Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 339 St. Andreas 1542

Beschreibung

Türsturz über dem Portal zum Aufgang zur Ratsprieche. Die Inschrift wird in der Mitte (nach hildensemensis) unterbrochen durch das neue Wappen der Stadt Hildesheim. Die vergoldeten Buchstaben sind erhaben vor vertieftem, schwarz gefaßtem Hintergrund ausgeführt, der Schluß der Inschrift von -gelium bis sunt ist heute nur noch aufgemalt.

Maße: H.: 27 cm; B.: 206 cm; Bu.: 3,4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 58, Nr. 339 - St. Andreas - 1542

 Henning Jürgens [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · 1542 · senatus populusq(ue) hilde(n)seme(n)sis Sÿncerum Christi evangelium amplexi sunt

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1542 haben Rat und Bevölkerung von Hildesheim das reine Evangelium Christi freudig angenommen.

Wappen:
Altstadt Hildesheim, neu*

Kommentar

Die Buchstaben haben ausgeprägt ornamentalen Charakter: rundes s mit langem, an den Enden gebogenem Zierstrich durchzogen, die Enden der Ober- und Unterlängen von h, l, p, q gegabelt.

Bereits im Jahr 1523 lassen sich reformatorische Bestrebungen in Hildesheim feststellen, aber der Rat unter Führung des altgläubigen Bürgermeisters Hans Wildefüer verhinderte den Konfessionswechsel. Nach dem Tod Wildefüers im Jahr 1541 und nachdem der Schmalkaldische Bund über den mit Hildesheim im Schutzbündnis1) stehenden altgläubigen Herzog Heinrich den Jüngeren zu Braunschweig-Lüneburg gesiegt hatte, beschloß der Rat im August 1542 auf Drängen der Bürger sowie der benachbarten lutherischen Städte und Fürsten den Übertritt zum lutherischen Bekenntnis. Drei Pfarrkirchen blieben für die lutherischen Gottesdienste geöffnet, alle anderen wurden mit Ausnahme des Doms geschlossen. Am 27. September wurde die unter wesentlicher Mitwirkung von Johannes Bugenhagen verfaßte Hildesheimer Kirchenordnung auf Beschluß des Rats verabschiedet, und ein Jahr später trat Hildesheim dem Schmalkaldischen Bund bei. Hildesheim wurde nach der Reformation zu einer bikonfessionellen Residenzstadt mit evangelischer Bürgerschaft und katholischen Immunitäten.2)

Anmerkungen

  1. UB Stadt 8, Nr. 835 (14. April 1533).
  2. Das Voraufgegangene nach Mathies, Protestantische Taufbecken, S. 23; s. a. Thomas Klingebiel: Die Hildesheimer Reformation des Jahres 1542 und die Stadtgeschichte. In: Hildesheimer Jahrbuch 63 (1992), passim.

Nachweise

  1. DBHi, HS 114b, fol. 63v.
  2. DBHi, HS C 25, St. Andreas, S. 30.
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 151.
  4. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 159.
  5. Slg. Rieckenberg, S. 762.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 339 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0033900.