Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 708 Rathaus 1639?

Beschreibung

Grabplatte für Lucia von Rheden. Sandstein. Die hochrechteckige Grabplatte befindet sich heute in der zum Platz „An der Lilie“ gelegenen Außenwand des Lilie-Turms. Der Stein gehörte im 19. Jahrhundert zu den Sammlungen des Andreas-Museums.1) Er stammt möglicherweise aus St. Martini, da dort der Ehemann der Lucia von Rheden begraben war (vgl. Kommentar). Im Innenfeld ist die Verstorbene unter einer Bogenarchitektur dargestellt, in der Rechten hält sie eine Blüte, in der Linken ein Buch. Über ihrem Kopf zwei Vollwappen ohne Beischriften, an jeder Seite sechs weitere Vollwappen mit den Beischriften B, die beiden untersten wiederum ohne Beischriften. Die Grabschrift läuft an vier Seiten um den Stein herum und weist viele freigebliebene Stellen auf. Sie ist erhaben vor vertieftem Hintergrund ausgeführt, die Wappenbeischriften sind eingehauen. Als Worttrenner stehen teils vertiefte, teils erhabene Hochpunkte.

Maße: H.: 232 cm; B.: 110 cm; Bu.: 5,4 cm (A), 2,6–2,8 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur (A), Kapitalis (B).

DI 58, Nr. 708 - Rathaus - 1639?

 Christine Wulf [1/2]

  1. A

    Anno · 15〈..〉 Den 〈.....〉 ist gebohrn / die Hoch Edle Lucia V(on) Rehden · des auch Hoch Edlen Vit Curt · V(on) Mandelsloh / S(elig)a) hinterplieben[e] Witwe · vndt ist /drauf A(nn)o · 16〈..〉 den 〈.........〉 Sel(ig) im Herrn Entschlaffen / Jhres alters 〈.....〉 Jahr

  2. B
    V(ON) SCHWIHED(IE)V(ON) BVSKE 
    D(IE) BARW[...]Eb) DIE V(ON) FRIDAGE 
    V(ON) VELTHE(IM) D(IE) BVSCHE 
    V(ON) D(ER) SCHVLE(NBVRG) V(ON) SPEGELBE(RG) 
    D(IE) V(ON) HOLTE V(ON) ELLENDO(RP) 
    V(ON) BVSCHE(N) D(IE) GROPLING 
Wappen:
Rheden I*Rottorf4)
Schwichelt*Busche I5)
Barner*Freitag I*
Veltheim*Busche III2)
Schulenburg*Spiegelberg6)
Holte*Elmendorf7)
Busche III2)Gröpelingen*
?3)Münchhausen*

Kommentar

Lucia von Rheden wurde als 12. Kind des 1589 verstorbenen Statthalters in Celle, Ernst von Rheden,8) und der Armgard von Rottorf am 7. März 1579 geboren.9) Sie heiratete im Jahr 1618 Veit Curd von Mandelsloh,10) der von 1629 bis 1634 als Rat des Herzogs Friedrich Ulrich von Wolfenbüttel nachweisbar ist.11) Er starb am 13. November 1638 in Hildesheim und wurde am 8. Januar 1639 in St. Martini beigesetzt.12) Wahrscheinlich ist die Grabplatte der Lucia von Rheden zusammen mit der ihres Ehemannes bald nach dessen Tod angefertigt worden, so daß sich eine Datierung auf 1639 ergibt. Lucia von Rheden starb am 7. September 1657 in Hannover und wurde vermutlich in Hameln in der von Rhedenschen Familiengrablege13) in der Stiftskirche St. Bonifatii beigesetzt.14)

Textkritischer Apparat

  1. S(elig)] S als kursives Schleifen-S ausgeführt.
  2. BARW[...]E] Statt BARNER, so in der Ahnenprobe des Claus von Rheden in DI 28 (Hameln), Nr. 117.

Anmerkungen

  1. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 176.
  2. Wappen Busche III (Lilie). Vgl. Spießen, Wappenbuch 1, S. 25 u. Tafel 58.
  3. Wappen ? In der Ahnenprobe des Bruders der Lucia von Rheden, Claus von Rheden (vgl. DI 28 [Hameln], Nr. 117), steht an dieser Stelle das Wappen Bülow (20 Kugeln 5:5:5:3:2), vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 11, S. 15, Tafel 14, Anordnung der Kugeln: 4:4:3:2:1.
  4. Wappen Rottorf (drei linkshalbe Kammräder 2:1). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 108 u. Bd. 2, Tafel 270.
  5. Wappen Busche I (drei Streitaxteisen 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 5 u. Tafel 4.
  6. Wappen Spiegelberg (Balken, belegt mit drei Rosen).
  7. Wappen Elmendorf (fünfmal geteilt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 6 u. Tafel 6. In der Ahnenprobe des Bruders der Lucia von Rheden, Claus von Rheden (vgl. Anm. 3), lautet die Beischrift zu diesem Wappen wohl fälschlich FLIENDORP.
  8. Zu Ernst von Rheden vgl. DI 28 (Hameln), Nr. 87.
  9. Hildesheimer Friedhöfe, S. 179; vgl. auch Hans Jürgen von Wilckens: Hildesheimer Leichenpredigten und Gelegenheitsschriften. Hannover 1963, S. 209.
  10. Leichenpredigt für Veit Curd von Mandelsloh, Exemplar: Göttingen, SUB, Conc. fun. 165, o. S.
  11. Samse, Zentralverwaltung, S. 256.
  12. Wie Anm. 10.
  13. Vgl. DI 28 (Hameln), Nr. 75, Nr. 87, Nr. 117.
  14. Vgl. Hildesheimer Friedhöfe, S. 179.

Nachweise

  1. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 176.
  2. Slg. Rieckenberg, S. 1052.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 708 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0070808.