Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 756 St. Godehard M. 17. Jh.

Beschreibung

Gemälde. Öl auf Leinwand. Dargestellt sind in einem Doppelporträt links Bischof Godehard und rechts Bischof Bernhard im Brustbild. Der heilige Godehard hält in seiner Linken das Modell der von ihm gestifteten Bartholomäuskirche auf der Sülte, auf der Kirche ist Inschrift A angebracht, in seinem Nimbus B. Unter seinem Bild in drei Zeilen Inschrift C. Bischof Bernhard ist ebenfalls mit Krummstab, Mitra und Nimbus dargestellt, jedoch ohne Nimbeninschrift. Er hält das Modell der von ihm gestifteten St. Godehard-Kirche mit der Inschrift D in der rechten Hand. Unter seinem Bild in drei Zeilen Inschrift E. Die Inschriften C und E weisen unregelmäßige Interpunktion auf. Das Mittelband ist durch vorgezeichnete Linien markiert.

Maße: H.: 81 cm; B.: 137 cm; Bu.: 0,45 cm (A, D), 4 cm (B), 2 cm (C, E).

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalis und Kapitalis-Versalien (C, E), der deutsche Name Walleszhusen in Fraktur; Kapitalis (B); humanistische Kursive (A, D).

DI 58, Nr. 756 - St. Godehard - M. 17. Jh.

 Christine Wulf [1/1]

  1. A

    · T(emplum) · S(ancti) · Bartholo(m)aeia)

  2. B

    S(ANCTVS) // GODEHARD(VS)

  3. C

    S(anctus) GODEHARDVS Episcopus Hildesh(emensis) 14. funda/torb) S(ancti) Bartholomaei, et huius mon(aste)rij patronus / obijt 1036.c) in vita et morte miraculis clarus.d)

  4. D

    T(emplum) S(ancti) Godehardi

  5. E

    B(eatus) BERNARDVS Comes de Walleszhusene) huius mo=/nasterij anno 1133. fundator, obijt 1154.f) 13. Calend(as) / Aug(usti)1) post mortem miraculis clarus hic requiescit.

Übersetzung:

Die Kirche des heiligen Bartholomäus. (A)

Der heilige Godehard. (B)

Der heilige Godehard, 14. Hildesheimer Bischof, Gründer von St. Bartholomäus und Patron dieses Klosters, starb 1036, verherrlicht durch [seine] Wunder im Leben und im Tod. (C)

Die Kirche des heiligen Godehard. (D)

Der selige Bernhard, Graf von Walshausen, Gründer dieses Klosters im Jahr 1133, starb 1154 am 13. Tag vor den Kalenden des August. Verherrlicht durch Wunder nach seinem Tod ruht er hier. (E)

Kommentar

Das Doppelporträt des heiligen Godehard und des seligen Bischofs Bernhard gehört wahrscheinlich an den Anfang einer Reihe von Porträts, die Abt Hermann III. Schrader (1642–1651) von seinen Amtsvorgängern für den von ihm umgebauten Flügel der Abtei anfertigen ließ. Die nahezu gleichrangige Darstellung des heiligen Godehard und des Bischofs Bernhard ist als Indiz dafür zu werten, daß der Klostergründer in seinem Konvent wie ein Heiliger verehrt wurde.2) Der einzige Unterschied zwischen den beiden Porträts ist, daß bei Bischof Bernhard die Nimbeninschrift fehlt.

Das in Inschrift C erwähnte Kloster St. Bartholomäus auf der Sülte hatte Bischof Godehard im Osten der Domburg in der Nähe eines Sumpfes mit einer Salzquelle, der Sülte, zunächst als sacellum gegründet. Er erbaute dort eine Herberge und ein Hospital. Im Jahr 1025 wurde die erste Kapelle, neun Jahre später die erweiterte Kirche geweiht. Aus ihr ging das Sültestift, das erste Augustinerchorherrenstift der Diözese Hildesheim, hervor.3) Die in Inschrift E vorgenommene Zuordnung Bernhards zur Familie von Walshausen ist nicht zutreffend.4)

Textkritischer Apparat

  1. Bartholo(m)aei] Kein Kürzungsstrich.
  2. funda/tor] Möglicherweise ein zu einem Haken am a umgebildeter Trennstrich.
  3. 1036] Statt 1038.
  4. Punkt mit angehängter geschwungener Zierlinie.
  5. u mit Bogen.
  6. 1154] Statt 1153.

Anmerkungen

  1. 20. Juli.
  2. Vgl. Kat. Schatz von St. Godehard, S. 36f.
  3. Alle Angaben zum Bartholomäusstift nach Goetting, Bistum Hildesheim, S. 250.
  4. Kat. Schatz von St. Godehard, S. 39. Dort ein weiteres Beispiel dafür, daß Bernhard fälschlicherweise dem Grafengeschlecht von Walshausen zugeordnet wurde. Zu Bischof Bernhard vgl. den Kommentar zu Nr. 35.

Nachweise

  1. Kat. Schatz von St. Godehard, S. 36 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 756 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0075604.