Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 16 Waldböckelheim, Kath. Pfarrkirche St. Bartholomäus 13.Jh.

Beschreibung

Glocke mit Namensinschriften der vier Evangelisten. Schwer zugängliche, oberste Glocke1) im südlichen Westturm der 1835 an der Stelle eines bereits 11992) erwähnten Vorgängerbaus neu errichteten Kirche3). Auf der Schulter einzeilige, in individueller Wachsfadentechnik ausgeführte Umschrift; die erhabenen Buchstaben sind ohne rahmende Stege teils spiegelverkehrt verdreht und zudem noch teilweise liegend angebracht. Als Worttrenner dienen buchstabengroße, griechische Kreuzchen. Gewicht4) 310 kg, Schlagton c.

Da die heutige Anbringung der Glocke nur die sichere Lesung der ersten beiden Namen zuläßt, folgt die Schreibweise der restlichen der darin miteinander übereinstimmenden kopialen Überlieferung5).

Maße: H. ca. 75 (m. Kr.), Dm. ca. 60, Bu. ca. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, früh.

DI 34, Nr.16 - Waldböckelheim, Kaht. Pfarrkriche St. Bartholomäus - 13.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/1]

  1. + LUCASa) + MARCUSb) + MATHEUS + IOHANNESa)

Kommentar

Schrift und Form dieser ältesten Glocke des Bearbeitungsgebietes lassen sich eindeutig ins 13. Jahrhundert datieren, wenn auch in unterschiedliche Abschnitte. Während die Glocken vom 11. bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Regel einen eindeutig runden Übergang von der Kronenplatte zur Haube aufweisen6), zeigt die Waldböckelheimer Glocke an dieser Stelle bereits den für die spätere Zeit typischen, wenn auch noch schwach ausgebildeten, flach abgestuften Übergang. Die Schulter selbst ist noch gerundet, aber ohne Steg, was wiederum für eine frühere Datierung spräche. Die wohl von Hand aus Wachsfäden modellierten, auf das Modell der Glocke gelegten Buchstaben sind zwar mit gleichzeitigen, in anderer Technik7) angefertigten gotischen Majuskeln nur schwer zu vergleichen, könnten aber aufgrund ihrer schlichten, noch ohne Schwellungen ausgeführten Formen ebenfalls der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehören. Die auffallende, gerundete Oberfläche der Buchstaben ist auf die besondere Herstellungsart zurückzuführen.

Ob durch das verkehrte Setzen der Buchstaben und durch die „zauberkräftige“ Nennung der vier Evangelisten8) tatsächlich „Mißgeschick von der Glocke oder von der Kirche“9) abgewendet werden sollte, müßte unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten bei der Herstellung dieser Schrift noch gründlich diskutiert werden.

Textkritischer Apparat

  1. Von rechts nach links zu lesen.
  2. Von links nach rechts zu lesen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 142 von 1469. Die mittlere Glocke ist ohne Inschrift.
  2. Vgl. Seibrich, Entwicklung 134.
  3. Vgl. dazu ausführlich Caspary, Waldböckelheim 8-27. – Die drei erwähnten (S. 12), mit Kelch verzierten, vor dem Hochaltar gelegenen Priestergrabplatten dürften – wie zahlreiche andere Grabplatten – dem Umbau zum Opfer gefallen sein (vgl. auch Hahn 83 Anm. 1).
  4. Angaben nach LfD Mainz.
  5. Wegen des besonderen Charakters der Anbringung der Inschrift ist die Reihenfolge der Namen auch umkehrbar, so bei Lehfeldt, Hahn und Zimmermann.
  6. Vgl. zum folgenden die Beispiele im DGA Württemberg-Hohenzollern S. 4ff. mit den Abb. 2-3 sowie 4-7.
  7. Etwa eingeritzt, eingeschnitten, aufgelegt oder aus Modeln gefertigt; vgl. dazu Schilling, Glocken 111f.
  8. Vgl. DI 1 (Main-Taubergrund) Nr. 429. – Walter, Glockenkunde 160ff. verzeichnet ab 1162 bis in die Neuzeit zahlreiche Glocken mit dieser Namensinschrift.
  9. So Hahn und ähnlich Koch, Literaturbericht 62.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 340.
  2. Hahn, Geschichte 71.
  3. Zimmermann, Glocken 35.
  4. Kdm. 407.
  5. Liste der Glocken (1942) 8.
  6. LfD Mainz, Planarchiv, Unterlagen Glockenatlas.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 16 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0001605.