Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 1a Disibodenberg, Klostermuseum 2. H. 11./1. H. 12. Jh.?

Diese Katalognummer liegt nur in der Onlinefassung vor.

Beschreibung

Fragment eines Inschriftensteines, vom Bearbeiter im Sommer 2000 inmitten eines großen Steinhaufens im großen Klosterkeller aufgefunden1). Es handelt sich um einen kleinen querrechteckigen Quader aus hellem Sandstein mit einer dreizeilig eingehauenen Inschrift. Aufgrund der erhaltenen glatten Kanten handelt es sich wohl um die rechte obere Ecke eines größeren Inschriftensteines.

Maße: H. 12,5, B. 18,5, T. 9,5, Bu. 2,5-3,5 cm.

Schriftart(en): Frühe romanische Majuskel.

DI 34, Nr. 1a - Klostermuseum - 2.H.11./1.H.12.Jh.?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/3]

  1. [---] ◦ S(AN)C(T)A ◦ PA[. / ---]TRAR[Ia) / ---]SA ◦ V ◦ S[. / ---]

Kommentar

Die streng linear gestaltete Schrift weist durchgehend kapital ausgeführte Buchstaben auf, unter denen das spitze A mit beidseitig überstehendem Deckbalken sowie die gerade Cauda des R besonders auffällig sind. Eine ausgesprochene Seltenheit stellt das T dar, bei dem es sich um eine sehr frühe Form des runden T handelt, bei dem der Schaft zwar noch gerade und nicht bogenförmig gestaltet2), dafür aber ausgezogen und einwärts gebogen ist. Als Worttrenner dienen auf Zeilenmitte gesetzte halbkugelig vertiefte Punkte.

Aufgrund der wenigen erhaltenen Buchstaben und des geringen Textes ist der Stein allein nach epigraphischen Kriterien nur schwer zu datieren, zumal es sich um kein besonders qualitätvoll ausgeführtes Stück handelt; so sind etwa die ungelenk eingehauenen Buchstaben unterschiedlich groß und halten nicht die Linie. Da sich die Inschrift bisher jedem sinnvollen Deutungsversuch entzogen hat, kann inhaltlich nur soviel festgestellt werden, dass es sich bei dem Text mit Sicherheit um kein übliches Formular handelt, eine Inschrift aus dem Bereich des Totengedenkens also kaum in Frage kommt. Hinsichtlich der Datierung legen die bislang im Bestand der „Deutschen Inschriften“ publizierten (oft mit Fragezeichen datierten) Vergleichsbeispiele3) eine grobe Datierung ins 10. und 11. Jahrhundert nahe, dennoch ist auch eine spätere Entstehung nicht ganz auszuschließen. Geht man allerdings davon aus, dass während der Bauzeit der benediktinischen Klosterkirche auf dem Disibodenberg in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts nicht allzu viele Inschriften entstanden sind, die – soweit heute noch erhalten – zudem einen anderen Schriftduktus aufweisen4), sprechen die angeführten Indizien letztlich dafür, dieses Fragment doch in die Zeit vor 1100 zu setzen. Damit hätten wir das erste inschriftliche Zeugnis für eine noch wenig erforschte Zeit vor uns, als auf dem Disibodenberg das von Erzbischof Willigis um 1000 gegründete Kanonikerstift seine große Wirksamkeit entfaltete.

Textkritischer Apparat

  1. Oberer Teil des Balkens fehlt, vermutlich ein I.

Anmerkungen

  1. Der Inschriftenstein ist bereits auf einem historischen Foto zu sehen, dass sich im Besitz von Herrn Manfred Geib, Odernheim, befindet. Herrn Geib danke ich herzlich für diesen Hinweis sowie für die Überlassung einer Kopie des Fotos, Brief vom 27. Juni 2004. – Der Stein befindet sich zur Zeit als Leihgabe im Archiv der Mainzer Inschriften-Arbeitsstelle.
  2. Vgl. etwa DI 71.1 (Stadt Trier) Nr. 71 mit Abb. 48, vom Bearbeiter „Anfang 11. Jh. - vor 1016“ datiert.
  3. Herzlicher Dank gebührt unserer damaligen wissenschaftlichen Hilfskraft Katharina Haberkorn, die diese Suche am Beispiel des spitzen A mit Deckbalken engagiert durchgeführt hat.
  4. Vgl. dazu oben Einleitung Kap. 5.1.

Nachweise

  1. Nikitsch, Begräbnisstätte 123 mit Abb. 10.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 1a (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k00001a7.