Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 437 Hinterer Brühl 15 (no. 1180) 1577

Beschreibung

Haus. Fachwerk. Das zweigeschossige, neun Gefache breite Haus hat einen zwei Gefache breiten Erker. Die Inschriften A sind am Erker als Beischriften zu zwei Vollwappen angebracht, die Inschrift B auf einer querrechteckigen Steinplatte, die sich bereits im 19. Jahrhundert an der Rückseite des Hauses befand. Die dreizeilige, erhaben vor vertieftem Hintergrund ausgeführte Inschrift wird durch die gleichen zwei Vollwappen unterbrochen, deren Schilde nach unten über die Platte hinausragten und bei der Versetzung der Platte unten abgeschlagen wurden.

Maße: H.: 38 cm (B); B.: 212 cm (B); Bu.: ca. 5 cm (A), 4 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur.

DI 58, Nr. 437 - Hinterer Brühl 15 (no. 1180) - 1577

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    Von Stein//bergh // Von // Reden

  2. B

    Anna von Reden // Seligern Henni von Stein//bergh nachgelasne / widtwe · vnd ir // shoen Jost von Stein//bergh · haben / diss Hauss ge//bauwet · Anno Christi // 1577

Wappen:
Steinberg*, Rheden I*

Kommentar

Die Buchstabenformen der Inschrift B sind nahezu identisch mit den in Fraktur ausgeführten Inschriften auf den signierten Epitaphien des Bildhauers Ewert Wolf in Einbeck.1) Auch die heraldische Stilisierung der Oberwappen (Helmdecken und Helmzier) stimmt weitgehend überein. Ewert Wolf ist seit 1568 in den Hildesheimer Schoßregistern nachzuweisen. Im Jahr 1603 war er in Bückeburg ansässig, 1607 war er bereits tot, da in diesem Jahr in den Quellen seine Witwe genannt wird. Neben den Einbecker Epitaphien gehen auf ihn weitere Stücke in Braunschweig,2) Loccum und Harbke (bei Helmstedt) zurück.3) In Hildesheim hat er im Jahr 1579 an der Ratsapotheke gearbeitet (Nr. 445). Findel schreibt ihm wohl mit Recht auch das Epitaph des Burchart von Landesberg (Nr. 480) am Hildesheimer Dom zu.4) Wolfs Hildesheimer Arbeiten sind nicht signiert, die Schriftcharakteristika, insbesondere die Ausführung der Fraktur-Versalien und die auffallenden zum Dorn reduzierten kleinen Anstriche links an der Haste von b, l oder h unter der oberen Grenze des Mittellängenbereichs erlauben jedoch die zweifelsfreie Zuschreibung der Inschriften an diesen Meister.

Henning von Steinberg starb 1548 und wurde in Lamspringe begraben. Sein in der Inschrift erwähnter im Jahr 1543 geborener Sohn Jost heiratete 1583 Anna von Post und starb im Jahr 1595.5)

Anmerkungen

  1. Vgl. DI 42 (Einbeck), Nr. 92 mit Abb. 33, Nr. 96 mit Abb. 32.
  2. Vgl. DI 56 (Stadt Braunschweig II), Nr. 629 (Fraktur), Nr. 624 (Kapitalis).
  3. Vgl. Thieme/Becker. 36, S. 194.
  4. Findel, Bildhauerfamilie Wulff, S. 20.
  5. Behrens, Herren von Steinberg, S. 45, Nr. 98 und Nr. 103.

Nachweise

  1. DBHi, HS 789, fol. 409v–fol. 410r.
  2. Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 348.
  3. Roemer-Museum, Inv. Nr.: H 1830 (Aquarell Heyer).
  4. Slg. Rieckenberg, S. 844, ein Photo.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 437 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0043704.