Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Grosskreises Karlsruhe (1980)

Nr. 267 Sulzfeld, ev. Pfarrkirche um 1576

Beschreibung

Grabdenkmal des Hans Göler von Ravensburg und der Anna Maria geb. von Gemmingen. In der Sakristei, in einer Mauernische der Ostwand. Aedikula aus hellgrauem Sandstein; im Giebelfeld Auferstehungsrelief; in der Gebälkzone eine in der Mitte geteilte Tafel mit zwei Inschriftblöcken (A, B); im Feld vor Flachnische die fast vollrunden Kniefiguren der Verstorbenen zu beiden Seiten eines Kruzifixes; über ihren Köpfen je eine kleine Inschrifttafel (C, D) mit Spruch; an den mit Blattornament belegten Rahmenpilastern je zwei Wappen mit Helmzieren und Beischriften. Figuren und Kruzifix verstümmelt, Inschrift A l. gebrochen, Rand z. T. unter Putz. Sockel fehlt.

Maße: H. 292, B. 150, Bu. 2,5 u. 2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    [A]LS TAVSENT VND SECHSHVNDERT IAR / VND NOCH EINS DARZVE GEZELT WAR / IM NOVEMBER VERSCHIEDEN IST / DEN NEYNZEHENT TAGES FRIST / HANS GÖLER VON RAVENSPURG FVRWAR / SEINS ALTERS VIER UND SIBENZIG IAR / IM ESTAND ZWANZIG DREI IAR GLEBT / DARIN IM GOT SECHS KINT BESCHERT / SEIN WITWESTANT ZWANZIG FVNF IAR / GANZ KEVSCH VND REIN VOLBRACHTER ZWAR / SEIN VNDERTHON CHRISTLICH REGIRT / NOCH GOTES WORT SEIN LEBEN GFVRT / HIERAVF GAR WOL BESCHLOS SEIN ENT / DEM GOT GEB EIN FROLICH VRSTENT /

  2. B

    ALS TAVSENT VND FINFHVNDERT IAR / SECHSSIBENTZIG GEZELET WAR / IM NOVEMBER VERSCHIEDEN IST / DES NEVNZWENTZIGSTEN TAGES FRIST / DIE TVGENTREICH VND ADELICH / VON GEMMING ANNA MARIA SICH / AUFF ERD ALLZEIT GERICHTET HATT / NACH GOTES GEBOTEN FRIE UND SPAHT / IRM IVNCKHERN HANS GÖLERN GEBAR / ZWEN SÖN VIER TÖCHTER IN 3 VND 20 IAR / AN ARMEN LEVTEN SIE NICHTS THET SPARN / IN WAREM GLAVBEN BESCHLOSS IR LEBEN / DRVMB HAT IR GOTT DAS EWIG GEBEN /

  3. C

    IOB · AM / · XIX · CAP · / ICH WEIS DAS MEIN ERLÖSER / LEBT · VND ER WIRT MICH HERNACH/ER AVS DER ERDEN AVFWECKE(N) / VND WERDE DARNACH · MIT / DISER MEINER HAVT VMB/GEBEN WERDEN · VND WERDE / IN MEINEM FLEYSCH GOT SEHE(N)1) /

  4. D

    IOHANES / AM · 3 · CAP · / ALSO HAT GOT DIE WELDT / GELIBT · DAS ER SEIN EINGE/BORNE(N) SON GAB · VFF DAS / ALLE DIE AN IN GLAVBE(N) NIT / VERLOREN WERDEN · SON=/DER DAS EWIG LEBEN HABE(N)2) /

   
Wappen mit Beischriften:
GÖLER · / GEMINGEN /
[LIEBENSTE]IN · / MAR=/SCHALCK · /3)

Hans Göler, geb. 1527 als Sohn des Albrecht (gest. 1542) und der Dorothea von Liebenstein (gest. 1562)4, war 1555–69 in württembergischen Diensten5. 1569 ist er in Menzingen als Vormund erwähnt6.

Die Denkmäler für Schwester und Schwager in Flehingen sind in Komposition und Ausführung der Rhamenarchitektur eng mit dem vorliegenden Denkmal verwandt7. Daher dürfte das Werk um 1576 – Todesjahr der Frau – entstanden sein; die Sterbeinschrift des Mannes (A) kann nachgetragen worden sein. Der Typus des Doppel-Epitaphs mit symmetrisch unter dem Kreuz knienden Figuren – im Bearbeitungsgebiet kurz zuvor in Wössingen verwendet8 – fand von ca. 1570 an im Kreis der Leonberger Werkstatt des Jeremias Schwarz Verbreitung; auch die charakteristische Bildung der Schrift stützt die Zuschreibung an diesen Meister9.

Anmerkungen

  1. Hiob 19, 25–26.
  2. Joh. 3, 16.
  3. Marschalk von Ostheim.
  4. Vgl. nr. 224. – Zur Genealogie vgl. Humbracht Taf. 191; Möller AF. III Taf. 128.
  5. Pfeilsticker nr. 1535.
  6. Vgl. nr. 244.
  7. Vgl. nrr. 255, 256.
  8. Vgl. nr. 264. Zur künstlerischen Herkunft des Typus vgl. P. Reindl, Loy Hering. Basel 1977, 86ff.
  9. Zu seiner „Werkgruppe der 1570er Jahre“ vgl. das in der Einleitung S. XXVIf. Gesagte sowie nrr. 255, 256.

Nachweise

  1. KdmBaden VIII 1, 197.
  2. Wickenburg II 296ff.
  3. Pfefferle, Sulzfeld 13.
  4. R. Göler v. Ravensburg 78f.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Grosskreises Karlsruhe, Nr. 267 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0026708.