Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 327 St. Andreas 1535

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß mit abgetreppter Sockelplatte, die Zarge mit einfachem, senkrecht getriebenem oder gepunztem Fries. Der Sechspaßfuß geht in einen sechskantigen Fußhals und einen ebenfalls sechskantigen Schaft mit maßwerkverziertem Nodus über. Die Kuppa ist schlicht. Auf dem Sechspaßfuß ein graviertes Kreuz mit vollplastischem Kruzifixus und Titulus A. In drei weiteren Feldern des Sechspasses graviertes Pflanzenornament, in den zwei verbleibenden Feldern zwei aufgesetzte Wappen. Inschrift B folgt den Rundungen des Sechspasses und setzt sich auf der Sockelplatte fort. Inschrift C auf den sechs Rotuli des Nodus, glatt erhaben vor punziertem Grund. Die Inschriften sind graviert, als Worttrenner stehen kleine Kreuzchen. Eine jüngere Inschrift befindet sich auf der Unterseite des Fußes.1)

Maße: H.: 20 cm; Dm.: 14,25 cm (Fuß), 11,3 cm (Kuppa); Bu.: 0,3 cm (A), 0,4 cm (B), 0,95 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 58, Nr. 327 - St. Andreas - 1535

 Henning Jürgens [1/4]

  1. A

    I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM) ·2)

  2. B

    · 1535 · IS · DVSSE · KELCK · / MIT · DER · BATEN(N)EN · TOR · / ERE · GODDES · VT · DEM · TES/TAMENTE · ZELIGEN · / FRVWEN · DILIGN · RELICTA · WER/NERS · WINKELMANS · // FILIA · DES BORMESTERS · BORH/ART · VAN · HVDDESEM · TOR · V/ICARIE · O(MN)I(V)M · SANCT(O)RV(M) · IN · SANT/ Aa) · ANDREAS KERKEN DORCH · ZE/LIGEN HER(N) DIDERICK · VAN · / ASEL · GEFVNDERT GEGEVEN3) ·

  3. C

    I H E S V S

Wappen:
Winkelmann*, Huddesem*

Kommentar

Die Inschrift weist neben kapitalen auch einzelne unziale E sowie eingerolltes G und zweistöckiges Z auf.

Dillie (Ottilie) von Huddesem war die Tochter des Bürgermeisters Borchard von Huddesem und seiner zweiten Ehefrau Katharina Lode. Sie heiratete am 10. August 1477 Werner Winkelmann, der von 1491 bis 1512 dem Rat angehörte. Seit 1530 wird Dillie als Witwe genannt.4)

Dietrich von Azel, Kanoniker und Kantor an Heilig Kreuz, hat in St. Andreas eine Vikarie am St. Nikolai-Altar und eine weitere am Allerheiligenaltar gestiftet.5) Er ist 1508 gestorben.

Textkritischer Apparat

  1. Doppelt geschriebenes A.

Anmerkungen

  1. WIEDERHERGESTELLT / IM JAHRE 1907 / VON / THEODOR BLUME / GOLDSCHMIED / HILDESHEIM.
  2. Io. 19,19.
  3. ‚1535 wurde dieser Kelch mit der Patene zur Ehre Gottes aus dem Testament der seligen Frau Dillie, der Witwe Werner Winkelmanns, Tochter des Bürgermeisters Burchard von Huddesem, an die Vikarie Allerheiligen in der Sankt-Andreas-Kirche durch den seligen Herrn Dietrich von Azel gestiftet und gegeben.‘
  4. Hans Schlotter: Das Hildesheimer Patrizier=Geschlecht van Huddesem. In: Alt-Hildesheim 57 (1986), S. 41–51, hier S. 43 u. 46.
  5. Hildesheim, Ev. Stadtkirchenarchiv, Bestand Andreas, Archivkarton 65, Nr. 312; UB Stadt 8, Nr. 501 u. Nr. 508.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 152.
  2. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 170 (nach Mithoff).
  3. Slg. Rieckenberg, S. 748.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 327 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0032703.