Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 654(†) Judenstr. 11 (no. 349) / Roemer-Museum 1621

Beschreibung

Haus.1) Fachwerk. Das drei Gefache breite Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Inschriften waren aber zum Teil schon vorher übermalt (C) oder in das Andreas-Museum (AM 752) gebracht worden (E). Inschriften A auf den Brüstungstafeln des zweiten Obergeschosses als Beischriften zu allegorischen Darstellungen der Elemente, B auf den Brüstungstafeln des ersten Stockwerks als Beischriften zu den vier Evangelisten, C und D auf dem Schwellbalken des zweiten Obergeschosses. Die im Roemer-Museum2) erhaltene, erhaben in vertieften Zeilen geschnitzte Inschrift E war als Beischrift zu zwei Wappen über der Haustür angebracht.

Inschriften A–D nach DBHi, HS 789.

Maße: H.: 32,5 cm; L.: 102 cm; Bu.: 6 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B) mit Versalien (E).

DI 58, Nr. 654 - Judenstr. 11 (no. 349) / Roemer-Museum - 1621

 Christine Wulf [1/1]

  1. A †

    AQVA // TERRA // AER // IGNIS

  2. B †

    S(ANCTVS) MATHE[VS] // S(ANCTVS) MARCVS // S(ANCTVS) LVCAS // S(ANCTVS) IOANNES

  3. C †

    [wer] gott vertrawet hatt woll gebavwet Im himel vndt auf erden wer sich verlest auf Jesum christ dem mvs der himel werden3)

  4. D †

    Al dei mic kennen den gebe gott was sie mir gönnen4)

  5. E

    STEFFEN / DEGENER / 1621 // ANGGENE/TE / SCHOWA/RTTE

Übersetzung:

Wasser. Erde. Luft. Feuer. (A)

Wappen:
Degener5), Schowarte6)

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 258f.; HS 789, fol. 382r mit Angabe der Schriftart von (A) und (B). Die Zahl von drei Gefachen stimmt nicht überein mit der Angabe von vier Inschriften in den Brüstungstafeln in DBHi, HS 789. Die übrigen Überlieferungen teilen für (A) und (B) auch nur jeweils drei Inschriften mit. Da es sich sowohl in (A) als auch in (B) um Vierer-Reihen (Elemente, Evangelisten) handelt, ist anzunehmen, daß bei einem Umbau die vierte Brüstungstafel entfernt wurde.
  2. Inv. Nr.: H 4055.
  3. Erste Strophe des gleichnamigen Kirchenlieds, das wahrscheinlich von Joachim Magdeburg stammt, vgl. Philipp Wackernagel: Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts. Bd. 3, Leipzig 1870, Nr. 1213–1215, S. 1042f.
  4. Sprichwort, ähnlich Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 1240, Nr. 1: Allen, die mich kennen und meinem Namen gönnen, denen gebe Gott, was sie mir gönnen.
  5. Wappen Degener, linksgewendet (aus einer Wolke hervorkommender, bekleideter Arm, einen Degen haltend und mit zwei Handschuhen behängt). Vgl. StaHi, Bestand 856, Nr. 50/268/8, Kasten 15.
  6. Wappen Schowarte (aus einer Wolke hervorkommender Arm, einen Schuh senkrecht haltend). Vgl. StaHi, Bestand 856, Nr. 50/268/9, Kasten 31.

Nachweise

  1. DBHi, HS 789, fol. 382r.
  2. Buhlers, Hildesheimer Haussprüche, S. 23 (C, D).
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 181 (C–E).
  4. Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 258f.
  5. Schütte, Hausinschriften, S. 49 (C, D).
  6. Slg. Rieckenberg, S. 1036.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 654(†) (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0065405.