Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 309 Domhof 24 (no. 1212) 1525

Beschreibung

Steintafel1) in der zum Domhof 24 gelegenen Südwand des Paulustors, das zu dem Platz Am Steine hinführt. Die Tafel war ursprünglich vermutlich an der ehemals über dem Paulustor gelegenen Pauluskapelle angebracht. Sie trägt eine in vier Zeilen erhaben vor vertieftem Hintergrund ausgeführte Inschrift. Unter dieser befindet sich eine zweite hochrechteckige Tafel mit einem Wappen. Diese ist durch seitlich angesetzte Bogenfelder auf die Breite der Inschrifttafel erweitert worden. Es ist fraglich, ob diese Tafel ursprünglich zu dem Inschriftstein gehört, denn nach Kratz war in dessen Umgebung das Wappen Veltheim angebracht.2) In der Inschrift sind i mit i-Punkten versehen, als Worttrenner zwischen der Jahreszahl und dem Tagesdatum ein Quadrangel mit Zierhäkchen nach oben und unten.

Maße: H.: 53,5 cm; B.: 110 cm (Inschrifttafel); Bu.: 4,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 58, Nr. 309 - Domhof 24 (no. 1212) - 1525

 Christine Wulf [1/1]

  1. Ottoa) ex comitib(us) de Wolde(n)berge ca(non)ic(us)b) edificauit / Vetustate et incuria i(n)habita(n)ciu(m) collabe(n)te(m) / Liuinus de Velthem p(re)posit(us) restaurauit / Annoc) salut(is) 1525 · 29 Augusti

Übersetzung:

Der Kanoniker Otto aus dem Grafengeschlecht von Wohldenberg hat [dieses Haus] [einst] erbaut. Als es infolge seines hohen Alters und wegen der Nachlässigkeit der Bewohner zerfiel, stellte es Propst Levin von Veltheim im Jahr des Heils 1525 am 29. August wieder her.

Wappen:
?3)

Kommentar

Bei dem in der Inschrift erwähnten Otto von Wohldenberg dürfte es sich nicht um den gleichnamigen 34. Hildesheimer Bischof Otto II. von Wohldenberg (1319–1331) handeln, sondern um einen seit 1296 oder 1298 als Kanoniker nachweisbaren Otto von Wohldenberg, der von 1315 oder 1317 bis 1350 das Amt des Hildesheimer Dompropsts innehatte und auch als Propst des Petersbergstifts bei Goslar amtierte. Der letzte urkundliche Beleg datiert von 1348, 1352 wird Otto als ehemaliger Dompropst erwähnt, 1357 als verstorben genannt.4) Zu Levin von Veltheim vgl. den Kommentar zu Nr. 319.

Die Inschrift bezieht sich wahrscheinlich auf die für das Jahr 1525 bezeugte Renovierung der Pauluskapelle.5)

Textkritischer Apparat

  1. Die in der Inschrift verwendeten Versalien lassen sich insgesamt keiner Schriftart zuordnen, sie stammen weitgehend aus Minuskelalphabeten, sind aber jeweils auf besondere Weise gestaltet, so daß ihre Wiedergabe in Großbuchstaben adäquat erscheint.
  2. ca(non)ic(us)] Für die erste gekürzte Silbe stehen zwei Punkte über a.
  3. Anno] Beim letzten Buchstaben fehlt der senkrechte Teil des gebrochenen Bogens.

Anmerkungen

  1. Für die Kurie Domhof 24 ist noch ein weiteres Baudatum nachgewiesen, s. JZ 1624.
  2. Vgl. Kratz in DBHi, HS C 25, Pauli-Capelle, S. 3 (Wappen nicht beschrieben). An anderer Stelle (DBHi, HS C 761, o. S.) beschreibt Kratz das Wappen von Veltheim folgendermaßen: quadriert, 1 u. 3 drei Balken, 2 u. 4 Stamm mit zwei Blättern. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 9.
  3. Wappen ? (gekrönter Löwe).
  4. Vgl. Lamay, Domkapitel, S. 101 (Domkanoniker seit 1296, Propst seit 1315); Bertram, Bistum 1, S. 454 (Domkanoniker seit 1298, Propst seit 1317); UB Stadt 1, Nr. 686 (Dompropst 1317); UB Stadt 2, Nr. 25 (1348), Nr. 73, Nr. 128.
  5. Vgl. Bertram, Bistum 2, S. 47.

Nachweise

  1. DBHi, HS C 761, o. S.
  2. DBHi, HS C 25, Pauli-Capelle, S. 3.
  3. Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 155.
  4. Slg. Rieckenberg, S. 736, ein Photo.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 309 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0030902.