Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 217 Brühl / Gelber Stern 1497

Beschreibung

Relief und Türsturz von dem ehemaligen in Fachwerk erbauten Von Altenschen Hospital. Sandstein, farbig gefaßt. Das Hospital wurde im Jahr 1837 abgebrochen.1) Vor dem Abbruch waren Relief und Türsturz über dem Eingang angebracht.2) Heute befindet sich das Relief in der zum Brühl hin gelegenen Hauswand, der Türsturz in der Wand zum Gelben Stern. Das Relief zeigt eine Schutzmantelmadonna mit einem Schriftband, auf dem die Inschrift A erhaben und farbig gefaßt angebracht ist. Inschrift B auf einem heute über einem Fenster eingemauerten ursprünglichen Türsturz ist ebenfalls erhaben ausgeführt. An einer nicht näher bezeichneten Stelle des Fachwerkbaus war die heute verlorene Inschrift C angebracht. Das Von Altensche Hospital ging – wie eine neuzeitliche Inschrift festhält3) – in die Stiftung der Vereinigten Hospitäler ein. Zum Von Altenschen Hospital s. a. die Inschrift Nr. 482.

Inschrift C nach Mithoff.

Maße: H.: 120 cm; B.: 89 cm; Bu.: 4 cm (A). H.: ca. 14 cm; B.: ca. 120 cm; Bu.: ca. 9 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), frühhumanistische Kapitalis (B).

DI 58, Nr. 217 - Brühl / Gelber Stern - 1497

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    · Sub · tua(m) · p(ro)tectione(m)a) co(n)fugim(us) · vbi Jnfirmib) · acce//perunt · virtutem4) ·

  2. B

    M CCCC XCVII · K(A)L(ENDIS) IVNII5) ·

  3. C †

    Hospitale beatae Mariae in Solatium pauperum Infirmorum 1497 Kalendis Iuni5)

Übersetzung:

Unter deinen Schutz flüchten wir, wo die Kranken Kraft empfangen haben. (A)

1497 an den Kalenden des Juni. (B)

Das Hospital der heiligen Maria zum Trost der kranken Armen/armen Kranken. 1497 an den Kalenden des Juni. (C)

Kommentar

Johannes von Alten, Kanoniker und Thesaurar an St. Mauritius, hatte testamentarisch die Errichtung eines Hospitals auf dem Damm verfügt. Seine Neffen und Testamentsvollstrecker, der Domkanoniker Dietrich von Alten († 1502, vgl. Nr. 262) und dessen Bruder Johannes († vor 1488), Kanoniker an Heilig Kreuz,6) brachten zusätzlich eigenes Kapital in die Stiftung ein und verfügten, daß das Hospital entgegen dem ursprünglichen Plan nicht auf dem Damm, sondern am Brühl gebaut wurde. Baubeginn war das Jahr 1484.7)

Textkritischer Apparat

  1. Kürzungsstriche nicht durch farbige Fassung hervorgehoben.
  2. Jnfirmi] i(n) firm(i) acer Kd.

Anmerkungen

  1. Abbruchdatum nach Bertram, Bischöfe, S. 103.
  2. Vgl. Mithoff, Kunstdenkmale, Zeichnung Tafel X.
  3. Vgl. Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 96: VEREINIGTE HOSPITAELER · V · ALTEN · ST · BARBARAE · St · CATHARINAE · ST · TRINITATIS.
  4. Der erste Teil der Inschrift variiert das älteste erhaltene Mariengebet Sub tuum praesidium confugimus ..., vgl. Marienlexikon 6, 1994, S. 327f.
  5. 1. Juni.
  6. UB Stadt 8, Nr. 165.
  7. Zur Baugeschichte und zur Ordnung des Von Altenschen Hospitals vgl. ausführlich Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 95f. Den Ausführungen liegen zugrunde: UB Stadt 8, Nr. 539, Nr. 622 sowie besonders Nr. 767.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 164 (nach Beiträge zur Hildesheimischen Geschichte).
  2. Beiträge zur Hildesheimischen Geschichte 1, S. 246 (C).
  3. Kd. Hildesheim, Bürgerliche Bauten, S. 96 (Abb. 52).
  4. Slg. Rieckenberg, S. 646, ein Photo.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 217 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0021702.