Die Inschriften des Landkreises Bad Kreuznach

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Geleitwort

Binnen weniger Jahre kann die Inschriften-Kommission der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur nun schon einen dritten Band mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften aus dem Lande Rheinland-Pfalz der Öffentlichkeit übergeben. Auf den 1984 veröffentlichten Band der mehr als 300 Oppenheimer Inschriften, bearbeitet von Dr. Siegrid Düll, folgte 1991 der über 600 Seite starke Band der Inschriften der Stadt Worms mit fast 750 Nummern in der Bearbeitung von Dr. Rüdiger Fuchs. Nun liegt auch die Edition der epigraphischen Denkmäler des Landkreises Bad Kreuznach vor, die man Dr. Eberhard J. Nikitsch verdankt, seit 1985 in der Mainzer Arbeitsstelle des interakademischen Inschriften-Unternehmens beschäftigt. Sie enthält fast 630 kommentierte Texte und 277 photographische Reproduktionen, nach allen Regeln der Kunst hergestellt von den Photographen der Kommission, Klemens Bender und Thomas Tempel.

Es sei aber noch daran erinnert, daß schon in den Jahren 1951-1958 Prof. Dr. Fritz Viktor Arens (gest. 1986) in mehreren Lieferungen „Die Inschriften der Stadt Mainz” veröffentlicht hat, somit also insgesamt vier Bände des großen, von allen deutschen Akademien der Wissenschaften getragenen Editionsunternehmens der „Deutschen Inschriften” die epigraphischen Schätze des Landes Rheinland-Pfalz dokumentieren. Hinzu kommen noch zwei weitere, ergänzende Bände von Prof. Arens aus den Jahren 1982 und 1985, die über die ursprünglich festgesetzte Zeitgrenze in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Mainzer Inschriften bis 1800 erfassen. Sechs Bände mit zusammen über 4250 Inschriften in 40 Jahren ist wenig und viel zugleich, wenig in bezug auf die noch lange nicht erreichte Vollständigkeit, viel in Anbetracht der Schwierigkeiten eines solchen editorischen Werkes, beginnend mit der mühsamen Entzifferung oft stark verwitterter Inschriften bis hin zur Identifizierung der in ihnen genannten Personen und Fakten.

Die 1959 begründete Inschriften-Kommission der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur ist gemäß interakademischen Absprachen für die Erfassung und Edition der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zuständig. Den ständigen Ausbau der Mainzer Arbeitsstelle seit 1976 verdankt man dem großen Verständnis der Landesregierung Rheinland-Pfalz und seinerzeit im besonderen Maße freundlichen Interventionen des damaligen Landtags-Präsidenten und jetzigen Ehrenmitglieds der Mainzer Akademie, Herrn Staatsminister a.D. Albrecht Martin. Als Zeichen der Dankbarkeit sollte gewertet werden, daß nach Oppenheim und Worms Herrn Martins Heimatkreis Bad Kreuznach zur epigraphischen Bearbeitung ausgewählt wurde, sobald hierfür ein geeigneter Mitarbeiter zur Verfügung stand.

Diese Entscheidung erwies sich bald nach Aufnahme der Arbeiten als sehr glücklich, vor allem wegen der sensationellen Auffindung von mehr als 60 Grabplatten im Bereich der Klosterruine auf dem Disibodenberg im Zusammenhang einer durch das rheinland-pfälzische Landesdenkmalamt unter der Leitung von Dr. Günther Stanzl durchgeführten Gesamtaufnahme der Klosterbauten seit Sommer 1985. Der kurz vorher bei der Mainzer Akademie als Epigraphiker eingestellte Dr. Eberhard J. Nikitsch konnte sich in die Arbeiten einschalten und die Inschriften aufnehmen, ehe sie zunächst wieder aus konservatorischen Rücksichten verdeckt werden mußten. Es waren beflügelnde Sternstunden unserer Wissenschaft, die sich selten genug ereignen. Nachdem Dr. Nikitsch schon mehrfach darüber auch in gedruckter Form berichtet hat, erhält nun sein Editionsband durch diesen sensationellen Fund seinen besonderen Wert, läßt sich doch durch ihn die ziemlich unbekannte Geschichte des in der Reformationszeit aufgelösten Klosters erhellen, eines der ältesten des Landes.

Freilich wird der aufmerksame und an der Heimatgeschichte interessierte Benützer des Editionsbandes noch manche andere Neufunde und epigraphische Sensationen entdecken, die weniger dem Zufall als den unermüdlichen Nachforschungen des Editors zu verdanken sind. Als Leiter des Mainzer Inschriften-Projektes hat sich der Schreiber dieser Zeilen immer mit Vergnügen über solche Forschungserfolge berichten und sich oft auch an Ort und Stelle führen lassen, um etwa die wie im Puzzle-Spiel gelungene Zusammensetzung einer in viele Teile zerbrochenen Schrifttafel oder an fast unmöglicher Stelle wiederverwendete Inschriftenträger in Augenschein zu nehmen. [Druckseite VIII]

Die Geringschätzung inschriftlicher Geschichtsquellen durch frühere Generationen wird heute durch widrige Umwelteinflüsse übertrumpft, die in vielen Gegenden den Geschichtsforschern epigraphische Denkmäler zur Rekonstruktion der Geschichte rauben. Die Aufgabe der interakademischen Inschriften-Kommission ist es, mit der Edition möglichst vieler Inschriften wertvolle historische Informationsquellen weiteren Forschungen zur Verfügung zu stellen. Das Arbeitsfeld der Mainzer Akademie in Hessen, in Rheinland-Pfalz und im Saarland ist beängstigend groß und verursacht schwere Sorgen, obgleich schon bald zwei weitere Inschriften-Bände aus Hessen vorgelegt werden sollen und auch im Saarland an der Erfassung der Inschriften gearbeitet wird. Ob es gelingen wird, den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen, wird auch von der Bereitstellung der nötigen Mittel abhängen. Alle politisch einflußreichen Persönlichkeiten seien auch diesmal darum gebeten.

Mainz, im Mai 1993

Harald Zimmermann

1. Geleitwort, Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

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Vorwort

Im April 1985 wurde der Bearbeiter von der Inschriften-Kommission der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, mit der Sammlung und Bearbeitung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften des Landkreises Bad Kreuznach beauftragt. Grundlage der vorbereitenden Sammelarbeit war das 1935 erschienene Kunstdenkmalinventar des damals zur preußischen Rheinprovinz gehörenden Kreises Kreuznach. Seitdem erfolgte Baumaßnahmen in vielen Kirchen und Kapellen des inzwischen wesentlich vergrößerten Kreisgebietes, vor allem aber die seit Sommer 1985 durchgeführten Ausgrabungen im Bereich der Klosterruine Disibodenberg förderten mit insgesamt über 150 Inschriften eine erfreuliche Fülle bislang unbekannten Materials zutage, die den Umfang des Bandes erheblich vermehrten. Zudem ergaben sich aus archivalischen Nachforschungen des Bearbeiters weitere 40 bisher nicht publizierte Inschriften. Eine großzügige finanzielle Spende des Landkreises Bad Kreuznach ermöglichte es, daß neben einer großen Anzahl vorgefundener Inschriftenträger auch der überwiegende Teil der oft nur fragmentarisch erhaltenen Neufunde abgebildet werden konnte. Die vorliegende Arbeit wurde im Sommer 1992 inhaltlich abgeschlossen, danach bekannt gewordene Inschriften konnten nur noch beschränkt berücksichtigt werden.

Die angestrebte, vollständige Erfassung und wissenschaftliche Bearbeitung dieses vielschichtigen Materials kann nur dann mit Aussicht auf Erfolg begonnen und durchgeführt werden, wenn dem damit Befaßten zusätzlich Förderer und Helfer zur Seite stehen, die ihr spezielles Wissen uneigennützig zur Verfügung stellen. Der im folgenden und in den jeweiligen Anmerkungen gern ausgesprochene, herzliche Dank für die in vielen Gesprächen und Briefen reichlich gewährten Anregungen, kritischen Hinweise und wertvollen Hilfen soll nicht zuletzt deutlich machen, daß eben erst eine kollegiale interdisziplinäre Zusammenarbeit den befriedigenden Abschluß eines Inschriftenbandes in der heutigen Form ermöglicht.

Die Leiter und Mitarbeiter zahlreicher wissenschaftlicher und kirchlicher Institutionen waren bei der oft mühsamen Beschaffung von handschriftlichen Archivalien, Druckschriften und Fotografien behilflich und trugen nicht nur einmal durch weiterführende Hinweise zu neuen Erkenntnissen bei. Besonderer Dank sei vor allem den für die jeweiligen Denkmäler verantwortlichen Personen abgestattet, die es sich nur selten nehmen ließen, den Bearbeiter persönlich zu den oft nur schwer zugänglichen Inschriftenträgern zu führen. Aus diesem großen, mit dem Inschriften-Unternehmen in jeweils eigener Weise verbundenen Kreis seien stellvertretend für viele andere namentlich genannt: Günter F. Anthes (Meisenheim), Prof. Dr. Friedrich Karl Azzola (Trebur), Hans-Eberhard Berkemann (Sobernheim), Alwin Bertram (Hennweiler), Dr. Albrecht Beutel (Tübingen), Dr. Walburg Boppert (RGZM Mainz), Dr. Hans Caspary (LfD Mainz), Brigitta Enders (LfD Mainz), Hertha Hahn (Hochstetten-Dhaun, St. Johannisberg), Dr. Helmut Hartmann (Bechtheim), Dr. Sigrid Hubert-Reiding (Bibliotheca Bipontina, Zweibrücken), Gottfried Kneib (Sobernheim), Günther Lenhoff (Meisenheim), Georg Nagel (Meisenheim), Dr. Angela Nestler (Schloßparkmuseum Bad Kreuznach), Jörg Poettgen (Overath), Johannes Polke (Hüffelsheim), Prof. Dr. Fidel Rädle (Göttingen), Jörg Julius Reisek (Heimatwiss. Bibliothek Bad Kreuznach), Familie Rudolf Schmidt (Waldböckelheim, Marienpforter Hof), Heinz Straeter (LfD Mainz).

Dr. Werner Vogt (Sobernheim) ebnete bei Beginn der Arbeit die Wege zu den sich mit der lokalen und regionalen Geschichte befassenden Personen und stellte bis heute seine vielfältigen Verbindungen in den Dienst der Sache. Das Ehepaar Ehrengard und Hans-Lothar Freiherr von Racknitz, die besorgten Hüter des Disibodenberges, gewährten jederzeit den Zugang zur Klosterruine, zu ihrem Privatarchiv und zu den sonst unzugänglichen Sammlungen und nahmen den gelegentlich erschöpften Bearbeiter in ihre familiäre Obhut. Dem Ausgräber des Disibodenberges, Dr. Günther Stanzl (Mainz), verdankt der Bearbeiter nicht nur den im Tafelteil publizierten Plan der Klosterruine mit der Lage der neu aufgefundenen Grabplatten, sondern auch ein durch anregende Diskussionen geschärftes Bewußtsein für die oft übersehenen Zusammenhänge bau- und kunstgeschichtlicher Sachverhalte. Dr.-Ing. Falk Krebs (Seeheim-Jugenheim) nahm sich als Architekt und Scalaloge mit großem Engagement den Funden im Treppenturm des Marienpforter Hofes an und setzte sie [Druckseite X] in eine gelungene zeichnerische Form um; der Plan von St. Johannisberg und die Tafeln der Steinmetzzeichen stammen ebenfalls aus seiner Hand.

Dankbar angenommene Hilfe in hilfswissenschaftlichen, philologischen und epigraphischen Fragen leisteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der befreundeten Arbeitsstellen der Akademien der Wissenschaften in Österreich und Deutschland, insbesonders Clemens M. M. Bayer, M.A. (Bonn/Düsseldorf), Dr. Luise und Dr. Klaus Hallof (Berlin), Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss (Heidelberg) und Dr. Christine Wulf (Göttingen) sowie von den benachbarten Arbeitsstellen der Akademie in Mainz Dr. Ute Ecker, Dr. phil. habil. Ernst-Dieter Hehl und Dr. Dieter Rübsamen. Ludolf Henn, dem Lektor der Mainzer Akademie, sei für seine Hilfe bei der technischen Herstellung des Buches herzlich gedankt. Die unverzichtbare Unterstützung aus dem Bereich der eigenen Inschriften-Kommission zeigte sich sowohl an der Tätigkeit von cand. phil. Susanne Kern, die bei der Beschaffung von Literatur, bei der Anfertigung des Schrifttumsverzeichnisses und selbst beim mühevollen Korrekturlesen behilflich war als auch an der Arbeit der Fotografen Klemens Bender und (nach dessen Ausscheiden) Thomas Tempel, der stets - wie der von ihm betreute, umfangreiche Abbildungsteil zeigt - mit großem Einsatz um beste Qualität bemüht war. Meiner Kollegin Dr. Yvonne Monsees danke ich für wesentliche Hinweise aus Bibliotheken und Archiven, insbesonders aber für viele anregende Gespräche, meinem Kollegen Dr. Sebastian Scholz für die gewissenhafte Überprüfung der zahlreichen Übersetzungen aus dem Lateinischen, für einige entscheidende Verbesserungsvorschläge und poetologische Identifizierungen. Meinem Kollegen Dr. Rüdiger Fuchs schließlich bin ich nicht nur für sein stets hilfsbereites, freundschaftlich-aufmunterndes Interesse verbunden, mit dem er die langwierige Entstehung des vorliegenden Buches unterstützend begleitet hat, sondern auch für die abschließende, kritische Durchsicht des gesamten Typoskripts; als wissenschaftlichem Senior der Arbeitsstelle verdanke ich ihm zudem die Eröffnung des Zugangs zur faszinierenden Welt der Epigraphik.

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Harald Zimmermann (Tübingen) gebührt als Vorsitzendem der Mainzer Inschriften-Kommission der abschließende, herzliche Dank für seine freundliche Geduld und sein stets förderndes Interesse an der Inschriften-Arbeit.

Mainz, im April 1993

Eberhard J. Nikitsch

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Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften des heutigen Landkreises Bad Kreuznach bis 1689, dem Jahr der Verwüstung der linksrheinischen Pfalz durch französische Truppen. Aufgenommen wurden alle zugänglichen, erhaltenen Inschriften mit ihren Trägern sowie die aus privatem Besitz und aus öffentlichen Sammlungen, soweit sie vom Bearbeiter ausfindig gemacht werden konnten und ihre Herkunft aus dem Kreisgebiet mit hinreichender Sicherheit festzustellen war; dies gilt ebenso für nach außerhalb verbrachte Gegenstände. Umgekehrt konnten aus Gründen der historischen Bewertbarkeit keine Inschriftenträger berücksichtigt werden, die in jüngerer Zeit in das Bearbeitungsgebiet eingeführt wurden. Erfaßt wurden auch alle nur noch in Abschrift, in Nachzeichnung, im Druck oder auf Fotos überlieferten Inschriften, die heute verschollen oder verloren sind. Vollständigkeit wurde grundsätzlich angestrebt1).

Die Reihenfolge der einzelnen Inschriften im Katalog ist chronologisch bestimmt; ihre Aufnahme, Bearbeitung und Edition folgt in der Regel den für das Inschriften-Unternehmen der Deutschen Akademien erarbeiteten Grundsätzen. Nicht berücksichtigt wurden daher Inschriften aus dem jüdischen Kulturkreis2) und reproduzierbare Inschriften (etwa auf Münzen, Siegeln, Ofen- und Takenplatten etc.), die zudem zum Teil von anderen Unternehmen betreut werden. Des weiteren konnten keine Inschriftenträger aufgenommen werden, deren Inschrift nur noch zu ahnen bzw. die lediglich als Paraphrase überliefert war3); gegebenenfalls finden sich entsprechende Hinweise in den Anmerkungen. Ausgeschlossen blieben nach wie vor auch Runen, Steinmetz- und Meisterzeichen, Hausmarken, Goldschmiede- und Beschauzeichen, Monogramme und Einzelbuchstaben, sofern sie nicht in Verbindung mit einer Inschrift auftreten. Singulär vorkommende Jahreszahlen wurden - im Unterschied zur Praxis in einigen älteren Bänden - als vollwertige Inschrift betrachtet und grundsätzlich aufgenommen, bei mehrmaligem Vorkommen an einem sakralen oder profanen Standort wurden sie allerdings in einer Sammelnummer zusammengefaßt und unter der frühesten Jahreszahl im Katalog eingeordnet. Die vom Bearbeiter aus historischen Gründen gezogene Zeitgrenze von 1689 orientiert sich zum einen an den Usancen des Inschriften-Unternehmens, zum andern folgt sie den stichhaltigen Begründungen, die bereits von den Bearbeitern der beiden vorhergehenden Bände Oppenheim (DI 23) und Worms (DI 29) wegen der in diesem Jahr stattgefundenen kriegerischen Verwüstung der linksrheinischen Pfalz4) vorgebracht wurden. [Druckseite XII]

Der Aufbau einer Katalognummer gliedert sich in der Regel nach folgendem Schema: In der Kopfzeile jeder Inschrift steht links die fortlaufend gezählte Katalognummer, die durch ein beigefügtes † als verloren gekennzeichnet werden kann. (†) steht gegebenenfalls bei einer Sammelnummer und weist auf verlorene Inschriften innerhalb dieser Nummer hin. In der Mitte der Kopfzeile wird bei erhaltenen Inschriften immer der letztbekannte Standort angegeben, der eventuell mit der in Klammern gesetzten Angabe der Herkunft ergänzt wird. Die Standorte werden - mit Ausnahme der ehemaligen Klöster Disibodenberg, Pfaffen-Schwabenheim und Sponheim - grundsätzlich unter ihrer heutigen Bezeichnung angeführt. Am rechten Rand der Kopfzeile steht die Jahreszahl, die normalerweise dem Inschriftentext entnommen ist. Stillschweigend wird davon ausgegangen, daß Grabinschriften zum angegebenen Zeitpunkt oder wenigstens kurze Zeit danach angefertigt worden sind; maßgebend für die Datierung bleibt jedoch immer der Zeitpunkt der Herstellung. Von der Herstellungszeit abweichende Datumsangaben werden durch runde Klammern gekennzeichnet, dies gilt ebenso bei mehrfach verwendeten Inschriftenträgern. Bei zufälliger Wiederverwendung werden die Inschriften getrennt und unter Verweis auf den Träger unter dem jeweiligenEntstehungsjahr eingeordnet, bei einer bewußt konzipierten Wiederverwendung - etwa im familiären Bereich - gemeinsam unter der frühesten Inschrift. Undatierte Inschriften werden am Ende des vom Bearbeiter ermittelten Zeitraums eingefügt, unsichere Datierungen erhalten ein Fragezeichen.

Der auf die Kopfzeile folgende Absatz beginnt stets mit der Benennung von Inschriftenart und Inschriftenträger, gegebenenfalls unter Angabe der betroffenen Person. Die sich anschließenden, möglichst präzisch Informationen zu Standort bzw. Herkunft werden durch die Beschreibung des Inschriftenträgers, der Anbringung der Inschrift(en), ihres Materials und Erhaltungszustandes ergänzt. Mehrere eigenständige Inschriften innerhalb eines Inschriftenträgers sind mit A, B, C usw. bezeichnet. Außer bei Blasonierungen erfolgen die Beschreibungen immer vom Blickpunkt des Betrachters aus. Bei verlorenen Inschriften wird dieser Abschnitt durch den entsprechenden Textnachweis beschlossen, sonst durch die Maßangaben (in cm) des Inschriftenträgers und der Buchstaben (wenn möglich am klein- bzw. großgeschriebenen N) und der genauen Schriftbezeichnung. Gegebenenfalls steht am Rand die zugehörige Nummer der im Tafelteil wiedergegebenen Abbildung.

Die Texte der Inschriften werden fortlaufend aufgeführt, dabei beidseitig eingerückt; Schrägstriche markieren die realen Zeilenenden, bei Umschriftplatten die Ecken, Doppelstriche den Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld bzw. erhebliche Störungen der Zeile. Ausgenommen sind metrische oder gereimte Inschriften, die aufgrund ihres besonderen Charakters nach Vers oder Reim abgesetzt werden. Unter die Zeile gesetzte Bögen kennzeichnen Ligaturen und Buchstabenverbindungen. Erkennbare Abkürzungen werden unter Wegfall des Kürzungszeichens aufgelöst und entsprechend den Richtlinien des Unternehmens in runde Klammern gesetzt. Demgegenüber werden Abkürzungen in nur abschriftlich bekannten Texten nicht eigens gekennzeichnet. Fallendungen von Ordinalzahlen werden - wie in der Inschrift - durch hochgestellte Buchstaben wiedergegeben, andere im fortlaufenden Druckbild gehalten und in den Anmerkungen beschrieben. Vom Bearbeiter vorgenommene Ergänzungen verlorener oder unleserlicher Passagen sind in eckige Klammern gesetzt, für nicht mehr herzustellende Abschnitte stehen Punkte auf der Zeile, die bei geringen Verlusten in etwa den Umfang des verlorenen Teils anzeigen. Bei der Entstehung der Inschrift absichtlich freigelassene Stellen - etwa für später nachzutragende Sterbedaten - sind mit spitzen Klammern kenntlich gemacht, die entweder Punkte oder den tatsächlichen Nachtrag enthalten.

Außer bei formelhaften, häufig wiederkehrenden Inschriften folgt im Anschluß an den Inschriftentext eine Übersetzung, dann gegebenenfalls die Auflösung der Tagesdatierung, die Liste der Wappen und die Angabe der Vers- bzw. Reimform. Um die Abstammungslinien deutlicher zu machen, wird bei Anordnung der Wappen folgendermaßen verfahren: Zunächst wird das Mittel- bzw. Allianzwappen genannt, dann - getrennt durch jeweils einen Strichpunkt - die Wappen der linken (meist Vaterseite), dann die der rechten Seite (meist Mutterseite). Bei langen Ahnenreihen werden die Strichpunkte durch Spaltendruck ersetzt. In der Literatur nicht nachweisbare Wappen werden blasoniert.

Im Kommentarteil erfolgt die formale und inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Text. Hinweise zu Schrift, Datierung, sowie genealogische und heraldische Bemerkungen zu den genannten Personen und Dingen finden darin ebenso ihren Platz wie text- und gattungsgeschichtliche Überlegungen, quellenkundliche Erörterungen und Fragen zu Meister, Werkstatt und Herstellung.

Der kritische Apparat nimmt in Buchstabenanmerkungen Stellung zu offensichtlichen Verschreibungen, gravierenden abweichenden Lesungen, zu fraglichen, ergänzten und auffallenden Stellen. Zudem werden hier die Formen der im Text vorkommenden Zeichen beschrieben, die in der Edition [Druckseite XIII] nicht bildlich dargestellt werden können, also etwa die Gestaltung von Kürzungen oder Wort- und Texttrenner. Die Ziffernanmerkungen enthalten zusätzliche inhaltliche Erläuterungen und geben Auskunft über die in Anspruch genommenen Hilfen. Die abschließenden, chronologisch aufgeführten Quellen- und Literaturnachweise berücksichtigen bei bekannten Inschriften die textliche, zeichnerische und fotografische Wiedergabe des Textes; auch hier wurde Vollständigkeit zwar angestrebt, jedoch kaum erreicht.

Die Register am Schluß des Bandes erschließen die edierten Texte und ihre Träger nach den unterschiedlichsten Gesichtspunkten. Die Verweise beziehen sich jeweils auf die laufende Katalognummer. Die heutigen und ehemaligen Standorte der Inschriften finden sich im gleichnamigen Register (01). Sämtliche in den Inschriften vorkommende Orts- und Personennamen sind im Register (02) aufgeführt, das durch die Liste der Initialen und Monogramme (02a) und der Künstler und Meister (02b) ergänzt wird. Verheiratete Frauen sind auch unter ihrem Geburtsnamen verzeichnet. Das Wappenregister (03) nennt alle vorkommenden Wappen in vereinheitlichter Schreibweise, nicht gedeutete oder unbekannte Wappen werden blasoniert und im Anschluß aufgeführt. Ein weiteres Register (04) erschließt die Berufs- und Standesbezeichnungen sowie die Titel und Epitheta der inschriftlich genannten Personen. Das Initienverzeichnis (05) soll durch die Liste der Textanfänge das Auffinden zeitgenössisch verwendeter Sprüche erleichtern. Damit eng verbunden ist das folgende Register (06), in dem formelhafte und sprachliche Wendungen und besondere Wörter aufgelistet werden. Im Register Text- und Inschriftenarten (07) sind die Inschriften nach ihren Inhalten zusammengestellt, im ergänzenden Register (07a) werden die verwendeten Bibelsprüche (in ihrer historischen Reihenfolge) und andere Zitatnachweise aufgeführt. Die äußere Form der Inschriftenträger bietet das Register (08). Schriftarten und Schriftbesonderheiten werden durch das Register (09) erschlossen. Das wegen des umfangreichen Materials ohne jeden Anspruch auf Konsequenz oder gar Vollständigkeit zusammengestellte Sachregister (10) lädt daher eher zum Durchblättern ein: Hier finden sich sowohl einzelne (unsystematisch gesammelte) Stichworte zu den unterschiedlichsten, mit den Inschriften zusammenhängenden Phänomenen als auch übergreifende Stichworte wie Architektur, Begräbnis, Datierungsbesonderheiten, figürliche Darstellung, Glockenzier, Interpunktion bzw. Worttrenner, Versformen und als abschließendes Sonderregister (10a) das Verzeichnis biblischer, heiliger und historischer Personen in Nennung und Darstellung.

Mit wenigen Ausnahmen wurden die beigegebenen Pläne und Fotos in den Jahren 1986 bis 1992 neu angefertigt. Zusätzliches Material konnte dem Fotoarchiv des Landesamtes für Denkmalpflege in Mainz entnommen werden. Im Tafelteil wurde bewußt versucht, durch die Abbildung möglichst vieler Inschriften und ihrer Träger nicht nur einen guten Überblick über das erstaunlich vielschichtige, oft schwer zugängliche Material zu bieten, sondern vor allem auch dem wissenschaftlich interessierten wie dem „normalen” Benutzer anhand der Fotos ausreichend Gelegenheit zu geben, ihren unterschiedlichen Fragestellungen nachgehen zu können.

Zitationshinweis:

DI 49, Bad Kreuznach, Einleitung, 1. Geleitwort, Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise (Eberhard J. Nikitsch), in: inschriften.net,  urn:nbn:de:0238-di034mz03e006.

  1. Davon ausgenommen ist die Bearbeitung von Flurdenkmälern, insbesonders von Grenzsteinen, die aufgrund ihrer problematischen Standorte nur dann aufgenommen werden konnten, wenn sie in situ angetroffen, auf Karteikarten verzeichnet oder bereits in der Literatur behandelt worden waren. Zudem konnten sie nur in Ausnahmefällen am Original überprüft werden. Die reiche archivalische Überlieferung (s.u. Kap. 4.3.) in historischen Grenzsteinbüchern konnte nur ausnahmsweise berücksichtigt werden. »
  2. Für das Bearbeitungsgebiet zeigt diese in jüngster Zeit zur Diskussion gestellte Praxis jedoch nur wenig Auswirkung, da im Bearbeitungszeitraum bislang keine jüdischen, in hebräischer Schrift ausgeführten Inschriften nachgewiesen werden konnten. Die erhaltenen jüdischen Inschriften dürften wohl aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen und befinden sich in der Regel an Grabdenkmälern und Synagogen. Eine Übersicht über die insgesamt 38 jüdischen Friedhöfe im Bearbeitungsgebiet bietet künftig die zweiteilige Dokumentation „Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach”, die 1993 als Bd. 27 der Heimatkundlichen Schriftenreihe des Lkrs. Bad Kreuznach erscheinen wird. Zudem wurde jüngst im Landesamt für Denkmalpflege in Mainz eine Arbeitsstelle (noch befristet) eingerichtet, die für die Sammlung und Bearbeitung der jüdischen Grabinschriften in Rheinland-Pfalz zuständig ist; gegenwärtig werden dort die Inschriften des jüdischen Friedhofes in Bingen durch Frau Martina Strehlen aufgenommen und bearbeitet. »
  3. Vgl. dazu Kap. 6. »
  4. Vgl. dazu auch H. Gredy, Verwüstung des jetzigen Rheinhessens und der Stadt Kreuznach durch die Franzosen in den Jahren 1688 bis 1697, in: Unterhaltungsblatt. Beilage zum Rhein. Volksboten 1-21 (1889) und J.B. Klören, Das Jahr 1689 im Nahe- und Hunsrückgebiet, in: Hbl. Kirn 19 (1939, 10-12) 29ff. sowie den Überblick von M. Schaab, Geschichte der Kurpfalz. Bd.2: Neuzeit. Stuttgart 1992, 149-153. »