Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 10 Sponheim, ehem. Kloster 12.Jh.

Beschreibung

Mit Namensbeischrift versehene Figur des hl. Nikolaus. Ehemals wohl in der Klosterkirche, seit unbekannter Zeit als Spolie in die Südwestecke des ehemaligen Brunnenhauses verbaut1). Schmaler Quader aus gelbem Sandstein; oben ist die mit kleinen Kreisen unterlegte Namensinschrift eingehauen, darunter die halbplastisch herausgearbeitete Figur des Heiligen. Den Kopf mit Mitra und den beiden auf die Schulter fallenden, unten in Fransen geschnittenen stolae umfängt eine halbkreisförmige, vielleicht einen Nimbus andeutende Muschelnische. Kopf und Körper der Figur wurden später nach unten hin zunehmend abgespitzt, erkennbar ist noch die erhobene Rechte mit dem Bischofsstab.

Maße: H. 70, B. 23, T. 31, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Romanische Majuskel.

DI 34, Nr. 10 - Sponheim, ehem. Kloster - 12.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/1]

  1. S(AN)C(TV)S · NICOLAV[S]a)

Kommentar

Die vorgenommene Datierung stützt sich einmal auf die noch eindeutig kapital angelegte, feinstrichige Ausformung der wenigen Buchstaben und das allerdings auch eine frühere Einordnung nahelegende, klein eingestellte O. Dagegen verweisen die dreiecksförmig verbreiterten Hastenenden, das gerundete A und das durch Doppelstriche konturierte I2) bereits auf die künftige Entwicklung zur gotischen Majuskel. Für die Datierung ins 12. Jahrhundert spricht zudem die noch auffallend niedrig gehaltene, jedoch typisch dreiecksförmig ausgeführte Form der Mitra3) des Heiligen.

Möglicherweise läßt sich die wohl als Bauglied, nicht als einzelnes Standbild verwendete Reliefplatte mit der noch auf eigener Anschauung (etwa um 1500) gründenden Nachricht des Trithemius in Verbindung bringen, daß der um 1135 verstorbene Klostergründer Graf Meinhard von Sponheim die Chorschranken der Kirche mit „tabulatu lapideo“4) geschmückt habe. Da die Verehrung des hl. Nikolaus außerhalb Italiens erst mit der Überführung seiner Reliquien im Jahr 1087 allgemein einsetzte und damit verbunden, figürliche Darstellungen im Bereich der deutschen Kunst mit dem 12. Jahrhundert5) beginnen, ist das bisher unbeachtete Sponheimer Relief durchaus bemerkenswert.

Textkritischer Apparat

  1. O dem C klein eingeschrieben.

Anmerkungen

  1. Die überwachsene Spolie kam anläßlich der Restaurierung des Brunnenhauses im Sommer 1990 zum Vorschein, wird nun allerdings von einer Rosenhecke verdeckt.
  2. Vgl. etwa DI 12 (Heidelberg) Nr. 17.
  3. Vgl. Bock, Gewänder II 164f. und Braun, Tracht 708f.
  4. Trithemius, Chron. Sponh. 237f.
  5. Vgl. dazu ausführlich Meisen, Nikolauskult 71ff. und 193ff. sowie zur bevorzugten Rezeption des Heiligen im Benediktinerorden B. Danzer, Sankt Nikolaus und die Benediktiner, in: Benediktinische Monatsschrift 16 (1934) 460-465.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 10 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0001007.