Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 211 Dom-Museum 1494

Beschreibung

Grabplatte für den Archidiakon Eckhard III. von Hanensee. Messing.1) Die hochrechteckige Platte wurde zum Zeitpunkt der Aufnahme (Sommer 2000) im oberen Kreuzgang aufbewahrt. Ursprünglich lag sie wie die übrigen Grabdenkmäler der Familie von Hanensee (vgl. Nr. 126, 174 u. 210) im Alten Paradies unter dem westlichen Domturm. Kurz vor dem Abbruch des alten Domturms im Jahr 1718 wurde sie in den östlichen Teil des Kreuzgangs gebracht und dort an der Wand aufgehängt. Im Innenfeld ist der Verstorbene in der Kleidung eines Geistlichen unter einer gotischen Kielbogenarchitektur lebensgroß im Flachrelief dargestellt. Er hält in beiden Händen den Kelch mit der Hostie. In den vier Ecken der Platte die Symbole der vier Evangelisten, jeweils mit leeren Schriftbändern. Die Platte wird umrahmt von einer vierseitig umlaufenden Inschrift, die erhaben ausgeführt ist und auf der unteren Schmalseite neben dem Symbol des Evangelisten Lukas beginnt.

Maße: H.: 188,5 cm; B.: 90,3 cm; Bu.: 7,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 58, Nr. 211 - Dom-Museum - 1494

 Lutz Engelhardt [1/1]

  1. Anno d(omi)ni millesi(m)o / qvadri(n)ge(n)thesi(m)o nonagesi(m)o q(v)artoa) alte(r)a die p(os)tb) b(ar)tholo(me)ic)2) / obyt vene(r)abil(is) d(omi)n(v)s / Eggeh(ar)d(vs) de hane(n)ze Cano(n)ic(vs) et archidiaco(nvs) h(vivs) eccl(es)ie

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1494 am zweiten Tag nach Bartholomäus starb der ehrwürdige Herr Eckhard von Hanensee, Kanoniker und Archidiakon dieser Kirche.

Wappen:
Hanensee*

Kommentar

An der Schrift fällt auf, daß a in seiner Grundform dem doppelstöckigen a entspricht mit einem runden oberen Bogen, im unteren Bereich des Buchstabens ist zwischen den beiden Hasten ein Balken angedeutet.

Eckhard III. von Hanensee, Neffe des Dompropsts Eckhard II.3) (Nr. 174), immatrikulierte sich im Jahr 1452 an der Universität Erfurt.4) 1489 stiftete er für vier Kommenden in der Antoniuskirche und zwei Kommenden in der Domkrypta sechs Häuser im Hückedahl.5) Spätestens 1480 ist er im Amt des Archidiakons nachzuweisen.6)

Textkritischer Apparat

  1. q(v)arto] Hochgestelltes a zu zwei Quadrangeln reduziert.
  2. p(os)t] pt und us-Haken.
  3. b(ar)tholo(me)i] i hochgestellt. Zu ergänzen ist festum bartholomei.

Anmerkungen

  1. Materialangabe nach Kat. Kirchenkunst des Mittelalters, S. 223.
  2. 25. August.
  3. UB Stadt 8, Nr. 357.
  4. Matrikel Erfurt, Bd. 8,1, S. 230, Zeile 20f.
  5. UB Stadt 8, S. 183, Nr. 191 u. a.; Bertram, Bischöfe, S. 102.
  6. UB Stadt 7, Nr. 929.

Nachweise

  1. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 143.
  2. Bertram, Bischöfe, S. 102.
  3. Kat. Kirchenkunst des Mittelalters, S. 223 mit Abb. einer Zeichnung, Abb. S. 225.
  4. Kat. Ego sum, Abb. S. 292.
  5. Slg. Rieckenberg, S. 644, ein Photo.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 211 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0021100.