Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 428 Domhof 29B (no. 1216) 1574

Beschreibung

Haus.1) Die Kurie bestand ursprünglich aus einem Vordergebäude am Domhof, einem linken Seitenflügel sowie einem Hintergebäude aus zwei massiven Geschossen und einem sieben Gefache breiten Fachwerkgeschoß. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, nur das Hintergebäude wurde – ohne das Fachwerkgeschoß – wieder aufgebaut. Im Vorderhaus war die Jahreszahl A neben den Vollwappen Wrisberg und Rehbock an einem Kamin im linken Seitenflügel angebracht. Über der Eingangstür der Anfang eines weiteren Baudatums (B). Die übrigen Inschriften gehören zum Hinterhaus und sind erhalten. Die erhaben ausgeführten Inschriften C1 und C2 befinden sich auf einem von Rollwerk umgebenen Feld im steinernen Sturz über der Eingangstür zwischen den Vollwappen Wrisberg und Rehbock. Im Flur war die Jahreszahl D neben dem Wappen Wrisberg angebracht. Ein heute am Hinterhaus Domhof 29B befindlicher Wappenstein gehört wahrscheinlich zu Domhof 30 (Nr. 216).

Inschriften A und B nach Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten.

Maße: H.: ca. 80 cm; B.: ca. 235 cm; Bu.: 5–7 cm (C, D).

Schriftart(en): Kapitalis (C, D).

DI 58, Nr. 428 - Domhof 29B (no. 1216) - 1574

 Christine Wulf [1/1]

  1. A †

    1574

  2. B †

    ANNO DOMINI [ - - - ]

  3. C1

    MAIOR · SAPIENTIA · VERITAS

  4. C2

    VTILIS · ERNESTI · WRISBERGO · STEM(M)ATE · NATI HAEC · FVIT · IMPENSIS · AEDIFICATA · DOMVS

  5. D †

    1574a)

Übersetzung:

Die Wahrheit ist mehr wert als Weisheit. (C1)

Dieses Haus wurde erbaut auf Kosten und zum Nutzen Ernsts, der aus dem Stamm Wrisberg geboren wurde. (C2)

Versmaß: Elegisches Distichon (C2).

Wappen:
Wrisberg2), Rehbock3)

Kommentar

Inschrift C ist in einer schlanken, in der zweiten und dritten Zeile eng gedrängten ligaturenreichen Kapitalis ausgeführt. Konisches M mit oberhalb der Buchstabenmitte endendem Mittelteil ist aus der frühhumanistischen Kapitalis entlehnt.

Die Wappen Wrisberg und Rehbock stehen für die Eltern des Ernst von Wrisberg.4) Zu Ernst von Wrisberg vgl. den Kommentar zu Nr. 491.

Textkritischer Apparat

  1. 1574] 1572 Kd.

Anmerkungen

  1. Beschreibung des ursprünglichen Baus nach Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 160f.
  2. Wappen Wrisberg, linksgewendet (Fasan auf einer Grassode). Vgl. Siebmacher 1, S. 184.
  3. Wappen Rehbock (schreitender Rehbock). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 103 u. Bd. 2, Tafel 253.
  4. Vgl. die Ahnenprobe in Nr. 495.

Nachweise

  1. Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 160f.
  2. DBHi, HS C 761, o. S.
  3. DBHi, HS 789, fol. 417r.
  4. Bertram, Bischöfe, S. 157 (C, D).
  5. Slg. Rieckenberg, S. 839.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 428 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0042805.