.

Ergänzt nach Helwich.

Maße: H. (erh.) 107, B. (erh.) 90, Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr. 43 - Disibodenberg, Klosterkirche - 1360

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/2]

  1. [ANNO D(OMI)NI M CCC LX VII IDVS OCTOB(RIS) O(BIIT) D(OMI)NA LIEPMUT] · VX[OR ANT]ILMA[NNI MILITIS DE GRASEWEGE CUIUS ANIMA REQUIESCAT IN PACE]

Datum: 09. Oktober 1360.

Wappen:
(nach Helwich) Graseweg (über mit einem Stern belegten Balken fünf 3:2 gestellte, liegende Steine, darunter drei 2:1 gestellte); Schmidburg (mit mehreren Steinen belegter Rink).

Kommentar

Die wenigen erkennbaren Buchstaben zeigen eine flach ausgehauene Majuskel mit großen Zwischenräumen.

Liepmut war die zweite Tochter der Demudis von Löwenstein und des Ludolf von Schmidburg(-Hollenfels), Burgmann auf der gleichnamigen erzbischöflich trierischen Burg im vorderen Hunsrück1). 1334 erstmals urkundlich erwähnt, war Liepmut in erster Ehe mit dem Edelknappen Wenzo Kriecheler (†1346)2) aus Schornsheim (Rheinhessen) verheiratet; nach seinem Tod ging sie eine zweite Ehe mit dem ebenfalls auf dem Disibodenberg begrabenen Ritter Antilman von Graseweg ein3). Das Ehepaar muß verhältnismäßig vermögend gewesen sein, da sie beide unter anderem im Jahr 1354 um 300 Pfund Heller vom Mainzer Domkapitel alle Nutzungen und Rechte der Pfarrei Sobernheim pachten konnten4).

Anmerkungen

  1. Vgl. die Genealogie bei Zwiebelberg, Freiherrn von Schmidburg 33f. und Schmidburg 45. Ders. dürfte wohl (aus Helwich) fälschlich IDIBUS für IDUS gelesen haben und kommt so zu der unzutreffenden Datierung 15. Oktober 1367. Ihre 1369 verstorbene Schwester Laudrad (Nr. 57) wurde neben ihr bestattet.
  2. Vgl. Köllner, Geschichte 295 und Zwiebelberg, Schmidburg 45 u.v.a. 49.
  3. Vgl. Nr. 68 von 1387.
  4. Vgl. Pöhlmann 2 sowie den Wortlaut des Vertrages bei St.A. Würdtwein, Nova Subsidia Diplomatica. Bd. VI, Heidelberg 1785, 361f. Liepmut brachte zudem eine ansehnliche Mitgift aus ihrer ersten Ehe ein.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 445.
  2. Roth, Syntagma 1 (1883).
  3. Baudenkmale III 134.
  4. Pöhlmann, Antilman 8 (alle nach Helwich).
Addenda & Corrigenda (Stand 23. September 2014):

Die Fragmente wurden bei einem Transport erheblich beschädigt und befinden sich gegenwärtig im Klostermuseum.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 43 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0004302.