Die Inschriften der Stadt Ingolstadt

5. Die Inschriftenträger

Inschriften des Totengedenkens

Die Inschriften des Totengedenkens machen bei weitem den größten Bestand der Ingolstädter Inschriften aus. Sie prägen vor allem die Kirchen der Stadt vom Münster Zur Schönen unserer Lieben Frau über die Franziskanerklosterkirche bis St. Sebastian, stellen aber auch den Löwenanteil an Inschriftenträgern aus dem Ingolstädter Umland.

Die älteste in Ingolstadt erhaltene Inschriftenplatte gehört in den Bereich des Totengedenkens der Kleriker. Magister Albrecht (†1349), Pfarrer der Moritzkirche erhielt eine figurale Grabplatte mit Umschrift (Nr. 2). Gezeigt wird der Verstorbene, einen mit Kelchtuch verdeckten Kelch segnend, er ist mit einem Superpelliceum bekleidet und trägt auf dem Haupt ein Birett. Die Platte steht damit am Anfang einer ganzen Reihe von figuralen Grabplatten für Kleriker, die im 15. Jahrhundert einen nicht geringen Anteil der Ingolstädter Denkmalproduktion ausmachen. Die Platten zeigen stets das Motiv des den Kelch segnenden Priesters, meist dargestellt im Messgewand, das Birett auf dem Haupt. Teilweise kann das Haupt des Klerikers im Relief herausgearbeitet sein, so z.B. beim Denkmal für Conrad Ackermann (†1472, Nr. 38), der Kelch ist bei diesem Stück in Metall eingelegt. Einen Sonderfall stellen die beiden Denkmäler für den Münsterpfarrer Glesein (†1479, Nr. 48) und den Kaplan Ulrich Gerstner (†1464, Nr. 32) dar. Hier ist das Motiv der Kelchsegnung zu Gunsten eines Haltens des Kelches mit beiden Händen aufgegeben. Ob daraus wie Hofmann vermutete eine gemeinsame Werkstatt beider Platten abgeleitet werden kann, bleibt auf Grund des paläographischen Befundes unklar. Am Ende des Jahrhunderts wird das gleiche Motiv dann in einer Reliefplatte umgesetzt (vgl. Nr. 63).

In den Kirchen der Stadt finden wir auch die Gedächtnismale einiger adeliger Amtsträger der herzoglichen Verwaltung, die im 15. Jahrhundert figurale Grabplatten anfertigen ließen. Zwei Grabplatten mit Umschrift und der Darstellung eines Geharnischten haben sich in der Franziskanerklosterkirche erhalten. Während die Platte für Ulrich Gurr (†1471, Nr. 35) dem altbayerischen Kunstkreis zuzuordnen ist und eher konservative Züge zeigt – sie stellt den Geharnischten barhäuptig mit Harnisch über einem Kettenhemd, mit Rennfähnlein und auf sein Schwert gestützt dar – wird der Zöllner Hans Knebel in einem Riefelharnisch mit Schwert und Dolch, den Helm auf dem Haupt, das Visier zurückgeklappt, dargestellt (†1518, Nr. 110).

Prototypisch für die figurale Grabplatte eines Universitätsprofessors scheint das Denkmal Johann Mainbergers (†1475, Nr. 42) im Münster zu sein. Das Denkmal, eine Arbeit aus der berühmten Roritzerwerkstatt, ist in Form einer Grabplatte mit Umschrift gestaltet, Mainberger wird im Relief in der Tracht eines Universitätsprofessors, das Haupt auf Bücher gebettet, dargestellt. Das Denkmal erfuhr in Ingolstadt zumindest eine Kopie in dem um 1500 geschaffenen [Druckseite 41] Denkmal für Georg Zingel (Nr. 83) in der Franziskanerkirche. Das Denkmal für den Mediziner Nikolaus von Regensburg (†1478, Nr. 48) zeigt eine fast gleichzeitige, aber sehr viel einfachere Darstellung. Der Verstorbene in Gelehrtentracht, vermutlich mit Doktorschärpe, wird in Ritzzeichnung mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen dargestellt, nur der Kopf ist in Relief herausgearbeitet.

Besonders zu erwähnen unter den figuralen Grabdenkmälern Ingolstadts ist das Denkmal für den Pfarrer und Universitätsprofessor Georg Hauer (Nr. 139) aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Es ist zwar figural gestaltet, hat aber mit den Umschriftplatten des 15. Jahrhunderts nichts mehr zu tun. Das Wandgrabmal zeigt in Hochrelief den Stifter – es handelt sich um ein Portrait – in Lebensgröße, im Messgewand mit gefalteten Händen, auf einem Sockel stehend, vor einem Rundbogen, zu Füßen der Wappenschild, er wirkt beinahe wie ein Standbild. Die Muschellünette darüber enthält ein Medaillon mit der Grabinschrift, zwei Spruchbänder über dem Haupt des Verstorbenen Gebetsanrufungen. Diese Form der Darstellung bleibt in Ingolstadt ein Unikat.

In Ingolstadt reich vertreten ist der in Altbayern weit verbreitete Typus der Wappengrabplatte, einer vor allem in Kreisen des Adels sehr geschätzten Denkmalform. Dieser Grabmaltyp wird in Ingolstadt auch häufig von Bürgern gewählt. Es ist kaum bzw. nur am Text der Inschrift, besonders den gewählten Epitheta zu entscheiden, ob es sich um bürgerliche oder Platten aus dem adeligen Umfeld handelt. Die Übergänge sind zudem gerade bei Mitarbeitern der herzoglichen Verwaltung fließend. Prototypisch für die klassische Wappengrabplatte mit Vollwappen im Feld und Umschrift ist die Platte für Jörg Reisacher (†1485) in Oberhaunstadt (Nr. 53). Im eingetieften Feld unter einem Astwerkbogen wird das Vollwappen mit vielfach gezaddelten Helmdecken präsentiert, die Umschrift findet sich auf einer Rahmenleiste. Diese Form wird in Ingolstadt in späterer Zeit nur noch zweimal wieder aufgenommen. Ist bei der Platte für den 1579 verstorbenen Bernhard von Vermunden (†1579, Nr. 305) nicht klar, wie es zur Wahl dieser altmodischen Form kommt, so dürfte es sich bei der Wappengrabplatte (Nr. 187) für Georg Schober (†1547) um eine bewusste Wahl für den bedeutenden Ingolstädter Bürgermeister, der auch in der bayerischen Politik eine Rolle spielte, handeln. Eine besondere Annäherung an die Grabplatten des Adels ist die Setzung von vier Kreismedaillons in den Ecken, die eine dem Adel entsprechende Vorfahrenreihe für den bürgerlichen Verstorbenen suggeriert.

Ungewöhnlich ist die älteste überlieferte Wappengrabplatte – wenn man sie so nennen will – mit Inschrift in zeilenweiser Gestaltung (Nr. 24), die Grabplatte der Barbara Sentlinger (†1444). Die Stifterin der gleichnamigen Kapelle am Münster erhielt eine überaus groß dimensionierte Rotmarmorplatte mit ungewöhnlicher, nur auf sie selbst bezogener Inschrift und einem kleinem Wappenschild unten in der Mitte. Eher prototypisch für die Wappengrabplatte mit Inschrift in zeilenweiser Gestaltung ist die schon durch das Wappenbild mit dem seinen Rachen mit einem Schwert durchstoßenden Löwen eindrucksvolle Rotmarmorplatte (Nr. 25) am nordöstlichen Münstereingang. Das aus der Münchner Haldnerwerkstätte stammende Stück für Conrad Endelshauser (†1444) zeigt ein großes, zwei Drittel der Platte einnehmendes Vollwappen und darüber gesetzt eine kurze Sterbeinschrift in zeilenweiser Gestaltung. Ähnlich, aber weniger auf Repräsentation ausgerichtet, sind die beiden sicher gemeinsam geschaffenen Platten (Nr. 86, 94) für Jörg Hahnenkempler (†1504) und Barbara Ehinger (†1507) in der Sebastianskirche. Die Rotmarmorplatten bieten eine zeilenweise Beschriftung mit dem üblichen Sterbeinschriftformular in der oberen Plattenhälfte und nach weitem Abstand unten jeweils im genasten Dreipass zwei Wappenschilde, die mit einem Band an einem Haken befestigt sind. Das gleiche Gestaltungsprinzip findet sich auch auf dem dislozierten Stein für eine 1506 verstorbene Frau, der sich heute an der Kugelbastei befindet (Nr. 93).

Sicher aus dem Umfeld der Münsterbauhütte stammt die Wappentafel (Nr. 72) für Wolfgang Schram (†1499) und seine Ehefrau. Hier werden die beiden Vollwappen unter Kielbögen mit aufwändiger Astwerkornamentik in der oberen Hälfte der Tafel präsentiert, die Inschrift findet sich in einer als Schrifttafel abgesetzten Zone darunter. Diese Tafel steht am Beginn eines Weges, den die Wappentafeln in Ingolstadt im 16. Jahrhundert nehmen: das Wappen wird immer häufiger in einen Architekturrahmen gestellt. So zeigt bereits die Platte für Hans Heinperger (†1499) aus der Roritzerwerkstatt unten das Vollwappen unter einem gekehlten Kielbogen, in den Bogenzwickeln stehen zwei weitere kleine Wappenschilde; entweder Ahnenwappen oder – wahrscheinlicher – Wappen der Ehefrauen. Die Integration der Wappen der Ehefrauen bleibt ein Thema. Unter einem ebenfalls in einen Architekturrahmen gestellten Vollwappen bietet die Grabtafel für Georg Kaiser (†1510) die Wappenschilde der Ehefrauen in einer Reihe unter das Vollwappen gestellt [Druckseite 42] mit Beischriften auf eigenen Schriftbändern und dem eingeritzten Hinweis 4 HVS . FROWEN . (Nr. 98) Das Wappen unter Architekturrahmen findet sich als Form vor allem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, auch auf einfachen Tafeln wie der des Malers Melchior Feselen (†1538) mit dem Zunftwappen der Maler (Nr. 157) oder zuletzt auf der Platte (Nr. 171) für Mattheus Zilgast (†1544). Ein spätes Beispiel ist die Tafel (Nr. 559) für Maria Clanner aus dem Jahr 1642 mit ihrem Wappen und dem Wappen ihres Mannes unter zwei Bögen.

In den meisten Fällen ist die Ehefrau auch in der Inschrift entweder als zweite Verstorbene mitgenannt oder tritt als Stifterin auf. Die Wappen der Eheleute stehen dabei nebeneinander, einfach die beiden Schilde auf der Tafel für das Ehepaar Hedl (Nr. 231), einander zugewandt wie auf dem Denkmal Schramm (Nr. 72) oder sogar zugeneigt so z. B. bei der Tafel für Hilarius Peysser († 1573) und seine Frau (Nr. 281), Selten kommt es – wie bei der Tafel für Caspar Vogt (†1541) und seine Frau (Nr. 163) oder der des Hans Krafft (†1603) und seine Ehefrau (Nr. 399) zur Stellung unter ein gemeinsames Oberwappen. Ähnlich gestaltet sind auch die Platten frühverstorbener Kinder, hier werden die Wappen der Eltern gezeigt, so auf dem Täfelchen (Nr. 236) für Rudolfo Zoanetti (†1563) oder auch die Kinder adeliger Eltern wie die Schaffhausentöchter (Nr. 221).

Platten mit nur einem Wappen bleiben in Ingolstadt die Ausnahme, sie finden sich nur für wenige, meist unverheiratete Männer, so z.B. den 1612 verstorbenen Georg von Rinderbach mit einem Wappenbild im „modernen“ Medaillon (Nr. 440). Medaillons, manchmal in einem Rahmen bilden die Fassung ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Bearbeitungszeitende, vgl. z.B. die Wappengrabplatte (Nr. 532) für Konrad Schofer (†1634).

Dem ursprünglichen Konzept der Endelshauserplatte (s.o.) wieder näher zeigen sich zwei Sonderfälle innerhalb der Überlieferung Ingolstadts: die beiden erhaltenen Wappengrabplatten für polnische Adelige (Nr. 347, 461) zeigen das Wappen wieder einfach unter der Inschrift in einem nicht gestalteten Feld. Die ältere Platte ist ein Repräsentant für die Eigenheiten der polnischen Heraldik, sie zeigt nämlich Wappen aller Wappenstämme aus denen der Verstorbene Vorfahren für sich reklamieren konnte.

Ebenfalls mit einer Ausnahme aus Wappengrabplatten besteht die einzige Adelsgrablege im heutigen Stadtgebiet, die – sehr späte – Grablege der Hegnenberger in Oberhaunstadt, sie ist jedoch heute nicht mehr als Ensemble erhalten.

Zwischen 1530 und 1539 tritt zum ersten Mal ein dreimal in Ingolstadt vertretener Typus eines Wandgrabmals mit einem Putto als Wappenhalter in der zentralen Darstellung auf (Nr. 160, 172 und 207). Der Putto steht dabei stets in der Hauptzone des Denkmals und präsentiert die beiden Wappenschilde der Eheleute, die Sterbeinschrift findet sich in der Sockelzone bzw. auf einer Schrifttafel darunter, der Auszug zeigt einmal das Haupt Christi, einmal Schädel und Gebein, beim dritten Stück fehlt er oder war nie vorhanden. Alle drei Stücke stellen ein Mittelding zwischen Wappengrabplatte und Epitaph dar. Das Thema des wappenhaltenden Engels findet sich auch auf dem Denkmal für Georg Weber, hier jedoch weniger Prominent in den Bogen über eine größere Schrifttafel gestellt, und auf dem Denkmal (Nr. 199) für Wolfgang Peysser (†1549), das durch die Darstellung der Familie im Sockel und des Engels sowohl als Halter der Schrifttafel als auch als Wappenhalter mehr in die Nähe des Epitaphs gerückt erscheint.

Ähnlich ist das heute verlorene Wanddenkmal (Nr. 182†) für Simon von Schönberg einzuordnen. Auch hier findet sich der dreiteilige Aufbau des Epitaphs mit Unterhang, zentraler Darstellung und Auszug, an der Stelle des üblichen Andachtsbildes findet sich im zentralen Register das Vollwappen.

Wappen sind auch ein Gestaltungselement für die in Ingolstadt nicht seltenen Grabplättchen. Diese Form des Denkmals war wohl sowohl preisgünstig, weshalb es oft für Universitätsmitglieder unterhalb des Professorenrangs und einfache Kleriker gewählt wurde, es war aber auch das Mittel zur Bezeichnung des unmittelbaren Bestattungsortes neben einem aufwändigeren Gedächtnismal an der Wand, so mit Sicherheit bei dem Plättchen (Nr. 430) für Margaretha Fasold (†1611), das vielleicht den konkreten Bestattungsort innerhalb der Fasoldschen Familiengrablege (vgl. Nr. 447) angab und ihr Wappen zusammen mit dem ihres Gatten unter einem Totenschädel zeigt. Vermutlich den Kriegshandlungen geschuldet, ist die Wahl eines kleinen Wappenplättchens für Wolfgang Ludwig von Gumppenberg (Nr. 582).

Auch in die Reihe der Grabplättchen einzuordnen, als ungewöhnliche Denkmalwahl muss das kleine Bodenplättchen für den verheirateten Griechischprofessor Sifanus (Nr. 304) gelten. Es nennt Namen, akademischen Grad und Funktion an der Universität, ist also unter die Gelehrtendenkmäler einzuordnen. Ein Wanddenkmal für Sifanus und seine Familie ist nicht überliefert, [Druckseite 43] angesichts der Tendenz der Ingolstädter Professoren, sich mehrere Denkmäler zu setzen, aber auch nicht auszuschließen.

Einen Sonderfall stellt das Metallplättchen mit Wappen (Nr. 562) für Franz Freiherr von Mercy († 1645) dar. Hier wurde das kreisrunde Metallplättchen mit von zwei Löwen gehaltenem Vollwappen und relativ langer Inschrift sicher bewusst als angemessene Denkmalform für einen erfolgreichen Kriegsmann gewählt. Nach dem Ende des Bearbeitungszeitraums wird der Denkmaltyp für den Sohn Peter Graf von Mercy (†1686) wiederholt, hier wird das Wappen jedoch mit sehr viel mehr kriegerischer Staffage versehen85).

Ab dem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts findet sich unter den Grabplättchen auch bereits die Sonderform der typischen Priestergrabplättchen mit einfacher Darstellung eines Kelches und kurzer Inschrift, so z.B. die sehr abgetretenen Platte für Ulrich Poel (Nr. 113) oder die drei Jahrzehnte später entstandene Platte für Wolfgang Denkel (Nr. 162), beide im Münster. In gewisser Weise einen Vorläufer hierzu stellt die Grabplatte für Andreas Walcher (Nr. 75) vom Ende des 15. Jahrhunderts dar: unter einer mehrzeiligen Grabinschrift findet sich der charakteristische Kelch in einem aufgelegten Metalldreipass, der in Nürnberg geschaffen wurde und in der dortigen Inschriftenlandschaft seine Parallelen findet. Ganz einfache Grabplättchen für Geistliche, besonders Ordensangehörige, die sich in Altbayern ab dem 17. Jahrhundert überall finden lassen, haben sich sowohl kopial als auch im Original im Franziskanerkreuzgang überliefert (z.B. Nr. 518, 523). Sie verzichten auf jegliche bildliche Darstellung und begnügen sich unter einem einfachen Kreuz mit der Angabe des Namens und der Funktion des – hier meist – Franziskaners.

Schon früh erfolgt in Ingolstadt der Übergang zum Epitaph. Es ist die meistverbreitete Form des Totengedächtnismals an diesem Ort. Das erste Epitaph für einen Geistlichen lässt sich bereits 1491 der Pfründeninhaber der Katharinenkapelle, Andreas Wungst, in der Moritzkirche setzen (Nr. 64). Es besteht aus zwei Teilen, einer Schriftplatte unten und darüber einem in drei Achsen aufgeteilten Relief in querrechteckigem Rahmen: jeweils unter Bögen findet sich in der Mitte die Verkündigung an Maria, links der Hl. Nikolaus, zu Füßen der betende Stifter, rechts die Hl. Katharina, die Patronin seiner Altarpfründe. Eng verwandt mit diesem Umfeld, jedoch von einem bürgerlichen Stifter ist das Epitaph für die Armenpfleger Plümel (†1499, Nr. 73), außen an der Münsterkirche. Auch bei diesem heute sehr verwitterten Denkmal findet sich über einer Schrifttafel eine querrechteckige, in drei Achsen aufgeteilte Darstellung: in der Mitte die thronende Madonna mit Kind, rechts und links die Namenspatrone der Verstorbenen.

Weit aufwändiger und in seiner Art einzigartig ist das älteste Epitaph unter den Ingolstädter Denkmälern für Gelehrte; das Denkmal für Johannes Permetter aus Adorf (Nr. 87, datiert 1505). Es zeigt den Professor bei seiner Antrittsvorlesung. Das einzige Mal wird auf diesem Denkmal in Ingolstadt auch das Motiv des von Würmern und Kröten begleiteten Skeletts dargestellt. Das Denkmal folgt einer genauen Konzeption, von den beiden Patronen Permetters Hieronymus und Thomas oben in den Bogenzwickeln bis zur Inschrift unten, die das Dasein des Gelehrten mit dem des Seelsorgers in Einklang bringt. Ebenfalls ein Unikat ist das Denkmal des Mediziners Wolfgang Peysser (Nr. 126). Seine Interpretation ist bis heute nicht ganz geklärt. Die bildliche Darstellung zeigt einen jugendlichen Mann im Gespräch mit zwei Engeln, beim Text steht der Gelehrte und sein Verdienst im Mittelpunkt der Betrachtung, die Familie wird durch die zwei wappentragenden Figuren im Sockelbereich repräsentiert.

Epitaphien sind im Ingolstadt des 16. Jahrhunderts die Grabdenkmäler an sich. Mit wenigen Ausnahmen waren sie der gewählte Denkmaltyp für das bürgerliche Familientotengedächtnismal. Die Sterbe- und/oder Stifterinschriften auf diesen Denkmälern, stellen daher meist zumindest das Ehepaar in den Mittelpunkt, beziehen oft aber auch noch die Nachkommen mit ein. Ein frühes, in seiner Gestaltung herausragendes Werk ist das um 1520 entstandene Epitaph (Nr. 114) für Hans Esterreicher und seine Frau Dorothea, das Stephan Rottaler zugeschrieben wird. Zentrales Bildelement des Epitaphs ist ein in Hochrelief gearbeiteter, einer tiefen, von einem Rundbogen mit Muschellünette überfangenen Nische angebrachter Gnadenstuhl als Andachtsbild. Die Sockelzone zeigt links und rechts ebenfalls in Nischen eingestellt die beiden Stifter, kniend, den Rosenkranz in Händen. Die Mitte der Sockelzone bildet die Schrifttafel. Die Stifterwappen finden sich auf den über den Bogen der Stifternischen zu sehenden Wandteilen bzw. aufgeteilt in Schild und Oberwappen in den Bogenzwickeln über der Hauptnische. Interessant ist das aus einem Steinquader gehauene Stück auch durch die erhaltene originale Farbfassung.

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Das typische Ingolstädter Epitaph besteht aus drei übereinander angeordneten Zonen. Meist befindet sich die Inschrift in der Sockelzone bzw. dem Unterhang, die zentrale Position nimmt das Andachtsbild ein, der Auszug darüber bleibt den Wappen, einem zusätzlichen frommen Spruch oder einem dekorativen Element vorbehalten.

Am häufigsten im zentralen Feld dargestellt ist Christus am Kreuz. Dabei wird nicht eine Darstellung der Kreuzigung angestrebt, sondern das Kruzifix wird als Gegenstand der frommen Verehrung durch den Stifter gezeigt. Ein Beispiel für diesen Typus ist das Epitaph (Nr. 188) des Johann von der Leiter († 1447), eine eigenhändige Arbeit des Eichstätter Bildhauers Loy Hering. Wir sehen den Ingolstädter Pfleger im Kostümharnisch in Gebetshaltung vor dem Gekreuzigten kniend, den Helm zu Füßen. Er wendet sein Haupt Christus zu, der ihn seinerseits vom Kreuz her anblickt. Verstorbener und Heiland werden hier in inniger Verbindung gezeigt. In geringerer Qualität ist dieses Motiv häufig vertreten. Dabei ist das Kreuz meist in eine Landschaft gestellt und wird durch ein Wolkenband in die himmlische Sphäre gehoben86). Das Motiv des Gebets unter dem Kreuz ist auch in den Familiendenkmälern der häufigste Typus, als Beispiel soll hier das Epitaph (Nr. 251) für den Festungsbaumeister Georg Stern (†1564) und seine Familie im Münster dienen, auch hier bildet der vor eine Stadtlandschaft gestellte Kruzifixus die Mitte. Die Familie ist – wie üblich – in zwei Gruppen angeordnet, die Männer, Vater und Söhne links (also auf der heraldisch rechten und damit der vornehmeren Seite), die Mutter mit den Töchtern rechts, alle knien mit gefalteten Händen und blicken zum Gekreuzigten auf. Jedes Mal ist die Sterbe- bzw. Stifterinschrift auf einer eigenen Tafel unter der Hauptszene angebracht, die Wappen werden teilweise zu Füßen der Verstorbenen in die Hauptszene integriert (z.B. Nr. 295 für Jörg Laist und seine Familie), oder in den Auszug gestellt (z.B. Nr. 170 für Hieronymus Tettenhamer und seine Ehefrau). Einen Sonderfall stellte das nicht erhaltene Denkmal der Familie Pfister, das sich ehemals außen an der Münsterkirche befand, dar. Hier werden dem Kruzifixus nicht Portraits der Familienangehörigen beigefügt, sondern nur die Wappenschilde des Stifterpaares (Nr. 175† von 1546).

Eine weitere häufige Darstellung mit dem Gekreuzigten als Zentralelement ist das Kruzifix zwischen Maria und Johannes, auch hier ist die Szene meist in einen Landschaftshintergrund gestellt. Mit Ausnahme des Denkmals für Matthäus Schechtel (†1614) und seine Frau (Nr. 447) ist die Darstellung der Familie hier jedoch nicht in die Szene integriert sondern folgt in einem eigenen Register unter der bildlichen Darstellung. Der in der üblichen Weise angeordneten, knienden und betenden Familie fehlt damit eigentlich die Mitte, auf die sie sich bezieht87). Zwei weitere Epitaphien mit Kreuzigungsdarstellung, die den beiden oben beschriebenen Typen nicht zuzuordnen sind, finden sich noch im Ingolstädter Material. In der Franziskanerklosterkirche hat sich 1604 Hans Schiechel mit seiner Frau ein Denkmal (Nr. 409) errichten lassen, das in der Hauptzone den Kruzifixus vor einer Stadtlandschaft beseitet von Sonne und Mond zeigt und darunter in einem eigenen Register die Verstorbenen betend rechts und links einer Bogenarkade. Aus Mühlhausen (Nr. 478) kommt eine Darstellung der Maria Magdalena unter dem Kreuz, beseitet von zwei Schrifttafeln und begleitet von der knienden Familie des Martin Bonschab (†1624).

Nach dem Kruzifixus führt die Darstellung der Auferstehung zahlenmäßig den Reigen der Ingolstädter Epitaphbilder an. Gleich zweimal wurde das Motiv 1548 für die Grablege im Franziskanerkloster verwendet, jedes Mal wird der unmittelbare Vorgang der Auferstehung mit dem offenen Sarkophag, Christus mit der Siegesfahne und den schlafenden und erschreckenden Wächtern geschildert. Während jedoch das hochwertige Denkmal für Jörg Helnhauser (Nr. 194) den Verstorbenen als Oranten in die Szene integriert, werden bei dem wesentlich niedriger niveauigen für Hans Reisolt (Nr. 196) die beiden Eheleute mit ihren Wappen ohne Bezug vor die Szene gesetzt. Die häufig vielfigurige und bewegte Auferstehungsszene (vgl. z.B. auch Nr. 302) wird in zwei Fällen durch die Darstellung von Gott Vater und Heiliggeisttaube im Auszug trinitarisch erweitert (Nrn. 272 und 422). Anders wird die Auferstehungsszene 1645 auf dem Denkmal des Melchior Hahn (Nr. 575) interpretiert, ähnlich den Kruzifixbildern, bei denen die Andacht der Verstorbenen vor dem Kruzifix abgebildet wird, wird auch bei dieser Darstellung Hahn anbetend vor dem Auferstandenen gezeigt. Statt den Grabwächtern findet sich hier nur ein assistierender Engel, der den Sarkophagdeckel hält. Auch ist wieder das Element des Wolkenkranzes zur Andeutung der himmlischen Sphäre verwendet. Hahns Denkmal gibt Zeugnis für einen Interpretationswandel der zentralen Epitaph-Szene in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Szene wird hier quasi [Druckseite 45] als Vision des Stifters präsentiert. Daher wird nicht mehr die eigentliche Auferstehungsszene gezeigt, wie wir sie z.B. auf dem Epitaph für Jörg Helnhauser sehen, sondern eine Reduktion der Darstellung auf die wesentlichen Elemente, den Sarkophag, dessen Deckel nun ein Engel hält und den Auferstandenen in seinem Wolkenkranz.

Sicher voneinander abhängig sind die beiden Denkmäler der Franziskanerklosterkirche, die den Auferstandenen als Sieger über Sünde und Tod zeigen. Das Motiv des Epitaphs der Familie Angermiller (†1582, Nr. 314) und des nur vier Jahre später entstandenen Weyenmeierdenkmals (Nr. 337) gehen entweder auf die gleiche Vorlage zurück oder das Bild wurde beim jüngeren unmittelbar vom älteren übernommen.

Die größte Zahl der Ingolstädter Epitaphien beschränkt sich bei der Auswahl des Andachtsbildes auf die unmittelbar mit der Frage von Erlösung und Tod verknüpften Darstellungen von Kreuzigung und Auferstehung. Ein weiteres häufiges Motiv aus der katholischen Tradition ist der Gnadenstuhl, der neben dem oben geschilderten Esterreicherepitaph noch zwei Mal als zentrales Epitaphbild gewählt wird (Nr. 242, 339), ebenso häufig findet sich das Bild der Marienkrönung (Nr. 355, 397). Alle weiteren Motive aus Bibel (Taufe Jesu Nr. 255, Fall Jesu unter dem Kreuz Nr. 299, barmherziger Samariter Nr. 247, Kindersegnung Nr. 309, Oelberg Nr. 357) und katholischer Tradition (Hl. Wolfgang Nr. 146, Hl. Petrus Nr. 148, Pietà Nr. 287, Maria mit Kind Nr. 500, Hl. Hubertus Nr. 524) werden nur einmal gewählt und sind somit sicher dem individuellen Gestaltungswillen des Stifters zuzuschreiben. Zumindest auffällig ist die geringe Präsenz des Hl. Franziskus in der Franziskanerklosterkirche. Nur zweimal wird der Heilige auf Epitaphien dargestellt, einmal das Bild der Stigmatisierung auf dem Denkmal für Hans Schreyer (Nr. 102), einem ausgewiesenen Förderer der Franziskaner und einmal Franz als Fürbitter bei Maria und Christus (Nr. 494).

Epitaphien oder Wandgrabmäler für Priester finden sich in Ingolstadt, abgesehen von den Professoren, die gleichzeitig auch Münster- oder Moritzpfarrer waren, nur in den Kirchen der eingemeindeten Orte. Die Pfarrer der beiden großen Stadtkirchen waren in der Regel Professoren der Universität und orientierten sich mit ihren Denkmälern an den Epitaphien für höhere Geistliche wie wir sie aus den Kanonikergrablegen in Eichstätt oder Freising kennen. Wie eine Memoria für einen Dorfpfarrer aussehen konnte, zeigen die beiden Denkmäler für Hans Neser (†1615) in Gerolfing. In der Kirche ließ sich Neser ein Epitaph nach dem Vorbild der höheren Geistlichen setzen (Nr. 452). Es enthielt die lateinische Grabinschrift im Unterhang, ein zentrales Relief mit Darstellung der Auferstehung und dem Verstorbenen als in das Bild integriertem Oranten und einen „modernen“ Auszug mit Sprenggiebel und bekrönender Vase. Nur das wesentlich kleinere Format unterscheidet es von den Denkmälern der Universitätsprofessoren und Pfarrer der Stadtkirchen. An der Außenwand – im Kirchhof, wo die Gläubigen jeden Tag vorüber gingen – findet sich ein zweites Wanddenkmal mit einem Portrait des Pfarrers in Halbfigur im Messgewand, den Kelch segnend, und einer deutschen Grabinschrift. Einfacher ist z.B. die Tafel für den 1627 verstorbenen Pfarrer Martin Faber in Etting (Nr. 490). Sie zeigt wie die Bodenplättchen einen Kelch auf Buch im Perlstabmedaillon als Zeichen des priesterlichen Dienstes und darüber die deutsche Grabinschrift, die neben dem Sterbedatum und dem Namen des Verstorbenen mit Titel und Epitheton, vor allem die Dauer seines priesterlichen Wirkens am Ort reflektiert – sie ist typisch für die Priesterdenkmäler in den Dorfkirchen Altbayerns im 16. und 17. Jahrhundert.

Einen Sonderfall stellt das Denkmal des Theologen Friedrich Staphylus (†1564, Nr. 243) dar. Es versucht das Thema des Gelehrtendenkmals mit dem des Familiendenkmals zu verbinden. Auf den ersten Blick haben wir wieder ein klassisches Familiendenkmal vor uns, das Bildfeld der Mittelzone zeigt die Familie unter dem Kreuz (Nr. 243), alle Inschriften jedoch sind allein auf den gelehrten Friedrich Staphylus bezogen. Besonders auffällig sind die griechischen und hebräischen Inschriften des Auszugs, die die Gelehrsamkeit Staphylus wohl auch gegen seine Ingolstädter Widersacher ins rechte Licht rücken sollten.

Neben den wenigen figürlichen Denkmälern und den zahlreichen Wappengrabplatten und den Epitaphien gibt es in Ingolstadt noch einige Denkmäler des Totengedenkens, die sich nur schwer in die oben geschilderten Kategorien integrieren lassen. Meist handelt es sich um großformatige Wanddenkmäler, die durch ihre Gestaltung nicht in die Gruppe der Epitaphien eingeordnet werden können.

Hier ist zunächst eine Gruppe zu nennen, die auf Grund ihrer Größe und Gestaltung nicht unter die einfachen Grabtäfelchen gerechnet werden kann, aber wie diese auf Bildelemente verzichtet.

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Die älteste bloße Inschriftentafel findet sich für Margreth Ekenthaler (†1446), die kleine Kalksteintafel in einfacher Rahmenleiste zeigt eine erhabene Inschrift in fünf Zeilen (Nr. 26), es stellt sich die Frage, ob es nicht eine verlorene zugehörige bildliche Darstellung gab.

Dreimal findet sich im Ingolstädter Material ein Wandgrabmal mit zentraler Schrifttafel. Das älteste Beispiel betrifft den Christoph Langenmantel († 1538), Augsburger Patrizier, Freisinger Kanoniker, Rat des bayerischen Herzogs und Präzeptor seiner Söhne. Langenmantels Epitaph (Nr. 156) zeigt eine Schrifttafel mit Stifterinschrift und Sterbevermerk auf der zentralen Tafel und Psalmvers im Aufsatz. Der Architekturrahmen besteht aus Sockel auf zwei Tragsteinen mit vorkragenden Pilastern, auf die die die Schrifttafel rahmenden Pilaster gestellt sind. Sockel und Pilaster sind mit Kandelabergrotesken verziert, darüber ist ein mit Zahnschnitt verzierter Architrav, ebenfalls mit vorkragenden Seitenteilen angebracht, der Aufsatz ist halbkreisförmig und mit einer Vase bekrönt. Auf den vorkragenden Teilen des Architravs sind die beiden Vollwappen aufgesetzt. Ebenfalls eine große zentrale Schrifttafel enthält das Denkmal (Nr. 282) für den Professor Adam Landau (†1554). Statt eines Architekturrahmens findet sich hier nur ein einfacher Leistenrahmen mit Perlstab, der unten und an den Seiten mit angesetzten Halbkreisfeldern verziert ist, der Aufsatz enthält das Vollwappen. Einen Architekturrahmen kombiniert mit Beschlagwerkverzierungen bietet das 1602 geschaffene Denkmal für Wolfgang Lutz (Nr. 390), das ebenfalls eine zentrale Schrifttafel enthält. Unsicher ist hier, ob der durch seinen anderen Verwitterungsgrad auffällige halbkreisförmige Aufsatz mit einem männlichen Portraitbild ursprünglich zu dem Stück gehört. Heute verloren, aber durch eine Abbildung überliefert, ist das ebenfalls als Schriftdenkmal zu bezeichnende Wandgrabmal für die 1601 verstorbene Florentina Clanner (Nr. 389). Ist schon die Setzung eines so aufwändigen Grabmals für eine früh verstorbene Tochter auffällig, so ist die Wahl eines Schriftdenkmals umso ungewöhnlicher. Das dreiteilig aufgebaute Wandgrabmal zeigt im Unterhang eine Beschlagwerkverzierung mit einem Engelskopf und im dreieckigen Aufsatz Schädel und gekreuzte Knochen. Die große, wiederum in drei Zonen aufgeteilte Mittelplatte zeigt oben in einer einfachen Rahmenleiste ein aus sieben Distichen bestehendes Grabgedicht in schrägliegender Kapitalis, darunter in einer querrechteckigen Zone unterhalb der Mitte, in der Mitte einen Bibelvers in Humanistischer Minuskel zwischen den zwei elterlichen Vollwappen. Darunter auf einer querrechteckigen Tabula mit Beschlagwerkansen die Stifterinschrift der Eltern in einer geraden Kapitalis. Beseitet wird die Mittelzone von zwei Engelshermen mit aufgesetzten Kapitellen. Gemeinsam ist allen vier Beispielen die Wahl einer Kapitalis als Textschrift, wobei die Gestaltung durchaus – wohl zeitspezifisch – sehr unterschiedlich ausfällt.

Exkurs: Zwei gegenreformatorische Auffälligkeiten auf Ingolstädter Epitaphien

Ingolstadt war einer der Zentralorte der katholischen Reform und der Gegenreformation. Es wäre daher sicher interessant, die Epitaphbilder der Stadt auf spezifisch gegenreformatorische Darstellungen, zusätzlich zu den oben erwähnten katholischen Bildtypen zu untersuchen. Dies ist jedoch sicher nicht die Aufgabe einer Inschriftenedition. Zwei Phänomene, die im Zuge der Arbeiten aufgefallen sind, sollen hier jedoch kurz beschrieben werden.

Das große Wanddenkmal der Familie Zierer (gesetzt 1585, Nr. 330) ist schon mehrfach im Rahmen großer Untersuchungen zu den Gesetz-und Gnade-Darstellungen als auffälliges Beispiel eines vielleicht kryptolutheranischen Totengedächtnismales im altkirchlichen Umfeld untersucht worden88)

Die Untersuchungen übersehen jedoch eine Veränderung in der Darstellung, der für die Einordnung in ein spezifisch katholisches Umfeld nicht unerheblich erscheint. Aus der Seitenwunde des gekreuzigten Christus strömt Blut. Dieses Motiv ist in zahlreichen Gesetz- und- Gnade Bildern präsent. Vor allem beim sog. Gothaer Typus trifft das Blut der Seitenwunde direkt den Stifter oder den Menschen, der unter dem Lebensbaum sitzt und vermittelt damit das spezifisch lutherische Konzept der Erlösung allein durch den Glauben. Auf der Ingolstädter Darstellung ist jedoch genau dieses Detail verändert. Das Blut aus der Seitenwunde wird von einem Engel in einem Kelch aufgefangen. Diese Motivik kann als Hinweis auf die notwendige Gnadenmittlerschaft der Kirche durch die Sakramente gedeutet werden89).

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Zwei Denkmäler in der Franziskanerkirche zeigen in der Hauptzone eine Darstellung Christi als Sieger über Sünde und Tod (Nr. 314 und 337). Interessant ist bei beiden die Darstellung der Dreifaltigkeit im Auszug: auf Brusthöhe der Darstellung eines segnenden, die Weltkugel in Händen haltenden Gottvaters ist eine Heiliggeisttaube angebracht, die eine Hostie im Schnabel hält. Die Hostie repräsentiert in diesem Fall den in der Eucharistie dauerhaft anwesenden Christus und ist damit eindeutig als gegenreformatorische Stellungnahme zu deuten, das oben erwähnte Ziererepitaph zeigt das gleiche Motiv.

Eine relativ große Zahl an Inschriften in Ingolstadt nimmt die Gruppe der Bauinschriften ein. Die größte Gruppe bilden dabei die Inschriften der Stadtmauer bzw. ihrer Tore. Alle Inschriften dieser Gruppe sind auf querrechteckigen Kalksteinplatten angebracht und beinhalten Angaben zum Baufortschritt der Stadtmauer und dem Bauherrn. Eine zweite Gruppe stellen die Bauinschriften an herzoglichen Stiftungen dar. Das älteste Beispiel und gleichzeitig ein Sonderfall, da sie den Stifter nicht nennt, ist die Bauinschrift des Münsters (Nr. 14) Auch hier handelt es sich um Kalksteinplatten mit meist jedoch längeren Inschriften, die neben dem Baufortschritt auch die Geschichte der jeweiligen Stiftung bzw. des Gebäudes aufzeigen. Eine dritte Gruppe stellen Bauinschriften von Privatleuten dar, die entweder den eigenen Hausbau dokumentieren oder wiederum Stiftungen dokumentieren. Im Gegensatz zu den ersten beiden Gruppen sind die Inschriften hier zumeist mit einem Wappen des Stifters verbunden (vgl. Nr. 371, 457 (†)).

Der Bestand der Ingolstädter Inschriften umfasst fünfzehn Glocken , von denen zwölf heute noch im Original erhalten sind. Inhaltlich sind die Gießerinschriften am häufigsten vertreten, gefolgt von Gebetsanrufungen und Bibelversen. Ab dem 16. Jahrhundert treten auch Amtsträgernennungen und Stifterinschriften auf. Die Glockeninschriften erscheinen durchwegs im Gussverfahren hergestellt zu sein. Die Inschrift der ältesten überlieferten Ingolstädter Glocke findet sich in den Aufzeichnungen des Moritzpfarrers David Thomas Popp (um 1820). Er berichtet von einer in Gotische Majuskel beschrifteten Glocke, die als Inschrift das Ave Maria trug. Diese Glocke ging vermutlich beim Neuguss der Moritzglocken 1874/75 verloren. Die ältesten Glocken der Münsterkirche wurden nicht für dieses Gotteshaus gefertigt. Herzog Albrecht V. veranlasste 1560/61, dass drei Glocken aus dem ausgestorbenen Kloster Biburg nach Ingolstadt gebracht werden sollten, um für den Guss eines neuen Geläutes verwendet zu werden. Zwei dieser Glocken (Nr. 10 , 11) wurden zunächst provisorisch in den Läutturm des Münsters gehängt und befinden sich bis heute dort. Die ältere trägt das Gussjahr und die für Glocken dicht belegte O Rex gloriae-Inschrift, die ein Jahr jüngere nur das genaue Gussdatum. Über den Verbleib der dritten Biburger Glocke ist nichts bekannt, vielleicht wurde wenigstens sie zum Neuguss verwendet. Die ältesten für eine Ingolstädter Kirche gefertigten Glocken befinden sich in der Pfarrkirche St. Michael im Stadtteil Etting (Nr. 23, Nr. 65). Beide tragen eine Gießerinschrift und das Ave-Maria-Gebet, die ältere wurde 1443 von der Nürnberger Glockengießerwerkstätte gefertigt, die jüngere stammt vom Münchner Glockengießer Ulrich von (der) Rosen. Eine in Handschriften mehrfach belegte Anrufung der Gottesmutter (o dei gennitrix pia, salva nos virgo Maria) trägt die 1515 gefertigte Glocke aus St. Georg in Unterhaunstadt (Nr. 105). Oberhaunstadt hingegen nennt eine Glocke des in Neuburg und Nürnberg nachweisbaren Sebald Hirder ihr Eigen, sie trägt Gießerinschrift und Psalmvers. Eine Gruppe von Ingolstädter Glocken des 16. Jahrhunderts (Nr. 213, 217†, 224) verdankt sich dem in Ingolstadt ansässigen Glockengießer Caspar Dietrich. Caspar Dietrich kam aus München nach Ingolstadt und war als Geschütz- und Glockengießer tätig90). Berliner vermutet die Herkunft aus einer Lothringischen Gießerfamilie. Als Glockengießer war Dietrich nicht besonders erfolgreich, nur wenige der von ihm gegossenen Glocken haben die Zeiten überdauert. 1554 finden sich die ältesten belegten Glocken für Dietrich, eine davon in St. Willibald in Oberhaunstadt (Nr. 213). Sie trägt Bibelvers, Gießerinschrift und das erste Mal die Angabe von Amtsträgern. Die heute verlorene Glocke in Mühlhausen (Nr. 217†) trug Gießerinschrift und Ave-Maria-Gebet, die aus profanem Umfeld stammende Glocke des Ingolstädter Schlosses nur eine Gießerinschrift. Dietrich verwendet für seine Glocken in der Regel eine linear ausgeführte Kapitalis. Eine Durchgestaltung der Schrift ist zumindest an der Glocke in Oberhaunstadt nicht feststellbar. Ein wesentliches Element der Dietrichschen Arbeit ist seine Vorliebe für das Abgießen von Naturmaterialien. Sie finden sich auch auf seinen Glockengüssen. Nicht überliefert sind die Inschriften der von ihm in den 1560er Jahren gegossenen Glocke für das Ingolstädter Münster, die bereits 1647 durch einen Neuguss ersetzt wurde (Nr. 580). In Ingolstadt sind noch einige kleinere Gussarbeiten von ihm [Druckseite 48] überliefert, so ein Epitaph (Nr. 246) und eine Ratsehrentafel (Nr. 226). Zwei weitere Ingolstädter Glocken des 16. Jahrhunderts verdanken sich einem Gießer namens Hildebrant Weigel (Nr. 266, Nr. 277). Von ihm ist in der einschlägigen Literatur bisher nur eine Glocke unbekannter Herkunft im Bayerischen Nationalmuseum belegt (Inv.-Nr. Me 58). Hildebrant Weigel wird in der älteren Literatur als Nürnberger Glockengießer bezeichnet. Auf der Glocke in Unterhaunstadt (Nr. 277) bezeichnet er sich als HILIPRANT . WEIGEL . ZV . INGELSTAT, so dass anzunehmen ist, dass er um 1570 in Ingolstadt ansässig war. Die Glocken Weigels tragen beide eine Gießerinschrift, die jüngere zusätzlich noch einen Bibelvers. Die beiden Ingolstädter Hauptkirchen erhielten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts neue Glocken. Zwei Glocken sind für St. Moritz belegt (Nr. 528 und 562†), eine davon ist noch erhalten. Sie wurde von einem lothringischen Wanderglockengießer gefertigt und wurde durch die Stiftung eines Moritzpfarrers ermöglicht. Sie ist mit Gießerinschrift, Stifterinschrift und einen Teil des Wettersegens versehen. Auf den Flanken sind Heiligendarstellungen mit Beischriften angebracht. Die zweite Moritzglocke des 17. Jahrhunderts (Nr. 562†) soll als Inschrift eine Anrufung aus der Allerheiligenlitanei getragen haben. Die große Glocke des Münsters von 1647 stammt aus der Münchner Gießer-Werkstatt Ernst (Nr. 580). Sie trägt die Gießerinschrift, Angaben zu den Amtsträgern, Teile aus dem Gloriahymnus und einen Spruch. Als einzige Ingolstädter Glocke enthält sie eine Glockenrede. Die bildliche Glockenzier ist, dem Münsterpatrozinium angepasst, Maria gewidmet.

Von den im Ingolstädter Bestand erhaltenen Bildfenstern befindet sich nur mehr das Achsenfenster des Münsters von 1527 in situ (Nr. 131), allerdings ist auch dieses Fenster zumindest einer durchgreifenden Restaurierung unterzogen worden. Das Münster muss ursprünglich mit einer ganzen Reihe von Bildfenstern sowohl in der Hochwandverglasung als auch in den Kapellen versehen gewesen sein91). Bereits im 16. Jahrhundert setzte sich jedoch, dem Zeitgeschmack gemäß, die Blankverglasung durch. Der geringe Bestand von erhaltenen Bildfenstern verdankt sich auch dem Problem des Glasbruchs, der in der Hochwandverglasung des Münsters eine große Rolle gespielt zu haben scheint, da Ausbesserungen der Fenster in den Münsterbaurechnungen nahezu jährlich vermerkt sind92). Die erhaltenen Fenster verbinden sich, sofern sie Inschriften tragen, meistens mit Fensterstiftungen. Dargestellt sind auf den wenigen erhaltenen Stücken Heilige, die mit den Stiftern in Verbindung standen, so zeigt das von Johannes Adorf in seinem Namen gestiftete Fenster den Hl. Johannes (Nr. 90), seine Stiftung für seinen Vorgänger Johann Spendle die Hl. Paulus und Thomas von Aquin (Nr. 70), ebenso zeigt das Bildfenster der Weinschenkenzunft, einer in Ingolstadt sehr einflussreichen Personengruppe, deren Patron den Hl. Urban (Nr. 71). Alle Bildfenster zeigen eine Inschrift unter der bildlichen Darstellung in einem eigenen Schriftfeld. Anders geartet sind die Überreste der Verglasung des Kreuzgangs der Oberen Franziskanerkirche. Es haben sich hier zwei unterschiedliche Fenstertypen erhalten. Bildfenster, mit biblischen Darstellungen (Nr. 114a), daneben Wappenscheiben mit Beischriften. Sie zeigen jeweils ein Stifterwappen oder die Wappen eines Ehepaares und eine die Stifter bezeichnende Umschrift (Nr. 107, 128). Eine ganze Reihe solcher Stifterbeischriften sind kopial überliefert (Nr. 104†, 108†). Auch aus der Stuba Academica der Hohen Schule haben sich einige wenige Wappenscheiben erhalten, die ähnlich gestaltet sind (Nr. 129, 130). Auch hier ist mit einem ursprünglich größeren Bestand zu rechnen, da vermutet werden darf, dass alle Fakultäten Scheiben gestiftet haben und es wenig wahrscheinlich scheint, dass ein einzelner Professor eine Scheibe stiften konnte, wenn nicht mehrere Kollegen so verfuhren.

Die ältesten Wandmalereien im Bearbeitungsgebiet finden sich in der Filialkirche St. Georg in Unterhaunstadt (Nr. 44). Wie vielfach in den Dorfkirchen Altbayerns93) ist das Gewölbe des Chores mit den Darstellungen der vier Evangelistensymbole mit Namensbeischriften versehen. In Ingolstadt selbst haben sich Wandgemälde mit Inschriften in der Hohen Schule (Nr. 77), einer Studentenburse (Nr. 84), dem Saal des ehemaligen Jesuitenkollegs (Nr. 374) an der Decke einer Kapelle des Münsters (Nr. 307) erhalten. Auch Spitalkirche und Sebastianskirche waren wohl um 1600 großflächig ausgemalt, wobei sich in St. Sebastian nur ein Wandgemälde von der Mitte des 16. Jahrhunderts mit einer Beweinungsszene (Nr. 190), in der Spitalkirche der gesamte Zyklus jedoch mit durch Übermalung, Freilegung und Restaurierung nur mehr in geringen Teilen lesbaren Inschriften erhalten hat, nur einige Stifterinschriften sind noch lesbar (s.u.). Die Motivwahl der Wandgemälde entspricht dem jeweiligen Anbringungsort, so zeigt das Gemälde der Hohen [Druckseite 49] Schule eine Szene aus der griechischen Mythologie, der Saal des Jesuitenkollegs eine adhortative Inschrift für die Bewohner des Kollegs und die Gemälde in Sakralgebäuden Szenen aus der Bibel bzw. den Gloriahymnus (Nr. 307). Einige der Gemälde sind als Stiftungen von Einzelpersonen bezeichnet so das Weltgerichtsgemälde im Münster (Nr. 341), die Beweinungsszene in St. Sebastian (Nr. 190), Christus und Schutzmantelmadonna im Spital (Nr. 365, 398) und der große Zyklus im Kreuzgang des Franziskanerklosters (Nr. 376). Hier handelt es sich wohl um bürgerliche Stiftungen, die als Beitrag zur Ausstattung der jeweiligen Gebäude gedacht waren. Besonders der Zyklus im Franziskanerkreuzgang, wohl ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer wohlhabender Ingolstädter Familien, ist ein solcher Beitrag bürgerlichen Engagements. Daneben gibt es Wandmalereien in der Funktion von Totengedächtnismalen. Hier ist das älteste Stück das Fragment eines Tondo in einem Durchgangsraum zwischen Franziskanerklosterkirche und Kreuzgang (Nr. 49), im Münster sind Reste von zwei an die Wandgemalten Schrifttafeln erhalten, die jeweils eine Inschrift des Totengedenkens beinhalten (Nr. 100, 377).

Von den Ausstattungsgegenständen des Münsters, die in den Stiftungsumkreis Ludwigs im Barte gehören, hat sich in Ingolstadt nichts erhalten, es ist auch nicht mehr feststellbar, ob die Goldschmiedearbeiten Inschriften trugen. Überlieferte und erhaltene Inschriften gibt es an den Altären des Münsters, der Moritzkirche und in St. Sebastian. Neben den vor allem auf dem Münsterhochaltar, aber auch auf einigen Altarretabeln befindlichen Beischriften, die meist den Charakter der Benennung der abgebildeten Heiligen oder Szenen tragen, handelt es sich durchwegs um Stifterinschriften. Beim Hochaltar des Münsters ist interessant, dass neben den Stiftern auch die am Altar beteiligten Handwerker/Künstler genannt werden. In einigen Kirchen haben sich auch noch Weihwasserbecken erhalten, die meist eine kurze Stifterinschrift und ein Wappen tragen (Nrn. 69, 80). Am ausführlichsten ist die Beischrift des großen Weihwasserbeckens am Eingang der Franziskanerklosterkirche (Nr. 311). Als besonders einzigartige Ausstattungsstücke sind noch die Prozessionsstangen der Fischer (Nr. 97) zu erwähnen.

Aus dem Umfeld des Ingolstädter Rates haben sich neben einer Wappentafel aus der Gießerei des Caspar Dietrich, die alle Ratsherren des Jahres 1560 mit ihren Wappen vermerkt (Nr. 226), auch Ratsspruchtafeln erhalten, eine davon (Nr. 238) ist der großen Zahl der von Sixtus Löblein geschaffenen Spruchtafeln in bayerischen und österreichischen Rathäusern einzugliedern94). Aus dem Silberbestand der Ratsstube haben sich einige beschriftete Löffel (Nr. 256) erhalten. Unklar ist, ob es sich bei den Inschriften, die Namen und Funktion eines Steuerherren nennen, um Stifterinschriften oder Besitzvermerke oder beides handelt. Außergewöhnlich ist auch das von Jakob Sandtner geschaffene farbig gefasste kleine Stadtmodell (Nr. 276), das neben einer Stifterinschrift zahlreiche Beischriften mit Ortsbezeichnungen trägt.

Exkurs: Ingolstädter Bildhauerwerkstätten?

Die Frage nach in Ingolstadt ansässigen Bildhauerwerkstätten führt über lange Zeit nicht zu befriedigenden Ergebnissen, sieht man von den Zoia-Brüdern ab, so ist es kaum möglich Werkstätten festzumachen. Bereits Berthold Riehl wies in seiner Arbeit zu Bayerns Donautal darauf hin, dass das Ende der Linie Bayern-Ingolstadt und ihrer ambitionierten Bauprojekte vermutlich verhinderte, dass es in Ingolstadt zur Ausbildung einer eignen Steinmetztradition kam. Die neuen Herrscher aus Landshut und später München setzten die Werkstätten ihrer Herrschaftsgebiete ein. Zusätzlich war die Nähe der bedeutenden Augsburger Werkstätten, die auch im nahen Eichstätt immer wieder spürbar wird, für die Ausbildung einer eigenen Bildhauertradition in Ingolstadt nicht förderlich. Verstärkt wurde diese Problematik im 16. Jh. noch durch die Zunftordnung. Die Ingolstädter Malerzunft, der auch die Bildhauer unterstanden, ließ immer nur einen Bildhauer am Ort zu95). Diesem Meister und seinen Gesellen wurden, wie die Kirchenrechnung belegen, die anfallenden kleineren (Ausbesserungs-)Arbeiten anvertraut. Fielen jedoch größere Aufträge an, so wandte man sich gerne an auswärtige Meister, dies gilt mit Sicherheit für den Herzog, aber ebenso für die Angehörigen der Universität, die sich – nicht zuletzt durch das von der Stadt unabhängige Bürgerrecht – nicht an die Handwerker der Stadt gebunden fühlten.

Zwei früh festzumachende, wohl in Ingolstadt ansässige Steinmetzen verbinden sich mit Grabdenkmälern im Münster96).

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Stets ist während der Bauzeit natürlich auch mit Arbeiten der am Münster tätigen Baumeister zu rechnen, die gleichzeitig auch Steinmetzen waren.

Nicht zuletzt wegen der Tätigkeit Hanns Rottalers am Münster postuliert Hofmann Ingolstadt auch als frühen Werkstattstandort Stephan Rottalers, für den sich Arbeiten in der Franziskanerklosterkirche belegen lassen.

Um 1560 fehlte es in Ingolstadt nachweislich an einem Steinmetz, man fragte deshalb in Eichstätt an. Es kam zur Niederlassung des Steinmetzen Bernhard, der als Gründervater der Ingolstädter Bildhauerfamilie Mauerer gelten darf, ob ihm auch eine Gruppe von nach 1560 entstandenen figürlichen Arbeiten, die sich um das Epitaph Georg Sterns im Münster und das Staphylus-Epitaph in der Franziskanerkirche bilden lässt, zuzuweisen ist, kann nicht als gesichert gelten. Jedenfalls entstanden ab dieser Zeit eindeutig der Kunstrichtung der Renaissance verpflichtete Grabdenkmäler, die sich durch ein großes Format einerseits und eine gewisse Spröde bei der Behandlung der Figuren andererseits auszeichnen97). Zur selben Zeit ist ein anderer Meister tätig, der sich nicht zuletzt durch seine Motivwahl und den exzessiven Gebrauch von Wolken als Gestaltungsmittel kennzeichnet, ihm sind die Epitaphien des Samuel Weissenhorn und das Muggenthalepitaph zuzuweisen.

1577 wurde Antonio Zoia als Bürger in Ingolstadt aufgenommen, mit ihm kam sein Bruder oder Sohn Francesco. Er bzw. seine Familie stammte wohl aus dem Veneto98), weshalb sie die Alpen überquerten und sich in Ingolstadt niederließen, ist nicht bekannt. Andere Mitglieder der Familie sind in Wien bzw. in der Steiermark nachweisbar. Nach Stephan Rottaler ist Antonio Zoia der erste Steinmetz, der wieder über signierte Arbeiten fassbar ist. Die Familie sollte über einige Zeit die Epitaphlandschaft in Ingolstadt prägen. Das erste Werk Antonios in Ingolstadt ist das Epitaph des Heinrich Langenmantel in der Franziskanerklosterkirche von 1578. Nach Hofmann ist ihm auch das Epitaph für Leonhard Praidtenhyller in derselben Kirche und der Mittelteil des Schrankchepitaphs in St. Sebastian zuzuweisen. Franz Zoia schuf 1581 das Epitaph für Rosina Lerchenfelder in der Franziskanerklosterkirche, das Wenigepitaph in der gleichen Kirche und das Epitaph für Caspar Frank in St. Moritz. Nicht erhalten hat sich der Eisengreinaltar im Münster, der wohl als Hauptwerk Francesco Zoias gelten darf. Auch für ihn ist eine Künstlersignatur belegt99). Neben den Zoia sind in Ingolstadt noch weitere Steinmetzen nachweisbar, so der 1589 als Bürger aufgenommene, aus Augsburg stammende Hans Sator und der geborene Ingolstädter Jesuit Stephan Huber, für beide sind jedoch keine gesicherten, beschrifteten Arbeiten in Ingolstadt zu belegen.100)

Neben den einheimischen Meistern waren in Ingolstadt von Anfang an auch Bildhauer aus anderen Orten tätig. Einerseits bot die Donau gute Transportmöglichkeiten, andererseits waren mit Universität und Herzogshof potente Auftraggeber vor Ort. Selbstverständlich gingen einige Arbeiten an Eichstätter Werkstätten, waren zahlreiche geistliche Professoren der Universität auch Pfründeninhaber an der Eichstätter Domkirche. Der wichtigste Eichstätter Bildhauer des 16. Jh. war Loy Hering101). Reindl weist ihm in Ingolstadt nicht weniger als vier Grabmonumente zu. Daneben waren in Ingolstadt jedoch auch noch andere Meister tätig, sicher ist an Steinmetzen aus dem Augsburgischen zu denken. Umstritten ist die Zuweisung des Epitaphs für Wolfgang Peysser in der Franziskanerkirche, das einige als Werk Hans Dauchers erkennen wollen102).

Ein ebenfalls auswärtiger Meister, der in Ingolstadt ein signiertes Werk hinterlassen hat, ist der von Volker Liedke näher gefasste Meister GV.

  1. Vgl. Koller, Ingolstadts Grabsteine 148. »
  2. Nrn. 208 (1553), 319 (1583), 320 (1584), 370 (1600), 438 (1612), 501 (1600), 502 (1631). »
  3. Die Darstellung der Kreuzigung mit Maria und Johannes und integriertem Oranten findet sich auch auf dem Epitaph (Nr. 402) des Albert Hunger (†1604). »
  4. Vgl. dazu zuletzt Fleck, Ein tröstlich Gemelde. »
  5. Vgl. dazu ausführlich Steininger, Das Ziererepitaph (im Druck). »
  6. Vgl. Berliner, Erzgießer, passim. »
  7. Zu den älteren Quellen und den dort aufgezählten Bildfenstern, unter ihnen ein Wittelsbacherzyklus vgl. Holm-Hammer, Glasgemälde 9f. »
  8. Vgl. Hofmann, Templum academicum 145f. »
  9. Vgl. z.B. DI 80 (Landkreis Passau 1) Nr. 26»
  10. Vgl. dazu Steininger, Steinätzplatten 646f.  »
  11. Vgl. Hofmann, Geschichte II, 945. »
  12. Vgl. Hofmann Geschichte I, 719f. »
  13. Hofmann, Geschichte II, 952f. »
  14. Vgl. Nr. 298†, FN 1. »
  15. Vgl. Hofmann, Geschichte II 955f. »
  16. Vgl. Hofmann, Geschichte II 957f. »
  17. Vgl. Reindl, Loy Hering, passim.  »
  18. Zu den Zuschreibungen vgl. Reindl, Loy Hering 470f. (F 30). »