Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 243 Dörzbach, ev. Pfarrkirche 1542

Beschreibung

Grabplatte der Ursula (?) von Berlichingen geb. von Stettenberg. Bis 1934 im Boden des Langhauses1 seither innen an der Ostwand des Chors aufgerichtet. Sandstein. Umschrift zwischen Ritzlinien; im eingetieften Feld Figur der Verstorbenen in flachem Relief, umgeben von vier Wappen in den Ecken. Stark abgetreten, die linke und die untere Randleiste mitsamt Inschrift dadurch fast völlig zerstört, Wappen links unten unkenntlich; unterer Rand zudem abgebrochen, ebenso die rechte obere Ecke (modern ergänzt).

Maße: L. 166,5 (Rest), B. 85,5, Bu. 4,6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. Anno [·] d(omi)ni · 1542a) · am [. . . . . . / . . . . .] der hẹ[ili]g̣ ḍṛẹị konig tag ṣṭạṛ[bb) die e]ḍẹ[l]b) vn(d) · tvge(n)tsa[m . . . / – – –] / geborn[e – – –] der [– – –]c)

Datum: 6. Januar.

Wappen:
StettenbergBibra
unkenntlich2Aufseß

Kommentar

Die Grabplatte wurde, wie die Schriftmerkmale ausweisen, in der Werkstatt des „Meisters von Niederstetten und Wachbach“ angefertigt3. Aus derselben Werkstatt stammt auch die Grabplatte von 1540 für eine Tochter der Verstorbenen (nr. 236). Es muß sich bei der vorliegenden Grabplatte um diejenige handeln, die der Oberamtsbeschreibung zufolge ursprünglich an der Langhaussüdwand im Boden lag und der „Ursula (Sibylla?) von Berlichingen, geb. von Stettenbergk“ galt4. Die auf einer Verwechslung mit einer zweiten Dörzbacher Grabplatte (nr. 236) beruhende Angabe des falschen Todesjahres 1540 fand Eingang in die genealogische Literatur5. Nach Biedermann6 war Ursula eine Tochter des Arnold von Stettenberg († 1497) und der Dorothea von Bibra. Sie war mit Moritz von Berlichingen verheiratet (vgl. nr. 149).

Textkritischer Apparat

  1. Die Ziffern stark beschädigt, aber noch eindeutig lesbar.
  2. Obere Hälfte der Buchstaben zerstört.
  3. Zu ergänzen vermutlich in Analogie zu nr. 236: der [got genad amen].

Anmerkungen

  1. Vgl. Kdm. Künzelsau 126.
  2. Nach Biedermann, Ottenwald, tab. CCCCXVI müßte hier das Wappen der „Gutta Rübsin“ oder der Afra Herter stehen.
  3. Zu den Schriftmerkmalen der Werkstatt vgl. DI 54 (Mergentheim), Einl. LVIf.
  4. OAB Künzelsau 485. Aus dieser Angabe könnte man schließen, daß damals die Fußleiste und die linke Randleiste mit dem Namen der Verstorbenen noch erhalten waren. Aus den Vorarbeiten zur OAB geht aber hervor, daß es sich bei der Identifizierung der Toten lediglich um eine Vermutung der Bearbeiter ohne konkrete inschriftliche Anhaltspunkte handelte; vgl. StAL E 258 VI Bü 2105 (Ortsbeschreibung Dörzbach), Einzelbl. „Grabsteyn Dörzbach“: „ist Ursula v. Stettenberg uxor des Moriz von B.“, dazu die Randbemerkung: „Werner [nicht identifiziert] schreibt Sibylla?“.
  5. Möller, Stamm-Taf. I, Taf. XXI; vgl. auch Kdm. Künzelsau 126.
  6. Biedermann, Ottenwald, tab. CCCCXVI.

Nachweise

  1. StAL E 258 VI Bü 2105 (Ortsbeschreibung Dörzbach), Einzelbl. „Grabsteyn Dörzbach“ (ungenau).
  2. OAB Künzelsau 485 (nur erwähnt).
  3. Kdm. Künzelsau 126 (nur erwähnt).
  4. Rauser, Dörzbacher Heimatbuch 94 (nach Kdm.).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 243 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di073h016k0024302.