Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 37 Disibodenberg, Kreuzgang 2.V.14.Jh.?

Beschreibung

Grabplatte des Ritters Wilhelm von Graseweg und seines Sohnes. Im östlichen Teil des Südflügels in den Boden eingelassen (Plan Nr. 28), aufgefunden bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Große Platte aus hellem Sandstein mit doppelter Umschrift zwischen Linien, im oberen Mittelfeld ein sorgfältig ausgeführtes, erhabenes Wappen mit eingeritzter Zeichnung. Die Platte ist stark verwittert und mehrmals gebrochen; abgesehen von dem Bestand der linken Doppelzeile sind lediglich einzelne kaum leserliche Buchstabenreste zu erkennen.

Maße: H. 218, B. 103, Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.37 - Disibodenberg, Kreuzgang - 2.V.14.Jh.?

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Straeter) [1/4]

  1. [+a).... / .......... / ..... / WIL]HELMVS · MI[LES] · D[E] GRASEW/[EGE] // + ITE[M .....b) / ..... / ...]S MILES FILI(US) EIVS +

Wappen:
Graseweg (Balken, darüber neun 5:4 gestellte Steine, darunter sechs 3:2:1 gestellte).

Kommentar

Der fragmentarische Charakter der Grabplatte erlaubt keine näheren Bemerkungen zur Schriftgestaltung.

Der Verstorbene, urkundlich auch als Wilhelm von Sobernheim gen. am Graseweg bezeichnet1), gehört wie der ebenfalls auf dem Disibodenberg begrabene Jakob I.2) der dritten Generation des im benachbarten Sobernheim beheimateten Geschlechts an. Er erscheint von 1294 bis 1327 als Burgmann der Grafen von Veldenz auf Burg Landsberg3) sowie als Burgmann der Erzbischöfe von Mainz4). Aufgrund des sich an die Inschrift des Vaters anknüpfenden ITEM und der identischen Buchstabengrößen beider Texte kann davon ausgegangen werden, daß die Grabplatte anläßlich des Todes des Sohnes hergestellt wurde. Da aber sein Name verloren ist und es keine eindeutigen genealogischen Hinweise auf einen bestimmten männlichen Nachkommen gibt5), wurde der Datierungsvorschlag unter Berücksichtigung der wenigen erkennbaren Buchstabenformen bewußt offen gehalten. Die Grabplatte ist auch wegen der im Bearbeitungsgebiet in dieser Zeit nur selten zu beobachtenden Doppel- und Nachbestattungen bemerkenswert6).

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn in der Mitte der oberen Leiste nach einer Rosette.
  2. Einige Hasten und Bögen sind noch zu erkennen.

Anmerkungen

  1. Pöhlmann, Regesten Veldenz Nr. 399.
  2. Kopiale Überlieferung bei Helwich, vgl. Nr. 20 von 1313.
  3. Heute Moschellandsburg bei Obermoschel (Donnersbergkreis).
  4. Vgl. die Nachweise bei Salden-Lunkenheimer, Besitzungen 190.
  5. Es könnte sich sowohl um einen urkundlich nicht erfaßten, frühverstorbenen Sohn als auch um einen erst nach Jahrzehnten bestatteten handeln; vgl. dazu die unzureichenden Stammtafeln bei Salden-Lunkenheimer, Besitzungen 190 und bei Pöhlmann, Antilmann 2.
  6. Auf dem Disibodenberg selbst sind lediglich noch drei weitere Bestattungen dieser Art bekannt, vgl. die Nrr. 41, 52 und 102.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 37 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0003707.