Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 228 Dom-Museum E. 15. Jh.

Beschreibung

Krone für das Kopfreliquiar der heiligen Cäcilia.1) Silber, vergoldet. Die Reliquienbüste steht auf einem ungleichseitigen achteckigen Postament, das mit Fischblasenmaßwerk und Edelsteinen verziert ist. Vor der Brust der Heiligen unter einem Kristall auf Pergament ein Verzeichnis der im Inneren der Figur befindlichen Reliquien.2) Sie trägt eine Krone mit Blattwerkzacken, auf deren Stirnreif die Inschrift eingraviert ist. Zwischen den Wörtern sind Edelsteine befestigt. Die Inschrift ist zwischen zwei doppelten Linien in Konturschrift glatt vor gestricheltem Hintergrund ausgeführt, die Worttrenner in Form von Quadrangeln mit Zierhäkchen nach oben und unten. Bei der Krone handelt es sich um eine spätere Zutat (vgl. Kommentar).

Maße: H.: 48,8 cm; Bu.: 1,1 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 58, Nr. 228 - Dom-Museum - E. 15. Jh.

 Elke Schneider (Heidelberg) [1/3]

  1. SANCTA CECILIA · · ORA · · PRO · · NOBIS · · DEVMa) ·

Übersetzung:

Heilige Cäcilia, bitte Gott für uns.

Kommentar

Die Ausführung der Inschrift in frühhumanistischer Kapitalis datiert die Inschrift auf das Ende des 15. Jahrhunderts. Der früheste Beleg für diese Schriftart im Hildesheimer Bestand stammt aus dem Jahr 1489 (vgl. Nr. 204). Demnach handelt es sich bei der Krone um eine spätere Zutat, denn das Reliquiar ist bereits in den Domschatzverzeichnissen von 1409 und von 1438 erwähnt als S. Cecilien geziehret mid goldt, myt silbere und Edelgestein.3) Für die spätere Entstehung der Krone spricht auch, daß sie in der Beschreibung nicht eigens genannt wird.

Die heilige Cäcilia gehört zu den Patronen des Hildesheimer Doms.

Textkritischer Apparat

  1. DEVM] Fehlt Kratz, Mithoff, Kd.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr.: DS 39.
  2. Hee reliquie con/tinentur i(n) ista ymagi(n)e, / De sancta Cecilia, De s(an)c(t)o / Fabiano. (et) s(an)c(t)o Sebastiano, / De sancti(s) Joha(n)ne (et) Paulo, / de s(an)ctis primo (et) feliciano, De s(an)c(t)o / Alexandro filio felicitatis, De / s(an)c(t)o Hermeto, De s(an)c(t)o vince(n)cio, / De sancto Brictio episcopo, / De sancta praxede v(irgine), Et walburg(a) virg(ine). ‚Folgende Reliquien sind in diesem Bildnis enthalten: Von der heiligen Cäcilia, vom heiligen Fabian und [vom] heiligen Sebastian, vom heiligen Johannes und [vom] heiligen Paulus, von den Heiligen Primus und Felicianus, vom heiligen Alexander, dem Sohn der Felicitas, vom heiligen Hermetus [Hermes], vom heiligen Vincentius, vom heiligen Bischof Brictius, von der heiligen Jungfrau Praxedis und [von] der Jungfrau Walburga.‘
  3. Doebner, Schatzverzeichnis von 1409, S. 116; HSTA Hannover, Hild. Br. 2 E, Nr. 1731, fol. 1r.

Nachweise

  1. Kratz, Dom, S. 161.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 111.
  3. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 110.
  4. Elbern/Reuther, Domschatz, S. 52.
  5. Kat. Ego sum, Abb. S. 495.
  6. Slg. Rieckenberg, S. 452, S. 674–676, zwei Photos.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 228 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0022805.