Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 218 Dom-Museum 1497?

Beschreibung

Bischofsstab.1) Elfenbeinkrümme mit silberner und teilweise vergoldeter Fassung, Buchsbaumholz mit Silberringen. Der Stab wurde bis 1825 in St. Michaelis aufbewahrt.2) Die 1497 hergestellte Fassung umschließt eine ältere Elfenbeinkrümme, die möglicherweise vom Bischofsstab Bernwards stammt. Über einem runden Elfenbeinnodus erhebt sich ein sechseckiger Schaft, der im unteren Teil als spätgotische Turmarchitektur gestaltet ist. Darüber ein Baldachin, über dessen Stützen je ein Engel mit einem Wappenschild. Innerhalb der Kurvatur auf einem Sockel auf der einen Seite Bischof Bernward mit Kreuz und Stab, auf der anderen Seite die Gottesmutter mit dem Kind im Strahlenkranz. Das Kind hält ein Schriftband mit der Inschrift A, die Worttrenner sternchenförmig. Der Schaft ist von insgesamt 13 einfachen und doppelten ringförmigen Silbermanschetten umgeben. Unterhalb des Nodus auf einer doppelringförmigen Manschette zwischen Linien die Inschrift B, zwischen den Wörtern Rankenornamente. Auf der zweiten Manschette von oben in Konturschrift mit Schattenschraffur die Inschrift C, auf der dritten die Inschrift D in jeweils drei Zeilen zwischen Linien, auf der sechsten Manschette von oben eine wahrscheinlich erst nach 1650 angebrachte Inschrift.3) An der zweigeteilten zweiten Manschette von unten in schrägen Bändern Einzelbuchstaben, unten (E), oben (F), an der vierten Manschette von unten eine weitere neuzeitliche Inschrift.4) Die Inschriften sind graviert.

Maße: Länge des Stabs: 202 cm; Bu.: 0,2 cm (A, E, F), 0,5 cm (B, D), 2,8 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A, C), frühhumanistische Kapitalis (B, D, E, F).

DI 58, Nr. 218 - Dom-Museum - 1497?

 Frank Tomio [1/2]

  1. A

    · ecce ·

  2. B

    COLLIGE · PER · / · SVMMVM · MEDIO // REGE · PVNGE · / PER · IMVM

  3. C

    ihesus

  4. D

    ANNO · 1° · 4° · 9° 7°a) · WILHELMMVS · / SALTZENHVSENb) · AVRIFABER · / REFORMAVIT BACVLVM / SANCTI · BARWARDI / PATRIS · NOSTRI · Sc) / S(AN)C(T)E BARWARDE ORA · P(RO) NOB(IS) ·

  5. E

    S(ANCTE) B(ERNWARDE) O(RA) P(RO) N(OBIS) A(MEN) S(ANCTA M(ARIA) O(RA) P(RO) N(OBIS) D A H Hd)

  6. F

    V W W E H A · M · N · · N · W · W ·e)

Übersetzung:

Siehe da. (A)

Sammle mit dem obersten [Teil], regiere mit dem mittleren, stich zu mit dem untersten. (B)

Im Jahr 1497 hat der Goldschmied Wilhelm Saltzenhusen den Stab des heiligen Bernward, unseres Vaters, wiederhergestellt. Heiliger Bernward, bitte für uns. (D)

Heiliger Bernward, bitte für uns. Amen. Heilige Maria, bitte für uns. (E)

Versmaß: Hexameter, einsilbig leoninisch gereimt (B).

Wappen:
?5)

Kommentar

Inschrift C ist in einer Bandminuskel ausgeführt, die Brechungen sind durch „umgeschlagene“ Hastenenden angedeutet, einzelne Hastenenden gegabelt.

Zu der die Formelemente eines Bischofsstabs mit den pastoralen Funktionen des Amtsträgers verbindende Inschrift B vgl. den Kommentar zu Nr. 69.

Der Goldschmied Wilhelm Saltzenhusen gehörte im Jahr 1501 zu den vier Älterleuten an St. Andreas.6)

Textkritischer Apparat

  1. 1° 4° 9° 7°] 1492 Kratz, Berges, Elbern/Reuther, Kat. Bernward. Da die Ziffern in manierierter Form ausgeführt sind, ist die letzte Ziffer nicht zweifelsfrei zu lesen, folglich läßt sich die in der Überlieferung tradierte 2 nicht völlig ausschließen. Der Befund zeigt eine 7 mit leicht schrägem Deckbalken, am leicht gebogenen Schrägschaft unten ein Zierstrich. Gegen die Lesung als 2 spricht das Fehlen eines unteren Balkens. Die 4 in Schlingenform.
  2. SALTZENHVSEN] SALTJENHVSEN Kratz, Berges, Elbern/Reuther, Kat. Bernward.
  3. S] Redundanter Buchstabe.
  4. Die letzten vier Einzelbuchstaben lassen sich nicht sinnvoll auflösen.
  5. Die Buchstabenreihe ist nicht sinnvoll aufzulösen.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr.: DS 8 (Krümme), DS 81 (Schaft).
  2. Vgl. Elbern/Reuter, Domschatz, S. 21.
  3. IJ LOT IJ QV(EN)T(CHEN).
  4. Restauratum. 1826 / von / W. Ebers.
  5. Wappen ? (Fußspitztatzenkreuz).
  6. Scheffler, Goldschmiede 2, S. 807, Nr. 18.

Nachweise

  1. Kratz, Dom 2, S. 87f.
  2. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 116, Abb. S. 115.
  3. Elbern/Reuther, Domschatz, S. 21.
  4. Kat. Bernward 2, S. 455, Abb. S. 454.
  5. Berges in B/R, Nr. 12, S. 88, Abb. Tafel 15.
  6. Slg. Rieckenberg, S. 638.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 218 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0021809.