Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 31 St. Johannisberg, Evang. Kirche 1341

Beschreibung

Grabplatte des Mainzer Stiftsherrn Gottfried von (Ober-)Hosenbach. Zweiter, rechts vom heutigen Eingang im Innern auf einem Sockel vor die Nordwand des Turms gestellter Stein (Plan Nr. 30), aufgefunden bei der Renovierung der Kirche in den Jahren 1909/101). Große Platte aus weißgelbem Sandstein mit Umschrift, die durch eine eingehauene Linie vom Mittelfeld abgegrenzt wird. Darin in Ritzzeichnung die von Fialen eingerahmte Figur eines Klerikers in Meßgewand und Birett, den Kelch vor der Brust. Je ein Kreuzchen in den Ecken der Schriftleiste dürfte den geistlichen Stand des Verstorbenen unterstreichen. Erheblich abgetreten, vor allem das obere Drittel und die rechte Leiste weisen starke Beschädigungen auf.

Maße: H. 225, B. 100, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.31 - St. Johannisberg, Evang. Kirche - 1341

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. + · ANNO · DOMINI · + / · Mo · CCCo XLIoa) · IN · OCT(AV)A · PE[NTECOSTES]b) · O(BIIT) GOD+/FRIDVSc) · DE · HO+/SINBACH · CANONICVS · S(ANCTI) · VICTOR(IS)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1341, am achten Tag nach Pfingsten (03. Juni), starb Gottfried von Hosenbach, Stiftsherr von St. Viktor.

Kommentar

Der schlechte Erhaltungszustand der etwas unregelmäßig gehauenen, schlanken Majuskel erlaubt nur wenige Aussagen zur Schriftgestaltung; bemerkenswert ist das selten verwendete, halbunziale B, der ungewöhnlich weite Wortzwischenraum sowie die fehlende Schlußformel.

Der bisher namentlich nicht identifizierte Verstorbene wird 1325 bis 1341 als „canonic(us) ecclesie s. Victoris extra muros maguntinos“ mehrmals urkundlich erwähnt2), war somit Mitglied des in Weisenau bei Mainz gelegenen Stiftes St. Viktor mit Sitz und Stimme im Kapitel3). Das Attribut des Kelches und die senkrecht herabfallende Stola weist ihn als Priester aus. Gottfried dürfte anläßlich einer Reise von oder zu seinem ganz in der Nähe von St. Johannisberg gelegenen Heimatort4) verstorben sein und quasi als Mitbruder in der eigentlich als Grablege der Wild- und Rheingrafen zu Dhaun erbauten und seit 1318 zu einem Stift mit vier Kanonikern erhobenen Kirche begraben worden sein5). Der Stein ist als die früheste und einzig vollständig erhaltene Grabplatte des abgegangenen Stiftes St. Viktor bemerkenswert6).

Textkritischer Apparat

  1. Hensler liest MCCCXXII, Kdm. und Fröhlich/Zimmermann lesen MCCCXXIII.
  2. Kdm. und Fröhlich/Zimmermann lesen DIE. Nach dem eindeutigen P ist noch der Bogen eines unzialen E zu sehen. Vermutlich war das Wort stark gekürzt. Der Ergänzungsvorschlag läßt sich dann mit dem noch verbleibenden Zwischenraum und der zeitüblichen Datierungsweise vereinbaren. Zudem weist das bei K. Hansel, Das Stift St. Victor vor Mainz. Masch.schr. Diss. Mainz 1952, 84 (Anhang) angegebene Todesdatum 1. Juni eindeutig in diese Richtung.
  3. Hensler, Kdm. und Zimmermann erkannten lediglich das Namensende mit DVS. – F und R sind nach sichtbaren, teilweise aber unter Putz liegenden Buchstabenresten ergänzt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Hensler 49.
  2. Vgl. Baur, Hessische Urkunden III Nr. 1041 von 1334 und Nr. 1083 von 1337 sowie die weiteren Nachweise bei Hansel (wie Anm. b) 84 (Anhang).
  3. Vgl. zu den Weisenauer Stiftsherrn Hansel (wie Anm. b) 71ff.
  4. Oberhosenbach, Lkrs. Birkenfeld (westlich von Kirn).
  5. Vgl. Schmitz-Kallenberg, Urkunden S. 200 Nr. 126, sowie zur Geschichte des Stifts immer noch Jüngst, Chronik und vor allem Fröhlich, St. Johannisberg, hier 204ff.
  6. Es finden sich heute nur noch wenige, in eine Mauer eingelassene Fragmente einiger Grabplatten vor, vgl. DI 2 (Mainz) Einleitung [61] und die Nrr. 784, 789, 988 u.a.

Nachweise

  1. Hensler, Wiederherstellung 49.
  2. Kdm. 333.
  3. Fröhlich/Zimmermann, Stiftskirche 23f.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 31 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0003109.