Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Grosskreises Karlsruhe (1980)

Nr. 381 Sulzfeld, ev. Pfarrkirche um 1620 (?)

Beschreibung

Epitaph des Georg Göler von Ravensburg. In der Sakristei an der Südwand; aus der alten Pfarrkirche1. Aedikula aus hellgrauem Sandstein mit reichem Figurenschmuck; im Giebelfeld Wappen mit Helm und Helmzier; in der Gebälkzone Inschrift (A); Mittelfeld quer geteilt, oben Relief der Kreuztragung Christi vor Stadtlandschaft, darunter Kartusche mit Spruch (B) und Todesembleme; vor den Hermen-Pilastern der Rahmung fast vollrunde Statuetten – l. Caritas, r. männliche Figur im Kostüm der Zeit, vermutlich der Verstorbene; in der Sockelzone Inschrifttafel (C). Beschädigungen an den Figuren.

Maße: H. 256, B. 134, Bu. 2,3; 2; 5 u. 2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A, B, C), Inschriften-Fraktur (C).

  1. A

    GEORGIVS GÖLER A RABEN/SPERG /

  2. B

    SANGVINE QVAESISTI / COELVM NOS TARTARA CVLPIS / FAC MERITIS CEDANT CRI/MINA NOSTRA TVIS /

  3. C

    Adel Kunst ehr Geldt gut vn(d) Pracht / der Todt es Als zu nichten macht / VAENITASa) VANITATVM ET / OMNIA VANITAS · /2) HINC ABII SED NON PERII · MIHI / FVNERE · CVAMVISb) / SOLVERIT HOC CORPVS TRVX / LIBITINA MEVM · /

Übersetzung:

Durch dein Blut hast du den Himmel erworben, wir aber durch unser Verschulden die Verdammnis. Mach, daß durch dein Verdienst unsere Schuld getilgt wird. – Eitelkeit der Eitelkeiten, alles Eitelkeit. – Ich ging fort von hier, aber ich gehe nicht zugrunde, wenngleich die grimmige Todesgöttin diesen meinen Leib im Grabe zerfallen läßt.

Kommentar

Der Verstorbene war ein Bruder des David Göler (gest. 1626)3. J. P. v. Helmstatt nennt ihn „vir doctus excellens in medicina“4. 1583 war er an der Universität Siena eingeschrieben5. Das Todesdatum ist unbekannt und nicht auf dem Denkmal eingetragen; auch fällt auf, daß für den Eintrag des Todesjahres keine Lücke vorbehalten blieb. Oechelhäuser und Pfefferle nennen 1620 ohne Angabe von Belegen6.

Der Typus entspricht dem der um 1628 anzusetzenden Wandepitaphien7 in derselben Kirche, so daß auch eine spätere Ansetzung nach 1628 für das vorliegende Denkmal in Betracht zu ziehen ist. Nach der Ausformung des ornamentalen Beiwerks und gewisser Stilmerkmale scheint das Denkmal in der Werkstatt des Melchior Schmidt von Heilbronn (gest. 1634) entstanden zu sein8. Auch die Gestaltung der Schrift – insbesondere der Fraktur-Versalien in C – weist auf die Heilbronner Werkstatt. Für deren Kapitalis sind die überhöhten Anfangsbuchstaben (gelegentlich im Wortinnern), die lockere Anordnung des Schriftbildes und die Schrägstellung der linken Haste des A typisch. – Die lateinischen Sprüche B und C (Schluß) sind als Distichen abgefaßt.

Textkritischer Apparat

  1. So für Vanitas.
  2. So für Quamvis.

Anmerkungen

  1. Von Wickenburg als in Maulbronn befindlich bezeichnet.
  2. Eccl. 1, 2 u. 12, 8. – Als Devise mehrmals nachweisbar; vgl. Dielitz 346.
  3. Vgl. nr. 398; dort Angaben zur Genealogie.
  4. J. P. v. Helmstatt fol. 31.
  5. Weigle I 1077.
  6. KdmBaden VIII 1, 197; Pfefferle 13.
  7. Vgl. nrr. 398, 399 und das in der Einleitung S. XXVII Gesagte.
  8. Eng verwandt ist vor allem das Epitaph des Georg Andreas Machtolff (gest. 1614) in Brackenheim (Kr. Heilbronn), das von Schahl überzeugend Melchior Schmidt zugeschrieben wurde; vgl. A. Schahl, Die Johanniskirche in Brackenheim. Brackenheim 1959, 34, Abb. S. 5. – Werkverzeichnis und Literaturangaben bei Thieme-Becker 30 (1936) 163.

Nachweise

  1. KdmBaden VIII 1, 197.
  2. Wickenburg II fol. 308.
  3. Pfefferle, Sulzfeld 13.
  4. R. Göler v. Ravensburg 76ff. (m. Abb.).

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Grosskreises Karlsruhe, Nr. 381 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0038103.