Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 32 Roxheim, Evang. Pfarrkirche (aus Weiler bei Monzingen) 1341

Beschreibung

Glocke mit Meister- und Spruchinschrift, vorne links im Glockenstuhl des romanischen Ostturms; erworben im Jahr 1921 von der Evangelischen Kirchengemeinde Weiler bei Monzingen1). Große Glocke mit einzeiliger Schulterumschrift (A) zwischen zwei Kordelstegen. Zwischen Datumsangabe und Text befinden sich zwei, von einander durch zwei übereinander stehende o getrennte Reliefs. Zuerst das Meisterzeichen: ein 6 x 6 cm großes Relief mit einer thronenden Muttergottes unter einem von zwei fialenbekrönten Halbsäulchen flankierten Wimperg, darüber Mond und zwei Sterne. In der rechten Hand hält sie eine mehrblütige Lilie, mit der linken umfaßt sie das auf ihrem Schoß stehende Christuskind. Zu beiden Seiten der Szene verläuft die von innen zu lesende Meisterinschrift (B). Darauf folgt ein zweites, sich vor ANNO wiederholendes Relief (6 x 4,5 cm) mit der Kreuzigung: Jesus gekrümmt am Kreuz, der Kreuzesstamm auf einem kleinen Kalvarienberg, daneben Maria und Johannes, über dem Kreuzesbalken Sonne und Halbmond. Als Worttrenner dienen warzenförmige Punkte. Gewicht2) 550 kg, Schlagton a‘.

Maße: H. 95, Dm. 95, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.32 - Roxheim, Evang. Pfarrkirche (aus Weiler bei Monzingen) - 1341

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/4]

  1. A

    · O · REX · GLORIEa) · (CHRIST)Eb) · VENI · CVM · PACE · AMENc) · ANNO · D(OMI)NI · Mo · CoCoCo · XXXXoIo ·d)

  2. B

    MAGISTERe) / SIFRIDE

Kommentar

Die erhaben ausgeführte Meisterinschrift zeigt als Besonderheit ein halbgeschlossen unziales M. Die auf Glocken weitverbreitete Bitte um Frieden ist wohl liturgischen Ursprungs und scheint auf diesem Medium auch mit einer Beschwörung gegen irdisches Unheil3) verbunden zu sein.

Mit der charakteristischen Rippenform, den Buchstabentypen, dem Meisterzeichen, dem Kreuzigungsrelief, dem Friedensruf in lateinischer Sprache4) sowie der Datumsangabe weist die gut erhaltene Glocke zwar alle bekannten Kennzeichen5) der von dem im Kölner Raum tätigen Magister Sifride gegossenen Glocken auf, galt bislang auch als das letzte, von ihm selbst angefertigte Stück, dürfte aber mittlerweile aufgrund neuer Erkenntnisse (s)einer Nachfolgewerkstatt zuzuschreiben sein6). Die Reliefs wurden auf zahlreichen Glocken des späten 14. und gesamten 15. Jahrhunderts in verschiedener Form weiterverwendet7).

Textkritischer Apparat

  1. G spiegelbildlich und auf dem Kopf stehend.
  2. Befund XPE mit Kürzungszeichen.
  3. Fehlt bei Poettgen.
  4. Dieser Worttrenner ist abweichend als kleines o gebildet.
  5. A ohne Mittelbalken.

Anmerkungen

  1. So Kdm. 426; Lehfeldt verzeichnet sie noch an ihrem ehemaligen Standort.
  2. Angaben nach Verzeichnis 81 und Jost.
  3. So DI 1 (Main-Taubergrund) Nr. 441, vgl. auch Walter 162ff.
  4. Poettgen 57 bezeichnet diesen Glockenspruch geradezu als „Standardinschrift“ des Meisters.
  5. Vgl. dazu die ausführliche Zusammenstellung bei Poettgen 38f.
  6. Laut freundlicher Mitteilung von Herrn Jörg Poettgen, Overath, vom 20. April 1992 scheint es sich eher so zu verhalten, daß die im Gegensatz zu den bekannten Sifride-Glocken des Kölner Raums rückschrittliche Verwendung der Kordelstege, die zusätzlichen Aufnahme des AMEN und die Plazierung der Reliefs Hinweise darauf sind, daß nicht, wie bisher von ihm vermutet, Sifride selbst, vielmehr einer seiner Schüler unter Mitnahme und Verwendung der Model des Meisters von Köln nach Mainz wechselte; vgl. dazu auch die Einleitung XLf.
  7. Vgl. die Registereinträge zu Sifride (Nachfolge-Werkstatt).

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 344.
  2. Walter, Glockenkunde 165 (erw.).
  3. Gillmann, Glockenweihe 7.
  4. Zimmermann, Glocken 33 mit Abb. von (B).
  5. Kdm. 325 mit Abb. 18 und 239.
  6. Fritzen, Glockengießer I 84 (erw.).
  7. Poettgen, Magister Sifride 44.
  8. G. Jost, Zur Geschichte der evangelischen Kirche in Roxheim, in: FS Roxheim 36.
  9. D. Ackermann, Die Roxheimer Kirche und ihre Glocken. Anmerkungen zur 250 Jahre alten evangelischen Kirche in Roxheim, in: GuH 1 (1989) 8.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 32 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0003207.