Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 762 Roemer-Museum 1. H. 17. Jh.

Beschreibung

Andachtsaltar.1) Holz, mehrfach farbig gefaßt. Das Wappen deutet auf das St. Godehardkloster als Herkunftsort. Ein Photo von 1934 zeigt den Andachtsaltar in der zu St. Godehard gehörenden Kapelle St. Nikolai im Brühl.2) Er besteht aus einem Sockel, der in Form einer Mensa weit vorspringt, einem Mittelteil und einer Bekrönung. In dem von einem Gesims abgeschlossenen, rechts und links von Pilastern begrenzten Mittelteil steht in einer rechteckigen, einfach gerahmten Nische die vollplastische Figur einer Madonna auf der Mondsichel, umgeben von einem Strahlenkranz. Unterhalb der Darstellung ein von zwei gemalten Engeln gehaltenes eingerolltes Schriftband, das heute eine Inschrift aus jüngerer Zeit trägt.3) Von der ursprünglich darauf gemalten Inschrift A sind im Infrarotbild noch Reste erkennbar. Am Sockel ist zwischen zwei Gesimsen heute eine ebenfalls aus jüngerer Zeit stammende Inschrift angebracht, die – soweit die aus der darunterliegenden Malschicht durchscheinenden Buchstaben diesen Schluß zulassen – den Wortlaut und die Schriftform der ursprünglichen Inschrift B bewahrt. In der Bekrönung ein mit einem vollplastischen Engelskopf verzierter Aufsatz, auf dem zwei Wappen aufgemalt sind.

Inschrift A nach Infrarotphoto Photoarchiv Emons, B nach der erneuerten Inschrift.

Maße: H.: 101,5 cm; B.: 77 cm; Bu.: 1 cm (A), 2,5 cm (B).

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalis-Versal (A), Kapitalis (B).

DI 58, Nr. 763 - Roemer-Museum - 1. H. 17 .Jh.

 Christine Wulf [1/1]

  1. A

    [ - - - ]a) excelsis Deob)4)

  2. B

    SANCTA MARIA ORA PRO NOBIS.

Übersetzung:

[Ehre sei] Gott in der Höhe. (A)

Heilige Maria, bitte für uns. (B)

Wappen:
Abt von St. Godehard5), ?6)

Kommentar

Die auf dem Aufsatz angebrachten Wappen gehören wahrscheinlich wie auch die das Schriftband haltenden Engel unterhalb der Darstellung zur ursprünglichen Gestaltung des Altars. Dieser ältesten Schicht sind wohl auch die noch in Resten erkennbaren Inschriften zuzurechnen. Das Wappen weist den Altar als für St. Godehard bestimmt aus, für die Datierung gibt es allerdings nur einen vagen Anhaltspunkt: Da der bis 1618 amtierende Abt Hermann II. von Dannhausen ein anderes Wappen führt, ist zu vermuten, daß die Inschrift erst nach 1618 entstanden ist. Diese Datierung läßt sich mit der in der restauratorischen Untersuchung für den Rahmen vorgeschlagenen Entstehungszeit (1. Hälfte 17. Jahrhundert) vereinbaren.7)

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen ist Gloria in.
  2. Deo] Zwischen e und o größerer Buchstabenabstand.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr.: L 79. – Auf diesen Altar und seine Inschriften hat mich Frau Marina Emons, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden, Studiengang Restaurierung, hingewiesen.
  2. Vgl. Marina Emons: Dokumentation zur technologischen Untersuchung eines polychrom gefaßten Andachtsaltars aus dem Roemer-Museum Hildesheim und Erarbeitung eines Konservierungs- und Restaurierungskonzepts. Unveröffentlichte Facharbeit zum Vordiplom an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden. Fachbereich Kommunikationsgestaltung, Studiengang Restaurierung, Wintersemester 1997, S. 11.
  3. Aue MARIA / gratia plena: ‚Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnade.‘
  4. Unvollständiger Anfang des ‚Gloria‘ im Ordo Missae.
  5. Wappen eines Abts von St. Godehard, keiner Person zuzuordnen (quadriert, 1 u. 4 Sparren begleitet von dem Buchstaben G [Kloster St. Godehard], 2 u. 3 schräggeteilt, darin zwei Rosen in verwechselten Tinkturen).
  6. Wappen ? (Sparren, überhöht von einem Leopardenkopf).
  7. Vgl. Emons (wie Anm. 2), S. 19.

Nachweise

  1. Photoarchiv Marina Emons, Hildesheim.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 762 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0076202.