Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 23 Disibodenberg, Kreuzgang zw.1331 u.1334

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabplatte des Andreas von Oberstein (?). Im nördlichen Teil des Ostflügels in den Boden eingelassen (Plan Nr. 17), entdeckt bei den Ausgrabungen im Sommer 1985. Große Platte aus gelbgrauem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im oberen Mittelfeld großes Wappen in Flachrelief. Stark beschädigt und mehrmals gebrochen, untere Leiste fehlt.

Maße: H. (erh.) 230, B. 91, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 34, Nr.23 - Disibodenberg, Kreuzgang - zw.1331 u.1334

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Heinz Straeter) [1/4]

  1. + ANNO · D(OMI)NI Mo / CCCXXXI [.....a) / ..... / ..... R]EQUIESC[AT IN PACE AMENb)]

Wappen:
Oberstein (mit dem Löwen).

Kommentar

Die wenigen erhaltenen Buchstaben sind tief eingehauen; die Buchstabenenden bei M und N laufen in kleine Ziercauden aus.

Die Identität des Verstorbenen läßt sich nur indirekt über das Wappen (gekrönter steigender Löwe) und das ungefähre Todesdatum sowie unter Berücksichtigung der benachbarten Grabplatte erschließen. Auf dieser Platte findet sich oben links ebenfalls das Löwenwappen der an der oberen Nahe beheimateten Herren von Oberstein und gegenüber das der Herren von Metz1). Aus den Genealogien beider Geschlechter ist lediglich eine Verbindung bekannt, die mit allen vorliegenden Fakten harmoniert: die Ehe der 1334 als Witwe bezeichneten Kunigunde von Metz mit dem 1303 bis 1329 urkundlich erwähnten Andreas von Oberstein2). Der Verstorbene dürfte demnach als Sohn des kaiserlichen Hofkanzlers Eberhard von Oberstein und seiner Frau Hebela Marschall von Frauenstein zu identifizieren sein. Andreas übte zeitweilig das Amt eines kurmainzischen Burggrafen auf Burg Böckelheim aus. Die zahlreiche, auf das Ehepaar zurückgehende Nachkommenschaft blühte im Mannesstamm bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts3).

Textkritischer Apparat

  1. Am Ende der Leiste einige unkenntliche Buchstabenreste.
  2. Ergänzt nach zur Verfügung stehendem Raum; am Ende der Leiste einige nicht eindeutig zuzuordnende Buchstabenreste.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 45 von nach 1360. Bei ihnen handelt es sich um eine nach und nach sozial abgesunkene, Anfang des 15. Jh. ausgestorbene Nebenlinie der Grafen von Metz; vgl. Möller, Stammtafeln NF I 10ff.
  2. Vgl. Möller, Stammtafeln AF III Taf. CXXII und NF I Taf. X.
  3. Vgl. Toepfer, UB Hunolstein I 307ff.
Addenda & Corrigenda (Stand 16. September 2014):

Bei Andreas – “eine Schlüsselfigur in der Genealogie der Herren von Oberstein” – handelt es sich wohl nicht um den Sohn des kaiserlichen Hofkanzlers Eberhard, vielmehr um einen Sohn aus der Ehe des Wilhelm von Oberstein mit einer Rheingräfin. Andreas stiftete gemeinsam mit seiner Frau Kunigunde noch am 17. Januar 1337 zu ihrer beider Seelenheil dem Kloster Disibodenberg eine Korn- und Geldrente auf ihre Güter zu Merxheim (freundliche Mitteilungen von Herrn Peter Stammitz, Idar-Oberstein, Brief vom 10. Mai 2000, mit Hinweis auf Möller, Stammtafeln NF II, Nachträge zu AF III Taf. 122 Oberstein). Demnach wären die Todesdaten des Ehepaars entsprechend zu korrigieren.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 23 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0002308.