Die Inschriften des Landkreises Bad Kreuznach

5. Schriftformen

[Druckseite XLIV]

5. 1. Romanische und gotische Majuskel

DI 34 Nr.61 - Disibodenberg, Depot (aus Marienkapelle) - 1374
 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) | Nr. 61, Abb. 1 | Gotische Majuskel

Obwohl im Landkreis Bad Kreuznach zumindest mit Disibodenberg und der fränkischen, auf dem Gelände des ehemaligen römischen Kastells138) gelegenen Martins- und späteren Kilianskirche139) zwei potentielle Standorte frühchristlicher bzw. karolingischer Inschriftenträger140) vorliegen, hat sich aus dieser Zeit nichts derartiges erhalten. Dies steht im Gegensatz zum Befund der benachbarten politischen und kulturellen Zentren141) Lorsch, Worms, Mainz und den bedeutenden Orten am Mittelrhein.

Die erste nachweisbare romanische Majuskel aus der 2. Hälfte des 11./1. Hälfte des 12. Jahrhunderts auf der fragmentarisch erhaltenen Ingebrandus-Grabplatte aus Kloster Sponheim (Nr.1) zeigt neben ihrem kapitalen Grundcharakter für das Mittelrheingebiet eher seltene Formen142): feinstrichig gestaltete, ligierte Buchstaben mit charakteristischen, einfachen, kurzen Sporen an den Enden, zu denen sich in der weiteren Entwicklung (Nr.5f., Kloster Disibodenberg und Nr.10, Kloster Sponheim) vereinzelt unziale Formen und Zierelemente (A, E, D mit über die Haste gezogenen Bögen, doppelstrichiges I) gesellen. Hinzu kommen noch sich langsam ausprägende, dreiecksförmige Abschlüsse der Buchstabenenden. Die einzige erhaltene, gravierte romanische Majuskel aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts (Nr.4, Bad Kreuznach-Planig) nimmt aufgrund ihrer besonderen Herstellungsart eine die Entwicklung der Lapidarschrift vorwegnehmende Ausnahmestellung143) ein: Sie weist bereits durchgehend keilförmig gehauene Hasten mit dreiecksförmig ausgeführten Enden auf. Gleiches gilt für die in identischer Technik ausgeführte Schrift eines nur in Abzeichnung überlieferten Buchdeckels aus dem vierten Viertel des 12. Jahrhunderts (Nr.8, Disibodenberg): hier läßt sich zudem erstmals ein mit einem dünnen Abschlußstrich versehenes, unziales E144) beobachten.

Die Übergangszeit145) zwischen romanischer und früher gotischer Majuskel in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts dokumentieren die Namensbeischriften des Pfaffen-Schwabenheimer Retabels (Nr.12) und die der Wandmalereien146) aus Niederhausen (Nr.13). In die strukturell noch eindeutig kapital angelegte Schrift sickern nun als unverkennbare Anzeichen der beginnenden Gotisierung vermehrt variantenreiche unziale Formen ein, die zwar in den Bögen bereits leichte Schwellungen zeigen, ohne jedoch die offenen Buchstabenelemente abzuschließen. [Druckseite XLV]

Da sich im Bearbeitungsgebiet - abgesehen von einigen gesondert zu wertenden Glocken (s. Kap. 4.4.) - aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts keine Inschriften erhalten haben, repräsentieren bereits die beiden, kürzlich auf dem Disibodenberg entdeckten, gut erhaltenen Heinzenberg-Grabplatten von 1302 und 1308 die entwickelte gotische Majuskel mit all ihrem Formenreichtum unzialer und kapitaler Buchstaben. Neben der sich fortsetzenden Tendenz zur Abschließung offener Buchstaben (wie bei C und E) ist die weitere flächige, dreiecksförmige Ausarbeitung der Hasten und das zunehmende Anschwellen der Bögen festzustellen. Zudem taucht neben Zierformen wie eingerollte Cauden und begleitende Doppelstriche so ungewöhnlicher Schmuck auf wie kleine, die Schräghaste des kapitalen N (auch bei L und dem Kürzungsstrich bei O(BIIT)) rechtwinklig kreuzende, an den Enden mit Perlen versehene Querstriche oder unziales E mit eingerollten Cauden als innere Ausläufer des nicht ganz zur Haste hin durchgezogenen Mittelbalkens. Die auffallende Variationsbreite in der Schriftgestaltung weist zudem auf den zweifachen Ansatz der Disibodenberger Steinmetze hin, die Schrift offenbar nicht nur als Mittel zur Informationsweitergabe aufzufassen, sondern auch als künstlerisches Betätigungsfeld zu nutzen147): Wir finden etwa das A zum einen symmetrisch gerundet mit nach links geschwungenem Deckbalken, eingerollten Cauden und gebrochenem, aus Haar- und Schattenstrich gebildetem Mittelbalken, zum anderen in der vertrauten pseudounzialen Form, hier allerdings mit gegenläufigem inneren Zierstrich an der gebogenen linken Haste und einem Haarstrich als Deckbalken, zum dritten ’kapital’ mit zwei fast parallel gestellten Hasten, die linke mit Cauda, sowie einem kräftigen geraden Mittel- und einem dünnen Deckbalken. Es nimmt nicht wunder, daß der hier entwickelte Formenreichtum zumindest für den abseits kultureller Zentren liegenden Disibodenberger Bereich Vorbildfunktion148) hatte bzw. in einer anzunehmenden Klosterwerkstatt149) als Potential zur Verfügung stand. Zahlreiche charakteristische Formen finden sich - wenn auch zum Teil reduziert - auf den späteren Disibodenberger Grabplatten wieder; zudem nehmen sie eine Besonderheit auf, die erstmals auf dem Stein von 1308 nachweisbar ist: die auch sonst selten zu beobachtende Ligatur eines unzialen D mit einem kapitalen E. Weitere, stets ungewöhnliche Ligaturen erscheinen erst wieder 1340 auf der Grabplatte der Begine Adelheid d. J. mit einer eigenwilligen OR-Verbindung, dann vor allem auf der Steinkallenfelser Platte von 1354 mit einer UL-Ligatur, der Ligatur eines spiegelverkehrten N mit einem ’kapitalen’ A sowie eines kapitalen spiegelverkehrten mit einem unzialen N.

Nur einige wenige Inschriften des 14. Jahrhunderts erreichen die außergewöhnliche Qualität der Schriftgestaltung der beiden Heinzenberg-Platten; auch bei ihnen lassen sich sowohl innovative als auch die bekannten zeittypischen Formen beobachten. Die Tendenz geht einerseits zur vermehrten Abschließung offener Buchstaben wie bei U, gleichzeitig werden die bogenförmigen Buchstabenelemente flächiger und tiefer. Bei der Grabplatte der Hedwig von Oberstreit aus dem Jahr 1339 zeigen sich mit der tief eingeschlagenen, dreiecksförmigen Gestaltung des Bogens beim unzialen E und des Deckbalkens beim unzialen T erstmals wieder neue Tendenzen, die wohl auch zu Datierungszwecken150) herangezogen werden können. Wie sehr sich gleichzeitige Schriften einer Region in der Ausführung dennoch von einander unterscheiden können, beweist die Umschrift auf der 1340 entstandenen Tumbendeckplatte des Grafen Johann II. von Sponheim im Kloster Pfaffen-Schwabenheim. Hier finden sich zwar große, sorgfältig ausgeführte, sonst aber völlig schmucklose Formen in - der Bedeutung des Denkmals angemessenen - repräsentativ ausgeführten, fast quadratischen [Druckseite XLVI] Proportionen151). Dagegen zeigt die (bislang zu früh datierte) Inschrift für den Mainzer Kanoniker Gottfried im Stift St. Johannisberg von 1341 auffallend schlanke Majuskeln mit eher verhaltenen Schwellungen. Um die Jahrhundertmitte tauchen mit dem halbunzial geschlossenen M (erstmals Nr.35 von Ende 1347, dann Nr.42 von 1358, Nr.56 von 1369 und Nr.59 von 1371) eine eigentlich unzeitgemäße Buchstabenform sowie mit der Verwendung von Nodi am kapitalen N (Nr.36 und Nrr.39ff.) verstärkt Zierformen auf.

Neben den beiden Grabplatten der Herren von Heinzenberg von 1302/1308 bildet die 1354 hergestellte Grabplatte der Metza von Steinkallenfels einen weiteren Höhepunkt in der Ausführung der gotischen Majuskel auf dem Disibodenberg. In herausragender Weise verbindet sich hier der Formenreichtum ihrer Vorgänger mit zeittypischen Phänomenen: Ihre schlanken, ligaturenreichen (s.o.), tief eingehauenen Buchstaben tendieren nun auch bei bisher offenen Buchstaben wie F, L und T durch senkrecht ausgezogene Serifen zur zumindest angedeuteten Abschließung, dabei sind S und U bereits vollständig geschlossen. Hinzu treten die schon früher beobachteten dreiecksförmigen Ausbuchtungen beim Deckbalken des T und an den Bögen einiger weiteren Buchstaben. Die Querhasten bei N und Z sind nun mit Nodi geschmückt und als Worttrenner werden nicht mehr halbkugelig vertiefte Punkte, sondern erstmals kleine Kreise verwendet.

Mit der nur in wenigen Buchstaben erhaltenen gotischen Majuskel auf einer kurz nach 1360 zu datierenden Grabplatte (Nr.45) neigt sich die Wandlungsfähigkeit dieser Schriftart spürbar ihrem Ende zu. Fast alle bogenförmigen Buchstabenteile sind dreiecksförmig ausgebildet, bei B und R sind die sich eigentlich an der Mittelhaste berührenden Elemente als dreiteilige Schmuckform gestaltet, der Bogen des E besteht eigentlich nur noch aus einem Dreieck, von dem dünne Linien in den mit Cauden versehenen Abschlußstrich übergehen, der Mittelbalken ist nach innen nicht durchgezogen und zeigt ebenfalls eingerollte Cauden: Trotz aller Kunstfertigkeit läßt sich hier eine gewisse manierierte Tendenz nicht übersehen. Auch wenn die gotische Majuskel auf der Grabplatte des Grafen Georg von Veldenz 1377 (Nr.62) in Meisenheim (als einziges bekanntes Beispiel dieser Art im Bearbeitungsgebiet) erhaben ausgeführt wird, sind ihre Entwicklungsmöglichkeiten doch erschöpft, der unvermeidliche Übergang zur ’modernen’, seit der Jahrhundertmitte vehement aufkommenden gotischen Minuskel scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Dennoch bleibt die Majuskel im Bearbeitungsgebiet bis 1407 in Gebrauch, entwickelt aber - trotz herausragend qualitätvoller Beispiele wie auf der Abtsgrabplatte von 1371 (Nr.59) - keine neue Formensprache mehr. Ein auffallendes Kennzeichen der späten Majuskel ist allenfalls die vereinzelt zu beobachtende Reduzierung der Hasten zu einfachen Kerben, allerdings in Verbindung mit tief eingehauenen Sporen (Nr.63 von 1380 und 71 von 1388?). In der Regel bleiben die meist mit Cauden versehenen Buchstaben jedoch tief und flächig, zeigen weiterhin ausgeprägte, zum Teil dreiecksförmige Schwellungen und einzelne Zierformen. Die auch sonst beobachtete Technik, die Kerben der Majuskel-Buchstaben nur trogartig und nicht wie sonst üblich spitz zulaufend durchzuschlagen und so unterseitig eine rauhe Oberfläche zurückzulassen, läßt sich zwar nur vereinzelt, dafür aber im gesamten Verwendungszeitraum dieser Schriftart nachweisen. Sie sollte wohl durch die Füllung der Buchstaben mit Metall oder einer rötlichen bzw. schwärzlichen Farbmasse152) die Struktur der oft kunstvoll gestalteten Majuskel eindrucksvoll zur Geltung bringen. [Druckseite XLVII]

Für das im nahe gelegenen Worms beobachtete Weiterleben153) der gotischen Majuskel im 15. Jahrhundert konnte im Bearbeitungsgebiet keine Parallele gefunden werden.

5. 2. Frühhumanistische Kapitalis

Etwa hundert Jahre nach der letzten, in Großbuchstaben gestalteten Grabinschrift (Nr.104, 1407) läßt sich im Bearbeitungsgebiet eine davon weitgehend unabhängige, kapitale Schriftart154) beobachten, die ihre Wurzeln im humanistisch geprägten Italien des 15. Jahrhunderts hatte. Vermittelt über Auszeichnungsschriften in Handschriften und den frühen Buchdruck fand sie - ausgehend von Süddeutschland - seit der Mitte des 15. Jahrhunderts Eingang in die epigraphischen Schriften, entsprechend ihrem künstlerischen Charakter vor allem bei gemalten und geschnitzten Werken.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht erstaunlich, daß sich die sogenannte frühhumanistische Kapitalis im gesamten Bearbeitungsgebiet nur auf Gegenständen nachweisen läßt, die dem spezielleren Kunsthandwerk zugerechnet werden können. Die früheste datierte Inschrift findet sich im Jahr 1506 als Datumsinschrift auf der Rückenlehne einer Kirchenbank (Nr.233), von dem berühmten Künstler Erhart Falckener in der ihm eigenen Technik der Flachschnitzerei ausgeführt. Obwohl in diesem Fall gewisse Werkstatteigentümlichkeiten berücksichtigt werden müssen, zeigt sich mit der Verwendung des I mit Nodus ein typisches Merkmal dieser Schrift. Auch der auffälligste Unterschied zur vorhergegangenen gotischen Majuskel wird hier wie bei den folgenden Beispielen deutlich: Verzicht auf ausgeprägte Schwellungen, dagegen Vorliebe für eher gleichstrichig gestreckte, ligaturenarme, bewußt stilisierte Formen. Vier undatierte, jeweils um 1500 eingeordnete Inschriften zeigen auf unterschiedlichen Inschriftenträgern nahezu die gesamte typische Vielfalt dieser Schriftart. Während der Buchstabe I im gestickten Kreuztitulus auf einer Kasel (Nr.216) ebenfalls mit Nodus versehen ist, weist die gemalte Buchstabeninschrift auf der Hergenfelder Altarpredella (Nr.217) sowohl das charakteristische zweibogige E, als auch M mit weit nach oben gezogenem Mittelteil auf. Die gleichen Formen sind auch bei den Namensinschriften eines silbervergoldeten Meßkelches festzustellen (Nr.218), ergänzt um die halbrunde Ausbuchtung am Mittelbalken des H. Letztere Zierform zeigt sich auch an der Schräghaste des spiegelverkehrt gestalteten N der Meisterinschrift einer Glocke aus Laubenheim (Nr.219). Bei den beiden datierten Glocken von 1512 (Nr.242) und 1513 (Nr.243), den letzten Vertretern mit frühhumanistischer Kapitalis, lassen sich noch einmal alle aufgeführten Formen beobachten; zusätzlich erscheint noch D mit leicht nach innen gebogener Haste und spiegelverkehrtes Z mit halbrunder Ausbuchtung an der Schräghaste.

5. 3. Kapitalis

DI 34, Nr.255 - Bad Wildungen, Museum Schloss Friedrichstein (aus Bad Münster am Stein-Ebernburg, Burg Ebernburg) - 1519
 Staatliche Kunstsammlung Kassel | Nr. 255, Abb. 1 | Kapitalis

In den beiden letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts läßt sich im Gebiet des Mittelrheins155) eine neue, an der monumentalen römischen Kapitalschrift156) orientierte und nach ihr benannte Inschriftenschrift nachweisen. Vermittelnde Zentren waren wohl die vom Humanismus geprägten, die Antike rezipierenden Bischofsstädte Mainz157) und Worms158) sowie die kurfürstliche Universtätsstadt Heidelberg159). Im Unterschied zur frühhumanistischen Kapitalis folgt die (früher Renaissance-Kapitalis genannte)160) Kapitalis zunächst ohne wesentliche Ausbildung von Sonderformen in Proportion, unterschiedlichen Strichstärken und Sporenbildung dem antiken Vorbild, [Druckseite XLVIII] interessanterweise gilt dies auch für die Verwendung von kleinen Dreiecken als Worttrenner (s.u. Kap. 5.7.).

Im Bearbeitungsgebiet wurde die Kapitalis sicher nachweisbar erstmals 1515 und 1517 für kurze Bauinschriften der etwas abgelegenen Kirchen in Dörrebach (Nr.246) und Windesheim (Nr.250) verwendet. Möglicherweise handelt es sich aber hier um Mainzer Einfluß oder um einen Reflex auf das benachbarte, durch den Abt Johannes Trithemius lange Zeit humanistisch geprägte Kloster Sponheim, dessen zahlreiche, möglicherweise in früher Kapitalis abgefaßte Inschriften161) nur abschriftlich erhalten sind. Gerade diese ersten beiden Vertreter zeigen typische Schwierigkeiten bei der Gestaltung dieser bislang ungewohnten Schrift: Während in Dörrebach zum Teil gotische Versalformen adaptiert werden (spitzes A mit zentriertem Deckbalken und gebrochener Mittelhaste, spiegelverkehrtes N), herrschen in Windesheim mit der tendenziell gerundeten Ausführung einiger Buchstaben eindeutig schreibschriftlich beeinflußte Tendenzen vor. Die auf dem Sickingen-Becher von 1519 (Nr.255) eingravierten Inschriften zeigen trotz ihrer sorgfältigen Ausführung - wohl auch durch die andersartige Technik veranlaßt - weitere Unterschiede zur klassischen Monumentalschrift: E mit nur angedeutetem unterem Balken, G mit weit nach oben gezogener, senkrechter Cauda, M mit nur halb herabgezogenem Mittelteil, R mit leicht nach außen gewölbtem, an der Haste ansetzendem Bogen, Q als auf die Linie gestelltem Kleinbuchstaben und X mit leicht geschwungener, rechter Schräghaste.

Mit der erstmals zeilenweise auf einer Tafel eingehauenen Grabinschrift für den 1521 verstorbenen Wild- und Rheingrafen Philipp (Nr.257) wird im Bearbeitungsgebiet eine kleine Reihe erhaltener, in exzellenter Kapitalis ausgeführter Inschriften eröffnet, die sich an antike römische Vorbilder anzulehnen scheinen: Worttrenner in Form kleiner Dreiecke, langgezogene Kürzungsstriche, wenige Ligaturen, hauchdünne Ausführung aller waagerechten Buchstabenelemente, Linksschrägenverstärkung bei A, M, N, V und X, sowie G mit halbhoch geführter, senkrechter Cauda, M mit auf die Zeile gezogenem Mittelteil und R mit nur leicht geschwungener, aber rechts unten am Bogen ansetzender Cauda. Doch auch bei dieser Inschrift ist durch den stark eingezogenen Mittelbalken des E und F, durch den geschlossenen Bogen des P sowie durch den hochgestellten Multiplikator in der Datumszeile ein gewisser zeitgenössischer Einfluß nicht zu verkennen. Die gleichen formalen Merkmale lassen sich bei der Umschrift des wohl 1524 hergestellten Grabdenkmals für Wolf Marschall von Waldeck zu Iben (Nr.263) beobachten; hier kommen als weitere „antikische” Elemente der Gebrauch von Siculi als Worttrenner und der Austausch des eigentlich unverzichtbaren, zweimal im Namen vorkommenden Buchstabens W durch V hinzu. Geradezu verräterisch wirkt dagegen die hier stark geschwungene Cauda des R. Bei der Grabinschrift des 1531 verstorbenen Ritters Heinrich II. von Schwarzenberg (Nr.272) zeigt sich eine ähnlich gut ausgeführte Kapitalis, die zwar in der Datumszeile ein R mit fast gestreckter Cauda aufweist, jedoch gleichzeitig auf das „unklassische”, mittels zweier ineinander verschränkter V gebildete W nicht verzichtet. Die starke Tendenz zu gleichförmiger Strichstärke zeigt sich deutlich bei der 1533 angefertigten Grabinschrift des Ehepaars von Wachenheim (Nr.276). Ein später Vertreter dieser Gruppe hat sich in dem 1547 hergestellten Grabdenkmal für Elisabeth Marschall von Waldeck zu Iben (Nr.293) erhalten, das allerdings in deutlicher Anlehnung an das Denkmal ihres Mannes (Nr.263, 1524; s.o.) konzipiert wurde. Dennoch lassen sich durch die zahlreichen Ligaturen und Buchstabenverbindungen sowie durch die weit geschwungene Cauda des R, die gebogenen Arme des K und die Verwendung von W entscheidende Veränderungen in der Schriftgestaltung nachweisen. Mit der kurz nach 1553 enstandenen, in vier Distichen abgefaßten Grabinschrift für Simon III. Boos von Waldeck (Nr.309) werden ein letztes Mal fast alle oben aufgeführten Kriterien der klassischen Monumentalschrift erfüllt, sogar das R erscheint mit nur leicht nach innen gebogener Cauda.

Bereits ab dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts lassen sich bei der Kapitalis im Bearbeitungsgebiet die auch sonst öfters beobachteten, verschiedenartigsten Entwicklungsstränge feststellen, die sich weit vom einstigen Vorbild entfernen. Während bei der 1529 in ein hölzernes Kirchengestühl geschnitzten Spruchinschrift (Nr.269) erstmals mit f und h Minuskelbuchstaben Eingang in die kapitale Schrift162) finden, zeigt ihr wohl gleichzeitig entstandenes Pendant noch Formen der frühhumanistischen Kapitalis (Nr.270). Die sonst sorgfältig gearbeitete Kapitalis der Grabinschrift für den 1531 verstorbenen Wild- und Rheingrafen Johann VII. (Nr.273) ist fast schon in einheitlicher Strichstärke ausgeführt, zudem mit auffällig vielen Kürzungen und Kürzungszeichen versehen. Im gleichen Jahr finden sich auf der Schrifttafel des Dalberg-Epitaphs (Nr.274) einheitliche Strichstärke, [Druckseite XLIX] die durchgehende Verwendung von W und die Gestaltung des M mit hochgezogenem Mittelteil.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts setzt sich die skizzierte Entwicklung fort; zeittypische Merkmale163) zeigen sich nun zusätzlich an der Verwendung halbrunder Ausbuchtungen am Schaft des D (Nr.297, 2.V.16.Jh.?) bzw. am Balken des H (Nr.303, um 1550?; Nr.305 III, 1551; Nr.310, 1554 u.ö.) und am Schaft des I (Nr.310, 1554). D mit nur halbhoch ausgeführter Haste und gleichzeitig nach oben links verlängertem Bogen erscheint erstmals 1562 (Nr.317), dann erst wieder 1606 (Nr.450) und öfter (Nr.488, vor 1617; Nr.505, 1622). E mit verlängertem unterem Balken sowie I mit überschriebenen Punkt sind erstmals auf der Grabplatte des 1565 verstorbenen Johann von Schwarzenberg (Nr.319) nachweisbar, aus zwei gegeneinander gesetzten Halbkreisen gebildetes X auf einer fragmentarischen Grabplatte von 1574 (Nr.338). Die 1575 angefertigte Grabinschrift für Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (Nr.340) zeigt als abweichende Besonderheiten erstmals I mit nach unten verlängertem Zierstrich sowie E und L mit weit verlängertem unteren Balken. Die Grabinschrift für Anton Boos von Waldeck von 1585 (Nr.360) ist erstmals mit einigen, später häufig auftretenden Formen wie Nodus am Balken des H, spitz zulaufendes O und R mit unterhalb des Bogens an der Haste ansetzender Cauda versehen. G mit rechtwinklig nach innen geknickter Cauda tritt erstmals im Jahr 1586 auf (Nr.363; auch Nr.374, 1590 und Nr.399, 1596).

Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts lassen sich verstärkt Tendenzen zur Ausbildung von Zierformen erkennen, etwa zu die Zeile übergreifenden Buchstaben (Nr.441, 1603; Nr.490, 1617 u.ö.), zur caudenförmigen Gestaltung der Hastenenden (Nr.505, 1622; Nr.515, 1626; Nr.586, 1675 u.ö.), zur gesteigerten Verwendung von Ligaturen und Buchstabenverbindungen (Nr.512, 1.V.17.Jh.; Nr.520f., 1631 u.ö.) oder das Bestreben zur Kursivierung kapitaler Buchstaben (Nr.522, 1632; Nr.569, 1665; Nr.585, 1675 u.ö.). Bedeutsamer ist jedoch der im Bearbeitungsgebiet erstmals 1608 in einer Bauinschrift (Nr.462), dann wieder (unsicher) 1634 (Nr.530) und ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts häufiger (Nr.551, 1651; Nr.563, 1660; Nr.575, 1668 u.ö.) nachweisbare Gebrauch von U statt dem bislang in der Kapitalis üblichen V. Mit dieser grundlegenden Veränderung scheint ein gewisser Abschluß in der Entwicklung der Kapitalis erreicht worden zu sein.

5. 4. Gotische Minuskel

DI 34, Nr.145 - Kirn, Evang. Pfarrkirche - 1474
 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) | Nr. 145, Abb. 5 | Gotische Minuskel

Die sich im 11. Jahrhundert in den kulturellen Zentren Nordfrankreichs und Belgiens entwickelnde Buchschrift164) (Textura) weist als Hauptmerkmal auf der Zeile stehende Kleinbuchstaben (Gemeine) mit gebrochenen Schäften auf. Diese neue Schreibschrift verbreitete sich über ganz Europa, erreichte im Deutschland des 13. und 14. Jahrhunderts ihre Blütezeit, wurde aber bis weit in das 16. Jahrhundert hinein als Auszeichnungsschrift verwendet. Die Übernahme als gotische Minuskel in die monumentale Steinschrift erfolgte wohl in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts - sie konnte erstmals auf einer 1261 in Nordfrankreich hergestellten Grabplatte165) nachgewiesen werden. Im deutschen Sprachraum scheint die gotische Minuskel zuerst 1320 und 1328 auf den Tumbendeckplatten zweier Mainzer Erzbischöfe166) aufzutreten; etwa ab 1340 breitet sie sich dann allmählich weiter aus167). [Druckseite L]

Da nicht nur bei der Wand- und Glasmalerei168) sondern wohl auch in der Goldschmiedekunst Leine gewisse zeitliche Vorwegnahme in der Verwendung neuer Schriftformen zu beobachten ist, dürfte der von kunsthistorischer Seite vorgeschlagenen Datierung der Evangelistenmedaillons am Bad Kreuznacher Kreuzreliquiar zuzustimmen sein (Nr.30, 1330/40?). Die nur 0,3 cm hohen, in Gold eingravierten Buchstaben der Namensbeischriften weisen die typischen Brechungen der Schaftenden auf und sind kontrastierend mit schwärzlicher Masse gefüllt. Mit der gleichzeitigen Verwendung von langem und rundem s in einem Wort zeigen sich bereits hier erste Variationsmöglichkeiten. In der Regel wird später das runde s am Wortanfang und -ende, das lange s in der Wortmitte verwendet.

Erst etwa zwanzig Jahre später läßt sich an einer Gruppe von drei Grabdenkmälern die Übernahme der gotischen Minuskel in die vertieft eingeschlagene Steinschrift beobachten. Erstmals nachweisbar ist sie auf der wohl noch zu Lebzeiten des vor 1362 verstorbenen Johann II. von Steinkallenfels in Kreuznach angefertigten Tumbendeckplatte (Nr.44). Da die Minuskel naturgemäß keine eigenen Versalien besitzt, fallen einige, noch deutlich an die gleichzeitige gotische Majuskel erinnernde Elemente auf, so pseudounziales A bei Anno (ebenso S bei Nr.66, 1382) und auch die nicht gleichstrichige, sondern deutlich dreiecksförmige Ausgestaltung der Hastenenden, etwa bei d und e. Dagegen verzichtet die um 1363 auf dem Disibodenberg entstandene Osthofen-Doppelgrabplatte (Nr.50) auf Versalien und zeigt eine ausgebildete, schlanke Minuskel mit den bei einigen Buchstaben zu Quadrangeln ausgebildeten Schaftenden. Bei der 1365 gearbeiteten Doppelgrabplatte des Ehepaars von Manubach (Nr.52) sind neben der ungewöhnlichen Buchstaben-Verbindung ct einige weitere Besonderheiten zu bemerken: v erscheint ohne Brechung nach unten hin extrem spitz zulaufend169) und dient als Grundform des w, das durch das mittige Einfügen einer nicht durchgezogenen Haste gebildet wird.

Erst nach wiederum knapp zwanzig Jahren tritt die gotische Minuskel im Bearbeitungsgebiet regelmäßig auf und löst nach und nach die gotische Majuskel ab. Trotz ihrer im Grunde gleichbleibenden Struktur lassen sich mit fortschreitender Zeit gewisse Veränderungen beobachten. So sind etwa die i bei der Grabplatte des Grafen Walram II. von Sponheim (Nr.66, 1382) anstelle kaum üblicher i-Punkte mit kleinen Schrägstrichen versehen, zudem brechen die als leicht nach rechts zeigende Quadrangeln gebildeten Schaftenden bei p und q aus dem normalen Zweiliniensystem aus und gehen unter die vorgezogene Linie. Ganz aus dem bisher bekannten Rahmen fällt die aufwendige Buchstabenbildung der Inschrift der Grafentocher Katherina von Homburg (Nr.70, 1388), deren als Quadrangeln gestaltete Schaftenden durch einen erhabenen Steg kunstvoll von der Haste abgesetzt werden. Ein schon 1365 auf dem Disibodenberg beobachtetes Phänomen zeigt sich sowohl auf einer fragmentarischen Priestergrabplatte (Nr.100) als auch auf der 1389 entstandenen Grabplatte des Edelknechts Wolf von Osthofen (Nr.72) mit der spitz zulaufenden Gestaltung von v und w; zudem handelt es sich hier um eine schlanke Minuskel mit extrem reduzierten Unterlängen bei g, p und y bzw. Oberlängen bei b und d. Bei der Grabplatte des Ritters Gerhard von Steinkallenfels (Nr.74) von 1393 und der seiner Ehefrau Hebela von 1401 (Nr.101) treten erste schmückende Elemente auf: h, k, r und s mit eingerollten Cauden, sowie einem Zierstrich bei g. Ausgesprochen kurze, gerade Zierstriche zeigt dagegen die Inschrift auf der Tumbendeckplatte des Rheingrafen Konrad (Nr.76, 1398).

Nicht mehr die für die Minuskel typischen Schaftbrechungen der Gemeinen, sondern eindeutig gerundete, teilweise mit Zierstrichen versehene Formen lassen sich erstmals an der 1422 entstandenen Inschrift für Johann von Waldeck und Schonetta von Montfort (Nr.112) beobachten. Bei der Grabinschrift des 1447 verstorbenen Wild- und Rheingrafen Friedrich (Nr.124) läßt sich diese Tendenz an der gerundeten Unterlänge des g und einem durchgehend ohne Brechung gehauenen s, bei den beiden Bauinschriften von 1465 (Nr.139) und 1487 (Nr.170) an ebenso gestalteten o und v weiterverfolgen.

Ansonsten bringt das 15. Jahrhundert neben vereinzelten Zierformen - wie ein mit dreiecksförmigen Ausläufern geschmücktes j (Nrr. 112, 1422 und Nr.123, 1446) - vor allem im Bereich der [Druckseite LI] nun verstärkt verwendeten, eigentlich atypischen Versalien neue Varianten. Bereits 1412 zeigen sich auf der Grabplatte des Hermann Stump von Waldeck (Nr.106) mit den Versalien O, S und W eigenwillige Formen, die nicht mehr wie bisher auf die damals durchaus noch geläufige gotische Majuskel zurückzuführen sind. Sie entsprechen wohl aufgrund ihrer gleichstrichigen, fast schon kalligraphischen Struktur mit geschwungenen und eckigen Elementen eher den sich im 14. und 15. Jahrhundert ebenfalls stark verändernden Großbuchstaben170) der verschiedenen zeitgenössischen gotischen Urkunden- und Buchschriften. Eine Vielzahl weiterer eigentümlicher Versalien171) bietet die Grabinschrift des 1447 verstorbenen Wild- und Rheingrafen Friedrich (Nr.124) mit den Buchstaben C, F, M, R, die seiner Frau Lukart von Eppenstein (Nr.130, 1455) mit einem geradezu manieriert wirkendem A und die des Friedrich von Lewenstein (Nr.126, 1450) mit A, C und O.

Noch von der Formensprache der gotischen Majuskel beeinflußte Großbuchstaben, ein R (oben gerade Haste mit abschließender Quadrangel und Cauda eines Majuskel-R) und ein B, werden 1439 als Versalien der Titelei der Pfalzgräfin Anna von Veldenz-Geroldseck (Nr.120) verwendet, ebenso ein halbunziales A in der Grabinschrift des Richard von Lewenstein (Nr.138, 1463) und ein halbgeschlossen unziales M sowohl auf der Grabplatte des Gerhard Lander von Sponheim (Nr.155, 1481) als auch in einer 1482 angefertigten Bauinschrift (Nr.158) aus Kirn. Dagegen dürfte die aus vier Schlingen konstruierte S-Versalie bei der Grabinschrift des 1490 verstorbenen Wild- und Rheingrafen Friedrich II. (Nr.173) bereits von den Ende des 15. Jahrhunderts in die Lapidarschrift übernommenen frakturähnlichen Schriftformen inspiriert worden sein. In dieser Zeit kündigen sich auch bei der gotischen Minuskel durch die Streckung der Gemeinen einschneidende Veränderungen an. Die bisher gewohnte Unterordnung der Hastenenden in das meist vorgegebene Zweilinienschema wird durchbrochen, die Ober- und Unterlängen einiger Buchstaben sitzen auf den Begrenzungslinien bzw. gehen sogar darüber hinaus: so erstmals in der Spätzeit im Jahr 1474 (Nr.145) bei der Tumbendeckplatte des Wild- und Rheingrafen Gerhard, ebenso bei der Stifterinschrift von 1498 (Nr.189). Außer bei Glocken findet sich erhaben gearbeitete Minuskel nur einmal auf dem Grabdenkmal des Richard von Lewenstein (Nr.138, 1463).

5. 5. Fraktur

DI 34, Nr.379 - St. Johannisberg, Evang. Kirche - 1591
 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) | Nr. 379, Abb. 2 | Fraktur

Die aus der Urkunden- und Buchschrift172) in die Versalien der gotischen Minuskel eingeflossenen kursiven Formen des 15. Jahrhunderts und die frühen, im Buchdruck verwendeten Schrifttypen entwickelten eine eigene, auch von zeitgenössischen Schreibmeistern kalligraphisch geprägte Formensprache173), die im Verlauf des 16. Jahrhunderts im Gegensatz zur Kapitalis (s.o.) und als Fortsetzer der gotischen Minuskel auch epigraphisch wirksam wurde. Die oft mit S-förmigen Anschwüngen gestalteten Großbuchstaben werden zwar weiterhin in unterschiedlicher Strichdicke ausgeführt, nun aber mit deutlicher Tendenz zu geschwungener, schleifenförmiger Ausführung der vertikalen Elemente. Bei den Kleinbuchstaben zeigen sich die neuen, zum Teil durch Streckung eigenwillig gebildeten Formen u.a. in den oft weit unter die Zeile herabgeführten Unterlängen bei f und s, gespaltenen Oberlängen und grundsätzlich in der Ausbildung eigener Formen wie dem einstöckigen a, dem mandelförmigen o und dem brezelförmigen s. Jedoch erst die gemeinsame Verwendung von Groß- und Kleinbuchstaben erlaubt die Bezeichnung dieser Schrift als Fraktur174). Obwohl das 1513 gedruckte Gebetbuch Kaiser Maximilians und sein 1517 erschienener Theuerdank [Druckseite LII] als wirksamste Vorbilder dieser Schriftart gelten können175), setzt sie sich als epigraphische Schrift erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts durch.

Bezeichnenderweise wird die Fraktur im Bearbeitungsgebiet als Inschriftenschrift erstmals und noch vereinzelt als Namensbeischrift der figürlichen Darstellung eines 1531 entstandenen Epitaphs (Nr.274) verwendet176), bei dem die sonstigen Inschriften in Kapitalis ausgeführt wurden. Die voll ausgebildete Fraktur erscheint erstmals als auf Holz gemalte Inschrift auf dem Epitaph der 1557 verstorbenen Margarethe von Schwarzenberg (Nr.313) mit allen typischen Charakteristika: gerollte, oft S-förmige Anschwünge bei den in unterschiedlichen Strichstärken ausgeführten Versalien, bei den Gemeinen als liegende Acht gestaltete Ausläufer der Unterlängen, gespaltene obere Hastenenden, in der Regel nicht mehr gebrochene, sondern gebogene Schäfte; bei den Einzelbuchstaben das einstöckige a, g mit gerundeter, oval ausgezogener Unterlänge, d und o mandelförmig, s brezelförmig. Daß sich diese Feinheiten auf Stein und vergleichbaren Materialien nur langsam durchsetzten, zeigt die Grabplatte der 1570 verstorbenen Margarete von Haraucourt in Hennweiler (Nr.327), deren Inschrift noch stark dem Formenkanon der gotischen Minuskel177) verpflichtet ist. Die dennoch vorgenommene Klassifizierung als Fraktur legen hier vor allem die frakturähnlichen Versalien in Verbindung mit den teilweise gerundet ausgeführten Schäften der Kleinbuchstaben nahe - zudem erscheinen b, f, h mit gespaltener Oberlänge sowie h und z mit stark gerundetem Bogen. Abgesehen von den Fraktur-Versalien, den teilweise gespaltenen Oberlängen und dem eindeutigen einstöckigen a weist sogar noch die 1601 angefertigte Grabinschrift für Elisabeth von Helbach Kleinbuchstaben der gotischen Minuskel auf. An den kursiv geprägten Formen der durchgehend in Fraktur ausgeführten Inschriften des wild- und rheingräflichen Epitaphs von 1571 (Nr.331) lassen sich sowohl schreibschriftliche Einflüsse, als auch die Tendenz zu opulent verschnörkelter Gestaltung einiger Versalien beobachten. Anders stellt sich die Sache bei dem 1575/1591 fertiggestellten Epitaph (Nr.340) für Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken und seine Frau dar. Hier scheint es sich so zu verhalten, als ob die beiden unterschiedlichen Schriftarten Kapitalis und Fraktur als inhaltlich und formal gliedernde Elemente eingesetzt wurden, freilich nicht ganz konsequent: während die mit allen Daten versehenen Lebensläufe, das Jahr der Fertigstellung und der Titulus in lateinischer Sprache und vergoldeter Kapitalis ausgeführt sind, sind drei von vier beigegebenen Bibelsprüchen in deutscher Sprache und teilweise sogar erhaben gearbeiteter Fraktur gehalten. Daß diese Beobachtung zwar öfters gemacht werden kann (Nr.394, 1594; Nr.524, 1633; Nr.532, vor 1635 u.ö.), ohne jedoch verallgemeinert werden zu können, zeigt das kurz darauf in der gleichen Werkstatt entstandene Epitaph ihrer Tochter Anna (Nr.341), bei dem Lebenslauf und Bibelsprüche durchgehend in Fraktur abgefaßt wurden, lediglich von wenigen Wörtern in Kapitalis unterbrochen, die damit Datumsangaben und Zitatnachweise hervorheben. Dennoch ist festzuhalten, daß deutsche Texte vorzugsweise in Fraktur178) wiedergegeben werden. Als Neuerung wird an diesem Epitaph zudem deutlich, daß die von einzelnen Buchstaben ausgehenden, typischen Zierschlingen der Fraktur zur Füllung leeren Raumes verwendet werden und somit auch als reine Ornamentik dienen können. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich bei der 1586/87 entstandenen Grabinschrift des Wild- und Rheingrafen Johann Christoph (Nr.367), wo sich in der Anfangszeile von den Oberlängen einzelner Buchstaben ausgehende Zierschlingen zu einem ornamentalen Band verbinden. Die erstaunliche, ebenfalls in dieser Inschrift öfters durchgeführte vertikale Verbindung zweier übereinanderstehender Buchstaben ist wohl eher als Unikum zu werten. Ebenso ungewöhnlich sind die paarweise in Fraktur und Kapitalis abgesetzten Knittelverse auf der Grabplatte des Amtmanns Johann Werner von Hammerstein (Nr.505, 1622), die wohl lediglich zur formalen bzw. äußeren Gliederung dienten.

Die weitere formale Entwicklung der nun neben der Kapitalis zwar seltener, aber dennoch gleichermaßen verwendeten Fraktur vollzieht sich ohne erkennbare, grundlegende Veränderungen. Allenfalls läßt sich bei den Versalien feststellen, daß im Verlauf des 17. Jahrhunderts der Hang zur vielschwüngigen Ausschmückung der Schrift zugunsten kompakter Formen nachläßt. Sonst lassen sich je nach Zeit und Region verschiedene Varianten und Sonderformen in unterschiedlicher Güte beobachten: so etwa breit ausgeführte Buchstaben (Nr.379, 1591), über mehrere Zeilen gezogene [Druckseite LIII] Versalien (Nr.394, 1594 u.ö.), schreibschriftliche Formen (Nr.331, 1571; Nr.446, 1605; Nr.505, 1622 u.ö.), ungewöhnliche Ligaturen (Nr.451, 1606), weitgehender Verzicht auf Zierschlingen (Nr.554, 1652; Nr. 561, 1659; Nr.573, 1667 u.ö.), rundes e (Nr.394, 1594; Nr.446, 1605 u.ö.), zweibogiges großes und kleines p (Nr.446, 1605; Nr.561, 1659), zweibogiges rundes s mit gerader Haste (Nr.446, 1605; Nr.451, 1606 u.ö.).

Abschließend ist zu bemerken, daß sich die kompliziert strukturierte Fraktur als Inschriftenschrift auf den zahlreichen Glocken des 16. und 17. Jahrhunderts im Bearbeitungsgebiet nicht nachweisen läßt; dies und die Tatsache, daß Fraktur unverhältnismäßig oft für gemalte oder geschnitzte Inschriften verwendet wird, dürfte als weiterer Hinweis auf ihre Ableitung aus mittelalterlicher Schreibschrift und frühneuzeitlichem Buchdruck zu werten sein.

5. 6. Sonderformen

Im Bearbeitungsgebiet lassen sich nur wenige Inschriften nachweisen, die in außergewöhnlichen Schriftformen abgefaßt wurden. Hierzu zählen schon aufgrund ihrer Anbringungsart die 1394 (und später) in Formen der zeitgenössischen kursiven Schreibschrift mit Rötel in den Putz der früheren Turmkapelle in Niederhausen (Nr.75) geritzten Totengedächtnisinschriften. Ähnliches gilt für die an gleicher Stelle vorgefundenen Namensbeischriften eines Stifterpaars (Nr.213, um 1500?), die wohl in einer später nachgetragenen, nicht näher zu datierenden schreibschriftlichen Kursive aufgemalt wurden. Auf die im Jahr 1619 entstandene, kursive und kapitale Elemente enthaltende, eigenartige Mischschrift wurde bereits ausführlich im Kommentar eingegangen (Nr.503); das gleiche gilt für den unter der Ägide des Frühhumanisten Johannes Trithemius in griechischer Schrift und hebräischer Quadratschrift eingehauenen Bibelspruch (Nr.181, 1494?).

5. 7. Worttrennungs- und Kürzungszeichen

Wie die Schriftformen sind auch diese auf nahezu allen Inschriftenträgern179) verwendete Zeichen einer gewissen Entwicklung unterworfen und können somit - etwa bei Fragmenten - ebenfalls zu Datierungsfragen herangezogen werden; daher dürfte sich ein kurzer Blick auf den Gang ihrer Entwicklung180) lohnen. Zu bedenken ist jedoch, daß zu allen Zeiten Inschriften auch ohne Interpunktierung und Kürzungszeichen ausgeführt werden konnten.

Die früheste nachweisbare Form der Worttrenner sind halbkugelig vertiefte Punkte; sie tauchen sowohl beim Ruthardkreuz (Nr.4, 1.H.12.Jh.), bei der Irmentrudis-Grabplatte (Nr.5, 1.H.12.Jh.?), beim Deesis-Relief in Pfaffen-Schwabenheim (Nr.12, 2.V.13.Jh.) und als gefüllte Kreise wohl auch bei den Wandmalereien in Niederhausen (Nr.13, 1.H.13.Jh.) auf. Auch zahlreiche Grabplatten des 14. Jahrhunderts sind mit diesem Zeichen geschmückt, wobei sich zwei Phasen deutlich unterscheiden lassen. Angefangen bei den beiden Heinzenberg-Platten von 1302/1308 wird der halbkugelig vertiefte Punkt ausnahmslos bei allen Grabplatten der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts verwendet, dann noch vereinzelt in den folgenden Jahrzehnten, letztmals sicher datiert auf der Tumbendeckplatte des 1380 verstorbenen Grafen Walram I. von Sponheim (Nr.63).

Bereits um die Mitte des 14. Jahrhunderts treten im Bearbeitungsgebiet mit der Verwendung von kleinen Kreisen181) erstmals neue Formen auf. Zum ersten Mal sicher datiert auf der Steinkallenfels-Platte von 1354 (Nr.41) nachweisbar, setzen sie sich in den folgenden Jahren langsam durch. Die Möglichkeit gleichzeitiger Verwendung beider Zeichen in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigt sich einmal auf der bereits in gotischer Minuskel um 1363 ausgeführten Grabplatte des Heinrich Brendel von Osthofen (Nr.50) mit dem im laufenden Text vorgenommenen Wechsel vom [Druckseite LIV] halbkugelig vertieften Punkt zum kleinen Kreis, zum andern bei der Grabplatte des 1371 verstorbenen Abtes Jakob (Nr.59) mit dem Wechsel von anfänglich kleinen Kreisen zu halbkugelig vertieften Punkten. Bei einer nach 1360 zu datierenden fragmentarischen Platte (Nr.46) erscheinen die Kreise oval mit leichten Schwellungen, ebenso bei einer zweiten (Nr.47), hier zudem am Textende wieder den halbkugelig vertieften Punkt aufnehmend. In den beiden Varianten gleichstrichig rund und mit Schwellungen leicht oval gebildet, lassen sich die kreisförmigen Worttrenner vereinzelt bis ins 15. Jahrhundert verfolgen, dabei sind zahlreiche Varianten zu beobachten: so 1419 (Nr.111) kleine Doppelkreise, 1447 (Nr.124) kleine Kreise im Wechsel mit Rauten, 1456 (Nr.131) halbkugelig vertiefte Punkte mit Quadrangeln.

Einfache, kleine Rauten erscheinen erstmals als Worttrenner auf einer kurz nach 1370 anzusetzenden Disibodenberger Grabplatte (Nr.58), dann erst wieder 1382 auf der Grabplatte Walrams II. von Sponheim (Nr.66) und nur wenig später auf der Tumbendeckplatte des 1383 verstorbenen Wild- und Rheingrafen Johann II. (Nr.67), hier aber bereits in der für die folgenden Jahrhunderte bestimmenden Form mit paragraphenförmig ausgezogenen Zierstrichen. Rauten können auch durch Quadrangeln (erstmals Nr.74, 1393) ersetzt werden. Im Gegensatz zur 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts zeichnet sich die 2. Hälfte durch die Vielfalt der entwickelten Formen aus; bestätigt wird dieser Eindruck durch singuläre Sonderformen wie ornamental (Nr.46, kurz nach 1360), floral (Nr.76, 1398) und erhaben (Nr.62, 1377) gestaltete Worttrenner.

Im 15. Jahrhundert ändert sich das Bild nur unwesentlich. Abgesehen von Einzelbeispielen wie etwa Doppelkreisen (Nr.111, 1419) oder halbkugelig vertieften Punkten (Nr.189, 1498), werden zur Interpunktion in der Regel kleine Rauten oder Quadrangeln verwendet, die in der 2. Hälfte des Jahrhunderts immer häufiger mit den bereits erwähnten paragraphenförmig ausgezogenen Zierstrichen versehen werden. Diese Grundformen lassen sich bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nachweisen. Daneben zeigt sich auch eine gewisse Tendenz zur Mischung des bisher bekannten Repertoires: So erscheinen gemeinsam in einer Inschrift Rauten und kleine Kreise (Nr.124, 1447), halbkugelig vertiefte Punkte und Quadrangeln (Nr.131, 1456) bzw. doppelt paragraphenförmig ausgezogene Rauten, Sternchen und kleine Kreise (Nr.255, 1519).

Kurz nach 1500 (Nr.220) wird durch die horizontale Verdoppelung der Zierlinie bei den paragraphenförmig ausgezogenen Rauten ein neuer, hakenkreuzförmiger Typ geschaffen, der allerdings nur kurze Zeit Verwendung findet (Nr.239, 1509; Nr.248, 1515?) und somit als Datierungsmerkmal für das beginnende 16. Jahrhundert in Anspruch genommen werden könnte. Vorherrschend bleiben jedoch auch in diesem Zeitraum weiterhin die oben genannten Worttrenner, bis neue, seit römischer Zeit ungebräuchliche Zeichen in Form kleiner Dreiecke Eingang in die Inschriften finden. Erstmals 1515 in einer in Kapitalis abgefaßten Bauinschrift nachgewiesen (Nr.246), setzten sie sich in der Folgezeit (Nr.250, 1517; Nr.257, 1521; Nr.263, 1524 u.ö.) rasch durch und werden für die restliche Hälfte des 16. Jahrhunderts zum dominierenden Zeichen. Auffallenderweise geht ihre Verwendung seit dem ersten Nachweis stets Hand in Hand mit dem Gebrauch der Kapitalis - vermutlich ein bewußter Rückgriff auf die Worttrenner der späten römischen Monumentalschrift, bei der meist ebenfalls kleine Dreiecke als Worttrenner182) verwendet wurden. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts werden mit den zum Teil paragraphenförmig ausgezogenen Rauten (Nrr.295ff. u.ö.) und Quadrangeln (Nr.307, 1553 u.ö.) sowie den halbkugelig vertieften Punkten (Nr.317, 1562 u.ö.) gelegentlich wieder bereits bekannte Worttrenner aufgegriffen. Etwa zur gleichen Zeit läßt sich jedoch mit dem erstmaligen Auftreten von Satzzeichen in Form von Kommata und auf die Linie gesetzen Punkten anstelle der gewohnten Worttrenner (Nr.309, kurz nach 1553) der Beginn einer grundlegenden Veränderung beobachten, die auf lange Sicht zum langsamen Verschwinden der Worttrenner aus der epigraphischen Schrift (Nr.379, 1591; Nr.380, 1591; Nr.418, 2.H.16.Jh. u.ö.) führte. Wohl im gleichen Zusammenhang ist auch der ebenfalls in dieser Zeit einsetzende, ersatzlose Verzicht auf Worttrenner (Nr.311, 1554; Nr. 313, 1557; Nr. 319, 1565 u.ö.) zu sehen. Übergangsformen zeigen sich in der gleichzeitigen Verwendung von Satzzeichen und Worttrennern (Nr.331, 1571; Nr.338, 1574; Nr.341, 1577 u.ö.), zudem dienen letztere oft nur noch zur Hervorhebung von Datumsangaben oder Jahreszahlen.

Im 17. Jahrhundert setzt sich die eben skizzierte Entwicklung fort, dabei können nach wie vor die bisher aufgeführten Worttrenner in allen Variationen verwendet werden; entscheidende Neuerungen lassen sich jedoch nicht mehr feststellen. [Druckseite LV]

Dem in der Antike entwickelten Kürzungssystem183) der Suspension184) gehören einige Zeichen an, die auf den frühen Inschriftenträgern des Bearbeitungsgebietes nachweisbar sind. So findet sich bereits auf der fragmentarischen Grabplatte des Ingebrandus (Nr.1, 2.H.11./1.H.12.Jh.) der schrägrechte Kürzungsstrich bei O für O(BIIT), der auf der in etwa gleichzeitigen Irmentrudis-Grabplatte (Nr.5) waagerecht durchgezogen erscheint. Auf dieser Platte läßt sich zudem erstmals bei IVL(II) ein mit der Oberlänge des L gekreuzter Kürzungsstrich als Zeichen für den Wegfall des Wortendes beobachten, ein auch später (vgl. etwa Nr.71, 1388?) häufig zu beobachtendes Verfahren. Bei der Ingebrandus-Platte hingegen zeigt sich ein hochgeschriebenes, einer Neun ähnelndes Kürzungszeichen185) als Ersatz für die Endsilbe VS. Bei den beiden Grabplatten der Herren von Heinzenberg (Nrr.18f., 1302/08) läßt sich ein nicht ganz eindeutiger Sonderfall beobachten: Die ES-Kürzung bei MIL(ES) bzw. die AS-Kürzung bei NONA(S) wird durch ein eindeutig S-förmiges Zeichen angezeigt, das man ebenso als Hochstellung des verkleinert dargestellten Endbuchstabens auffassen und entsprechend auflösen könnte. Weitere Zeichen für Suspensionen sind hier - wie etwa bei FEB(RVARII) - und auch später dem gekürzten Wort nachgesetzte, einem Apostroph ähnelnde, machmal auch keilförmig gebildete Zeichen. Hier über den Buchstaben, aber noch innerhalb der Zeile gesetzt, werden sie später - wie andere Kürzungszeichen auch - halbhoch über dem letzten Buchstaben angebracht und schneiden so die obere Begrenzungslinie (Nr.41, 1354). Auch die die Pluralform anzeigende Verdoppelung eines Buchstabens kann zur suspensiven Kürzung herangezogen werden, meist sogar in Kombination mit einem herkömmlichen Zeichen, so etwa bei der Datumsangabe KLL mit einem das zweite L kreuzenden Haken für K(A)L(ENDAS) (Nr.26, Ende 1339). Mit der Durchsetzung der gotischen Minuskel in der Lapidarschrift lassen sich zu Beginn und im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts vermehrt suspensive Kürzungszeichen beobachten: ein 4-förmiges Zeichen hinter q für q(uorum) (Nr.101, 1401; Nr.102, 1403/1404), durchgestrichene Unterlänge des p für p(er) (Nr.131, 1456), ein horizontaler Strich nach einem Konsonanten für den Verlust des -er, so bei armig(er) (Nr.138, 1463).

Der den Buchstaben waagerecht übergeschriebene, meist mit dreiecksförmig verbreiterten Enden versehene Strich als Zeichen des zweiten Kürzungssystems, der Kontraktion (Fehlen einer oder mehrerer Buchstaben im Wortinnern), läßt sich erstmals bei S(AN)C(TV)S des aus Kloster Sponheim stammenden Nikolausreliefs (Nr.10, 12.Jh.) beobachten; es handelt sich dabei um ein ständig benütztes, bis zum Ende des Bearbeitungszeitraumes gebräuchliches Zeichen. Als dekorative Variante dieses Kontraktionsstriches ist der erstmals 1302/1308 auf den Grabplatten der Herren von Heinzenberg (Nrr.18f.) auftretende, durch eine halbkreisförmig in der Strichmitte plazierte Ausbuchtung charakterisierte Siculus186) anzusehen. Auf diesen Platten wird zudem - auch als eine Art Kontraktionszeichen - das klein übergeschriebene o verwendet, das die Endung eines jeweils in römischen Ziffern geschriebenen Zahlwortes angibt. Es erscheint sowohl am Ende, als auch zentriert in der Mitte der jeweiligen Ziffern. Auch die aus einer griechisch-lateinischen Mischform entstandene Kürzung des Namens Jesu ihs187) gehört diesem System an.

Auffallenderweise wird der Siculus zu Beginn des 16. Jahrhunderts wieder als Kürzungszeichen aufgenommen (Nr.239, 1509), oft im Zusammenhang mit an der Antike orientierten Schriften (Nr.250, 1517; Nr.263, 1524; Nr.272, 1531 u.ö.).

Ein sich seit dem 13. Jahrhundert im lateinischen Schriftwesen entwickelndes, drittes Kürzungssystem188) besteht in der Hochstellung der Endsilben. Dieses Verfahren fand keinen Eingang in die epigraphische Schrift (des Bearbeitungsgebietes), abgesehen von den aus speziellen chronologischen Gründen so geschriebenen Beispielen des 17. Jahrhunderts (Nr.542, 1630; Nr.543, 1641; Nr.558, 1657 u.ö.). [Druckseite LVI]

Aus der unter insularem Einfluß weiterentwickelten antiken Stenographie stammen tachygraphische Symbole als Zeichen des vierten Kürzungssystems. In der selten nachweisbaren Form eines gleichstrichigen kapitalen Z mit Mittelbalken189) als Symbol für et sind sie erstmals 1382 (Nr.66) auf der Grabplatte des Grafen Walram von Sponheim nachweisbar, später in der sonst üblichen Form LVI.05 einer 7 mit schrägem, balkenlosem Schaft.

Zitationshinweis:

DI 49, Bad Kreuznach, Einleitung, 5. Schriftformen (Eberhard J. Nikitsch), in: inschriften.net,  urn:nbn:de:0238-di034mz03e006.

  1. Vgl. zu den zahlreichen dort und im Bereich der römischen Villa gefundenen römischen Inschriften NN., Die Inschriftsteine des Heimatmuseums in Kreuznach, in: KHbll. 11 (1924) und Guthmann, Kreuznach 5ff. (1964). Dr. Walburg Boppert (RGZM) bereitet für das Corpus Signorum Imperii Romani eine vollständige Edition der römischen Denkmäler und ihrer Inschriften im Bereich des heutigen Landkreises Bad Kreuznach vor. »
  2. Private Ausgrabungen der Jahre 1886 bis 1904 in den zugehörigen Friedhöfen des späten 5. bis 7.Jh. wiesen 450 Gräber ohne und 270 Gräber mit Beigaben nach; beschriftete Grabdenkmäler oder Grabbeigaben scheinen nicht vorgefunden worden zu sein (vgl. Führer 12, 144f.). »
  3. Vgl. dazu den Katalog der frühchristlichen Inschriften von W. Boppert und die trotz mancher mittlerweile überholter Beobachtungen immer noch grundlegende schriftgeschichtliche Untersuchung von Bauer, Mainzer Epigraphik pass. »
  4. Vgl. künftig DI Bergstraße mit fünf, DI 29 (Worms) mit sieben, DI 2 (Mainz) mit fünf sicheren Belegen vorromanischer Schriftarten; DI 23 (Oppenheim) und DI Rheingau-Taunus-Kreis sind ebenfalls ohne frühe Überlieferung. »
  5. Keine entsprechenden Beispiele bei Bauer, Mainzer Epigraphik; vergleichbar dagegen lediglich DI 2 (Mainz) Nr. 12 von 1137 (Bleiplatte), DI 23 (Oppenheim) Nr.1 (Mitte 12.Jh.?) und DI 29 (Worms) Nr.18 (um 1132). »
  6. Vgl. dazu Bauer, Mainzer Epigraphik 34f. »
  7. Das geschlossen unziale E war bisher epigraphisch erstmals bei den emaillierten Inschriften des 1181 geschaffenen Verduner Altars nachweisbar (so Kloos, Epigraphik 131; vgl. dazu die Abb. bei H. Buschhausen, Der Verduner Altar. Das Emailwerk des Nikolaus von Verdun im Stift Klosterneuburg. Wien 1980). Sollte allerdings die Datierung des Schreins des hl. Maurinus in Köln zutreffen (vgl. Rhein und Maas 1, 217 mit Farbtafel H 18), tritt dieser Leitbuchstabe bereits um 1170 auf. »
  8. Vgl. dazu Bauer, Mainzer Epigraphik 34f. »
  9. Zu berücksichtigen ist hier - wie bei der Metallkunst - eine der Lapidarschrift vorauseilende Schriftentwicklung; vgl. dazu immer noch Koch, Paläographie pass. Zu bedauern ist die nicht ausgeführte schriftgeschichtliche Auswertung in der Einleitung der sonst vorzüglichen Edition der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs von E. Lanc. »
  10. Ein bei Zisterzienserklöstern schon öfters beobachtetes Phänomen; vgl. dazu Nikitsch, Sepulkralkultur 190ff. Kloster Eberbach im Rheingau bildet dabei eine Ausnahme, hier schien man sich bereits im 14.Jh. eher auf die figürliche Gestaltung der Grabdenkmäler zu konzentrieren. »
  11. Das Dominikanerinnen-Kloster Mariental scheint Ende des 13. und im 14.Jh. eine ähnliche klostereigene Tradition in der Schriftgestaltung ausgebildet zu haben; vgl. DI 25 (Lkrs. Ludwigsburg) Einleitung XLIIf. »
  12. Reizvoll wäre es, der Frage nachzugehen, ob sich Abhängigkeiten zwischen dem klostereigenen Scriptorium und der Steinmetz-Werkstatt nachweisen ließen; vgl. dazu am Beispiel des frühmittelalterlichen Britannien J. Higgitt, The stone-cutter and the scriptorium. Early medieval inscriptions in Britain and Ireland, in: Epigraphik 1988 (s.d.) 149-162. »
  13. Eine vergleichbare frühe Entwicklung läßt sich für die benachbarten Gebiete nur noch in Mainfranken feststellen, vgl. DI 27 (Würzburg) Nr.49 von 1326 u.ö.; sowie später DI 1 (Main-Taubergrund) Nr.113 von 1361 und DI 8 (Mosbach, Buchen, Miltenberg) Nr.146 von 1357 u.ö. »
  14. Die in der Vergangenheit stets angeführte (vgl. Kloos, Epigraphik 132 und zuletzt DI 23 (Oppenheim) Einleitung XLIII), scheinbar gesicherte Abfolge in der Schriftentwicklung des 14. Jahrhunderts von der anfänglich breiten zur schlanken Form der Jahrhundertmitte ist durch das in den jüngst publizierten DI-Bänden bekannt gewordene Material deutlich relativiert worden (vgl. dazu DI 25, Lkrs. Ludwigsburg, Einleitung XLIII und DI 29, Worms, Einleitung LXI). Auch die hier auftretenden Schriftformen sprechen in diesem speziellen Bereich eher für ein gleichzeitiges Nebeneinander breiter und hoher Formen. »
  15. Eine gründliche Untersuchung dieses interessanten Phänomens (auch der Zusammensetzung dieser Masse) steht nach wie vor aus, vgl. daher immer noch Bauer, Mainzer Epigraphik 37f. mit dem Hinweis auf extrem flach ausgehauene Buchstaben bei Grabplatten des 13. und 14.Jh., die wohl für die Anbringung von Metallfüllungen gedacht waren. Ein vergleichbarer Befund liegt bei einer Türinschrift von 1307 im ehem. Zisterzienserinnen-Kloster Klosterhäseler vor (DI 9, Lkrs. Naumburg, Nr.351), deren „unsicher eingekerbte Buchstaben ... mit farbiger Masse” gefüllt gewesen sein dürften. DI 15 (Rothenburg) Nr.29 bezeichnet die Füllung dieser Inschrift als „vermutlich mit Harz gebundener Ziegelsplitt” (ebd., Einleitung XXI). - Im Bearbeitungsgebiet sind die Buchstaben folgender Grabplatten derart gehauen: Nr.18 von 1302, Nr.19 von 1308, Nr.104 von 1407 (Reste einer rötlichen Farbmasse vorhanden), Nr.189 von 1498 (Reste einer schwärzlichen Farbmasse vorhanden), Nr.360 von 1585 (Reste einer rötlich-schwarzen Masse vorhanden). Bei den entsprechend gearbeiteten Grabplatten der Dekane Johannes von 1336 und Hartmann von 1339 in der Liebfrauenkirche zu Oberwesel (Rhein-Hunsrück-Kreis) haben sich in den Buchstaben erhebliche Reste einer schwärzlichen Farbmasse erhalten. »
  16. Vgl. dazu R. Fuchs, Wormser Inschriften. Zur Schriftgeschichte und Quellenkunde, in: Deutsche Inschriften 1986 (s.d.) 95ff. und DI 29 (Worms) LXIf. »
  17. Vgl. dazu und zum Folgenden grundlegend R. Neumüllers-Klauser, Epigraphische Schriften zwischen Mittelalter und Neuzeit, in: Epigraphik 1988 (s.d.) 315-328.; R. Fuchs, Übergangsschriften, in: ebd., 331-336 und W. Koch, Zur sogenannten frühhumanistischen Kapitalis, in: ebd., 337-345. »
  18. Vgl. dazu und zum Folgenden DI 29 (Worms) Einleitung LXVf. »
  19. Vgl. die Charakterisierung bei Meyer, Epigraphik 38. »
  20. Kapitalis erstmals an der 1484 entstandenen Madonna der Palästina-Fahrer; vgl. DI 2 (Mainz) Nr.206. »
  21. Erstmals 1488 bei der Stifter- und Widmungsinschrift des Wormser Bischofs Johannes Kämmerer von Worms gen. von Dalberg; vgl. DI 29 (Worms) Nr.316»
  22. Erstmals (unsicher) nach 1485, sicher 1508; vgl. DI 12 (Heidelberg) Nr.138 bzw. Nr.194. »
  23. Vgl. dazu Kloos, Einführung 158ff. und Bornschlegel, Renaissance-Kapitalis pass. »
  24. Vgl. dazu den Hinweis in DI 30 (Calw) Einleitung XXX. »
  25. Dann erst wieder 1606 und später nachweisbar, vgl. Nr.452 und Nr.505 von 1622. »
  26. Die gebotene (bislang von der Epigraphik eher vernachlässigte) Beobachtung der Entwicklung der sich nur vermeintlich wenig verändernden Formen der Kapitalis kann neben Datierungshilfen auch zum eindeutigen Nachweis neuzeitlicher Kopien genutzt werden; vgl. etwa Nr.348 von 1580. »
  27. Vgl. dazu ausführlich Bischoff, Paläographie 163ff. und Kloos, Epigraphik 134ff. »
  28. Vgl. dazu und zum Folgenden grundlegend Neumüllers-Klauser, Schrift und Sprache 64f. »
  29. Die bislang stets als früheste Belege dieser Entwicklung angeführten Grabinschriften (vgl. DI 2, Nrr.33 und 37; auch Nr.706 von 1324 wohl fraglich) könnten neuesten Untersuchungen zufolge nachträglich um 1340 als Memorialinschriften angefertigt worden sein und würden sich in diesem Falle in die auch sonst zu beobachtende Entwicklung harmonisch einfügen. Vgl. dazu künftig die historische wie kunsthistorische Quellen und Argumente auswertende Arbeit von Verena Kessel, „Und sal eynen redelichen Sarcke uff das Grabe lassen havven”. Bemerkungen zu den Mainzer Erzbischofsgräbern von Siegfried III. von Eppstein (†1249) bis Konrad von Dhaun (†1434). Frau Dr. Kessel (Kunsthist. Inst. der Univ. Mainz) danke ich für die gern gewährte Einsichtnahme in ihr Typoskript, das demnächst in Bd.33 der Zs. Kunst in Hessen und am Mittelrhein erscheinen wird. »
  30. In den benachbarten Gebieten tritt sie mit dem Jahr 1341 früh im Kloster Eberbach auf (vgl. künftig DI Rheingau-Taunus-Kreis), dann 1356 in Ladenburg (DI 16 Rhein-Neckar Kreis II, Nr.18), 1361 in Hirschhorn (vgl. künftig DI Bergstraße), 1379 in Heidelberg (DI 12 Heidelberg Nr.57), 1397 in Oppenheim (DI 23 Oppenheim Nr.43) und 1403 in Worms (DI 29 Worms Nr.206 mit Einleitung LXIX). »
  31. Die gotische Minuskel ist erstmals 1320/30 auf Glasgemälden des Klosters Wienhausen und um 1330 als Gewölbemalerei in Mainz (vgl. DI 2, Nr.718) bzw. 1338 auf einem Wandfresko in Südböhmen nachzuweisen; vgl. dazu Neumüllers-Klauser, Schrift und Sprache 64. - Falls die kopiale Überlieferung zutrifft, wird sie zudem bereits 1322 auf einem einem Sarg beigegebenen Bleitäfelchen verwendet, vgl. dazu F.W. Leitner, Inschriftendenkmäler als historische Quelle für die Landesgeschichtsforschung, in: Epigraphik 1988 (s.d.) 34 mit Abb.11. »
  32. Vergleichbarer Befund bei den wohl nach 1340 zu datierenden Grabdenkmälern zweier Mainzer Erzbischöfe (vgl. oben Anm.166), allerdings mit abweichender Bildung des w aus zwei verschränkten v»
  33. Vgl. zu diesem noch kaum untersuchten Phänomen erste Hinweise bei Bischoff, Paläographie 181, Kloos, Epigraphik 137 und Högg, Inschriften 146ff. Die von Kloos erst für die 2. Hälfte des 15.Jh. konstatierte Übernahme von Großbuchstaben aus den damaligen Versalienalphabeten trifft also - zumindest für das Nahegebiet - hier bereits für die 1. Hälfte des Jh. zu. - Vgl. etwa zur Gestaltung des O ein fast identisch ausgeführtes Q in einer Handschrift des 15.Jh. (Degering, Schrift, Taf.101) und zu der des S ein ganz ähnliches Beispiel auf einer Schreibmeistertafel aus der 1. Hälfte des 15. Jh. (E. Crous/J. Kirchner, Die gotischen Schriftarten. Leipzig 1928, Abb.30). »
  34. Vergleichbare Versalien finden sich etwa in reicher Zahl auf einer 1472 hergestellten Gedenktafel im holländischen Dordrecht (vgl. J.L. van Gouw, Epigrafica, in: Nederlands Archievenblad 70 (1966) Abb.1) und am Ulmer Chorgestühl der 2. Hälfte des 15.Jh. (vgl. Högg, Inschriften 137 Taf.5). »
  35. Vgl. dazu das vorhergehende Kap. sowie Hans A. Genzsch, Kalligraphische Stilmerkmale in der Schrift der luxemburgisch-habsburgischen Reichskanzlei. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Fraktur, in: Mitt. d. Österr. Inst. f. Geschichtsforschung 45 (1931) 205-214. »
  36. Vgl. dazu Fichtenau, Lehrbücher 25ff. »
  37. Vgl. zur Forschungs- und Gattungsgeschichte ausführlich Zahn, Beiträge 6ff. »
  38. Vgl. dazu Rudolf Kautzsch, Die Entstehung der Frakturschrift (Beilage zum zwanzigsten Jahresbericht der Gutenberg-Gesellschaft). Mainz 1922, 7ff., Fichtenau, Lehrbücher pass. und Zahn, Beiträge 10ff. »
  39. In den benachbarten Gebieten läßt sich in zeitlicher Hinsicht in etwa eine vergleichbare Tendenz feststellen: In Worms tritt sie erstmals 1535 auf (DI 29, Nr.425), in Rüdesheim 1558/59 (vgl. künftig DI Rheingau-Taunus-Kreis), in Mainz und Oppenheim spät 1578 (DI 2, Nr.479) bzw. 1575 (DI 23, Nr.175). »
  40. Vgl. zu ähnlichen Phänomenen DI 29 (Worms) Einleitung LXXII. »
  41. Vgl. dazu die Hinweise in DI 30 (Calw) Einleitung XXXI. »
  42. Abgesehen von einigen frühen Formen wie Kreuzchen und warzenförmig erhabene Punkte unterscheidet sich die Entwicklung der Worttrennungszeichen auf Glocken nicht wesentlich von der hier skizzierten, sie bringt allerdings im 15. Jh. eine ungleich größere Vielfalt an Zeichen hervor; vgl. dazu oben Kap. 4.4. »
  43. Da abgesehen von vereinzelten Teiluntersuchungen (vgl. etwa Lutz, Inschriften 25f.) über diesen Bereich noch nicht übergreifend gearbeitet wurde, können die folgenden Beobachtungen vorerst nur für die hier vorgelegten Inschriften des Landkreises Bad Kreuznach zu Rate gezogen werden. Berücksichtigt werden im Folgenden nur erhaltene Inschriftenträger, deren Bestand eindeutige Aussagen erlauben. »
  44. Der als Worttrenner eingesetzte kleine Kreis bei der aus dem 12.Jh. stammenden Nikolausfigur aus Kloster Sponheim (Nr.10) ist singulär und könnte als Reflex auf die ebenfalls aus kleinen Kreisen bestehenden Schmuckformen zu werten sein. »
  45. Vgl. dazu Meyer, Epigraphik 36f. und die zahlreichen Beispiele bei Walser, Römische Inschrift-Kunst pass. »
  46. Vgl. dazu und zur im Folgenden verwendeten Terminologie Traube, Nomina sacra 17f., Kloos, Epigraphik 111ff. und O. Mazal, Lehrbuch der Handschriftenkunde (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 10). Wiesbaden 1986, 140ff. »
  47. Bietet ursprünglich nur den ersten bzw. die ersten Buchstaben eines Wortes, die syllabare Suspension hingegen ein Wortgerippe; in der Regel bleibt jedoch ein größerer Teil des Wortes erhalten. »
  48. Vgl. auch Nr.56 (1369) mit der zwischen die Kürzungszeichen gestellten VS-Kürzung in Form einer eckigen Neun und Nr.102 (1403/1404) in Form einer schlanken Neun mit kleinem Kopf und über die ganze Leiste gezogenem Auslaufstrich. »
  49. Dieses, bereits in antiken römischen Inschriften gelegentlich verwendete (vgl. Conrad, Epigraphik 29), wohl spezifisch epigraphische Zeichen läßt sich im Rheinland bislang zuerst auf der Grabplatte des im Jahr 1035 verstorbenen Limburger Abtes Gumbert nachweisen, vgl. Kraus, Christliche Inschriften II Nr.681. »
  50. Vgl. dazu ausführlich Th. Dombart, Das Monogramm IHS, in: Die christliche Kunst 11 (1914/115) 257- 269. »
  51. Vgl. dazu Kloos, Epigraphik 112. »
  52. Lutz, Inschriften 26 erwähnt dieselbe Bildung bei einem Rothenburger Beispiel. »