Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 696 Roemer-Museum 1631

Beschreibung

Grabplatte für den Pastor Johannes Willerding.1) Sandstein. Provenienz wahrscheinlich St. Georg. Die stark zerstörte, hochrechteckige Platte befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme (Sommer 2000) im Innenhof des Roemer-Museums. Im Innenfeld ist der Verstorbene lebensgroß im Gewand eines Geistlichen mit Halskrause dargestellt. Er hält in der rechten Hand eine Zitrone, in der linken ein Buch. Über seinem Kopf zwei zusammengeschobene Vollwappen mit den in zwei Zeilen eingehauenen Beischriften A, die zweite Zeile befindet sich an der Unterkante des Bogens. Heraldisch rechts, gehalten von einer weiblichen Figur, ein weiteres Vollwappen mit der Beischrift B, links ein Wappen, dessen Inhalt nicht mehr erkennbar ist, mit der weitgehend zerstörten Beischrift C. Die erhaben in vertiefter Zeile ausgeführte Umschrift D lief ursprünglich an vier Seiten um das Grabdenkmal herum, erhalten sind jeweils nur Fragmente der Inschrift an der oberen und an der unteren sowie an der linken Seite. Die Inschriftenleiste auf der rechten Seite ist abgeschlagen. Der Stein war unterhalb des oberen Drittels quer durchgebrochen und ist auszementiert worden.

Maße: H.: 191 cm; B.: 92,5 cm; Bu.: 1 cm (A–C), 4 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis mit Minuskeln und Versalien.

DI 58, Nr. 696 - Roemer-Museum - 1631

 Christine Wulf [1/1]

  1. A

    M(AGISTER) IOHANNES / WIllERDING // MAGDAlENA / BEVERBVRG

  2. B

    CATARINA · MEBESI

  3. C

    ANN[ - - - ]

  4. D

    [ - - - 1]631a) / [ - - - ] / PASTOR AD DI[VVM] GEORGI[VM] VIGILAN/TISSIM(VS) CVM VIXIS[SET - - - ANN]OS 4½ MENSIS 3 DIES [ - - - ]ARE PIE OBIIt

Übersetzung:

[...] 1631 [...] sehr fürsorglicher Pastor an St. Georg, als er [..] Jahre, 4 ½ Monate und 3 Tage gelebt hatte [...] starb er fromm. (D)

Wappen:
Willerding I*, Beverburg2)
Mebesius3)

Kommentar

Die Inschrift ist einer sorgfältig gestalteten Kapitalis ausgeführt. Bei M und N Wechsel von Haar- und Schattenstrichen, der mittlere Balken des E kürzer als die beiden anderen, sämtliche Balken des E enden in ausgeprägten Sporen, an den Enden beider Bögen des S kleine gegenläufige Häkchen, die in die Begrenzungslinien hineinragen.

Johannes Willerding wurde am 21. April 1594 in Hildesheim geboren. 1613 immatrikulierte er sich in Wittenberg, 1615 in Helmstedt, wo er 1617 den Magistergrad erwarb.4) Danach erhielt er eine Pfarrstelle in Bodenburg, später wurde er Pastor an St. Georg in Hildesheim. Er war insgesamt dreimal verheiratet, die Wappen seiner beiden vor ihm verstorbenen Ehefrauen sind rechts und links oben auf dem Grabdenkmal angebracht. Seine zweite Frau, Katharina Mebesius, starb am 10. August 1624 (vgl. Nr. 663), den Namen seiner ersten, im Jahr 1621 an der Pest gestorbenen Frau gibt Schlotter mit Margarete Elisabeth Pförtner an; dieser Name stimmt nicht mit den von Inschrift C erhaltenen Buchstabenresten überein.5) Im Jahr 1625 heiratete Willerding Magdalena Beverburg. Er starb am 7. September 1631.6)

Textkritischer Apparat

  1. [1]631] 1651 Kd.

Anmerkungen

  1. StaHi, Bestand 717, Nr. 1–8: Inventar Kampen, Nr. 590.
  2. Wappen Beverburg (Burg, aus deren Tor ein Biber auf eine Zugbrücke läuft). Vgl. StaHi, Bestand 856, Nr. 50/268/9, Kasten 29.
  3. Wappen Mebesius, linksgewendet (Greif); Helmzier zerstört.
  4. Matrikel Wittenberg, Jüngere Reihe, Bd. 1, S. 136, Zeile 73; Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 263.
  5. Vgl. Schlotter, Genealogien, S. 284.
  6. Biographische Daten nach der Leichenpredigt für Johannes Willerding, gehalten von Heinrich Oldecop. Hildesheim 1632, Exemplar: SUB Göttingen, Conc. Fun. 295, Nr. 5; s. a. Hans Jürgen von Wilckens: Hildesheimer Leichenpredigten und Gelegenheitsschriften, Hannover 1963, S. 277.

Nachweise

  1. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 176.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 696 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0069602.