Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 25 Disibodenberg, Kreuzgang 1339

Beschreibung

Grabplatte der Hedwig aus Oberstreit (?). Im westlichen Teil des Südflügels in den Boden eingelassen (Plan Nr. 43), aufgefunden bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Große, schmucklose Platte aus hellem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. Rechte und linke Leiste teilweise abgewittert und beschädigt, linkes unteres Eck gebrochen, linkes oberes fehlt.

Maße: H. 206, B. 106, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.25 - Disibodenberg, Kreuzgang - 1339

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Straeter) [1/1]

  1. +a) ANNO / D(OMI)NI · M · CCC · XXX · IX · VI · K(A)L(ENDAS)b) · OC/TOBRIS · O(BIIT) · HE/DEWI[G.....I]NSTRITc) · UI[VAT / IN] PACE

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1339 am 6. Tag vor den Kalenden des Oktober (26. September) starb Hedwig (aus Oberstreit); sie möge in Frieden leben.

Kommentar

Trotz der Beschädigungen vermittelt die sorgfältige Behandlung der Buchstaben ein abwechslungsreiches Bild: E, N, T und U/V erscheinen unzial und kapital, wobei T sogar in drei Varianten auftritt. Der Deckbalken des unzialen T und der Bogen des unzialen E sind als tief eingeschlagene Dreiecke gestaltet. Während ein A mit gebrochenem Balken sowie N, R und T mit teilweise eingerollten Ziercauden an den Hastenenden versehen sind, zeigt sie das E als innere Ausläufer des nicht ganz durchgezogenen Mittelbalkens.

Die wahrscheinlich aus dem östlich des Klosters liegenden, kleinen Dorf Oberstreit1) stammende Hedwig konnte bislang nicht näher identifiziert werden. Aufgrund der Gleichartigkeit in der Ausführung der Grabplatte, sowie wegen der zeitlichen wie räumlichen Nähe zu den Grabplatten der Sobernheimer Beginen2), dürfte die Verstorbene diesem Kreis zuzurechnen sein.

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn in der Mitte der oberen Leiste nach einer Rosette.
  2. Befund KLL mit einem die Oberlänge des zweiten L kreuzenden, keilförmigen Kürzungsstrich. Die Verdoppelung ist das Zeichen für den Plural.
  3. Vor dem N ist der Unterteil einer Haste sichtbar, aus dem Wortzusammenhang zu I ergänzt. Hinter dem unzialen T erscheint oben eine halbkreisförmige Kürzung, die vielleicht zu OBINSTRITIN aufzulösen ist. Das heutige Oberstreit begegnet 1305 in einer Disibodenberger Urkunde als Ebenstrit (vgl. Ioannis, Spicilegium 286f.) bzw. 1342 in der Form Obenstryt, die aus dem Genetiv Obin der Personennamen-Kurzform Obo entstanden ist; vgl. Kaufmann, Ortsnamen 59f.

Anmerkungen

  1. Zur kaum erforschten Geschichte des Ortes und zu seinem Disibodenberger Klosterhof vgl. Hahn, Geschichte 52ff.
  2. Vgl. Einleitung XVII.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 25 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0002504.