Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Grosskreises Karlsruhe (1980)

Nr. 398 Sulzfeld, ev. Pfarrkirche nach 1628

Beschreibung

Epitaph des David Göler von Ravensburg und seiner Familie. Aus der alten Pfarrkirche in den Neubau von 1883 übernommen1; im Langhaus an der Ostwand unter der nördlichen Empore. Großes, vielteiliges Epitaph aus hellgrauem Sandstein. Die Grundform einer Aedikula mit verkröpftem Gebälk ist durch seitlich ausladende Rahmenflächen mit der Ahnenprobe mit Beischriften auf Spruchbändern erweitert; die Ahnenprobe beginnt in der Giebelzone und setzt sich in der Sockelzone fort. Im Giebelfeld zwei Vollwappen, umgeben von drei bekleideten Kinderfiguren (Engel?); in der Gebälkzone Inschriftkartusche (A) in Ohrmuschelrahmung; im Mittelfeld Relief der Auferstehung Christi, davor kniend die Familie des Verstorbenen, die beiden Töchter durch Spruchbänder (B) bezeichnet; in der Sockelzone Grabschrift (C). Erhaltungszustand hervorragend; die Schrift mit Resten schwarzer Fassung.

Maße: H. 287, B. 174, Bu. 3, 1, 7 u. 2 cm.

Schriftart(en): Inschriften-Fraktur.

  1. A

    Johan. Am. II.2) / Ich Bin Die Aufferstehung / Vnnd Daß Leben. Wer An / Mich Glaubet, Der Wird Leben, / Ob er Gleich Stürbe etc. /

  2. B

    Elisabeth / Maria Magdalena /

  3. C

    Der Woledle Vnnd Gestreng Dauid Göler / Von Vnd Zu Rauenspurg Wurdt In Anno 1567 / Den 15. Monats Tag 7bris Vf Diese Weltt Gebohrn / Verheyrath Sich Anno 1607 Zu Der Wol Edlen / Vnndt Viel Tugentsamen Frawen Maria Jacobe / Geborne Von Hallweyll Mit Welcher Er 19 Jhar / In Friedt Vnd Einigkeit Lebet Auch Von Gott / Mit 2 Töchtern Gesegnet Worden. Vnd Als Er Seines / Alters 58 Jahr Erreicht, Ist Er An(n)o 1626 Den 29 Novemb(ris) / In Got Selig Entschlaffen. Deme Vnd Vns Allen Sein / Göttliche Allmacht Ein Fröhliche Aufferstehung Gnedig / Verleihen Wölle / Amen · /

 
Wappen:
Göler von Ravensburg, Hallweil.

               
Wappen mit Beischriften:
Göler / Hallweyl /
HirschHorn / Freyberg /
Liebenstein / Mülinen /
Göler / Sachsenheim /
Rammung / Rottenstein3) /
Venningen / Stadion /
EltersHouen / Gießbach4) /
Velberg / AltenSachßenheim /

Kommentar

Obwohl das Epitaph die gesamte Familie des Verstorbenen zur Darstellung bringt, ist die Grabschrift (C) nur David Göler gewidmet. Das Denkmal ist als Gegenstück zu dem Epitaph des Hans Friedrich Göler (gest. 1628), Davids Vetter, gebildet und vermutlich erst nach 1628 in derselben Werkstatt entstanden5. Wahrscheinlich ist in Davids Witwe, Maria Jakobe geb. von Hallweil (gest. 1633), die Auftraggeberin zu sehen6; ihre Ahnenprobe ist auf der rechten Seite dargestellt.

Das mit dekorativem und figürlichem Schmuck überreich ausgezierte Epitaph folgt einem Typus der gegenüber dem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts üblich gewordenen Schema entscheidende Neuerungen einführt7. Besondere Hervorhebung verdient die meisterhaft gestaltete Frakturschrift mit Versalien vor jedem einzelnen Wort. Die gleiche Schriftform zeigen – abgesehen von der folgenden nr. 399 – zwei Epitaphien in Brackenheim (Kr. Heilbronn), die um 1638 in derselben Werkstatt entstanden sein dürften8.

Anmerkungen

  1. Zum Vorgängerbau vgl. nr. 38. – Wickenburg gibt als Standort Maulbronn an.
  2. Joh 11, 25–26.
  3. Statt Bletz von Rottenstein. Das hier angebrachte Ahnenwappen ist das der Rotenstein (OA. Memmingen) und gehört nicht in die Hallweilsche Ahnenprobe.
  4. Verschrieben für Diessbach (Berner Geschlecht); vgl. Rietstap II Pl. 203.
  5. Vgl. nr. 399. – Zur Genealogie vgl. Möller AF. III Taf. 128. Eltern Davids: Bernhard II. Göler (gest. 1608) und Maria von Hirschhorn (gest. 1602); ihr Grabmal vgl. nr. 334.
  6. Sie war in erster Ehe mit Davids Vetter Wolfgang Göler (gest. 1606) verheiratet gewesen; ihre Eltern: Hans Georg von Hallweil (gest. 1593) und Maria Magdalena von Freiberg; vgl. Kindler v. Knobloch I 524ff.
  7. Zum Aufkommen dieses Epitaph-Typus vgl. das in der Einleitung S. XXVII Gesagte; zu den württembergischen Beispielen vgl. Fleischhauer, Renaissance 349ff., 361. – In Sulzfeld selbst wurde der neue Typus bereits in dem Epitaph des Georg Göler (um 1620?) aufgenommen; vgl. nr. 381.
  8. Die Epitaphien für Wendel Mew und seine Familie sowie für Martin Steckenrieth (gest. 1638). Ihre Zuschreibung an Achilles Kern von Forchtenberg (1607–91) erscheint aus zeitlichen und stilistischen Gründen fraglich; vgl. dazu A. Schahl, Die Johanniskirche in Brackenheim. Brackenheim 1959, 34, 35, Abb. 51, 52.

Nachweise

  1. KdmBaden VIII 1, 197.
  2. Wickenburg II 308.
  3. Pfefferle, Sulzfeld 13.
  4. R. Göler v. Ravensburg 66ff. (m. Abb.).

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Grosskreises Karlsruhe, Nr. 398 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0039809.