Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 193 St. Andreas 1478

Beschreibung

Grabplatte für Anna von Alten. Sandstein. Die hochrechteckige Platte ist in der südlichen Chorkapelle angebracht. Sie wurde bei Grabungen im Turmbereich im Jahr 1964 gefunden.1) Unter einer gotischen Kielbogenarchitektur in Bethaltung die Verstorbene (rechts) und ihr Ehemann (links). Die Umrisse der Figuren sind flacherhaben vor vertieftem Hintergrund herausgearbeitet und durch Ritzzeichnung im Detail gestaltet. Die Verstorbene trägt einen Rosenkranz. Über ihrem Kopf wie auch über dem ihres Ehemannes je ein an den Enden eingerolltes Spruchband mit den Inschriften A (rechts) und B (links). Zu Füßen der beiden Figuren jeweils ihr Wappen. Inschrift C beginnt auf der Unterkante des Steins und setzt sich auf der rechten, abgeschrägten Längsseite fort. Die Inschriften A und B sind eingehauen und mit einer dunkelgrauen Masse ausgefüllt, C erhaben und auf der rechten Längsseite dunkelgrau gefaßt. Die Grabschrift des Ehemannes, für die die beiden freigebliebenen Seiten der Platte vorgesehen waren, ist nicht ausgeführt.

Maße: H.: 274 cm; B.: 120 cm; Bu.: 6 cm (A), 7 cm (B), 8,5 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 58, Nr. 193 - St. Andreas - 1478

 Christine Wulf [1/2]

  1. A

    myserere mei dewsa)

  2. B

    myserere mey dewsa)

  3. C

    anno d(omi)nib) m cccc lxxviii in sunte / lossie(n) dage2) starffc) anna husfruwed) hennyng brandes der god gnedich sy

Übersetzung:

Erbarme dich meiner, Gott. (A, B)

Wappen:
Brandis*, Alten I*

Kommentar

In den Inschriften A und B ist u mit drei Hasten als w oder iu ausgeführt. Die linke Haste des für i stehenden y ist länger als die rechte.

Anna von Alten war die erste Frau des Henning Brandis. Sie starb nach dreijähriger Ehe wenige Tage nach der Geburt ihres Sohnes Hans († 1500).3) Henning Brandis heiratete noch zweimal und verstarb im Jahr 1528 in Hannover, wo er in der Marktkirche St. Georg begraben wurde. Wahrscheinlich ist deshalb der für seine Grabschrift auf dieser Platte vorgesehene Platz freigeblieben.

Textkritischer Apparat

  1. dews] Statt deus. Möglich auch deivs.
  2. anno d(omi)ni] Fehlt Hildesheimer Friedhöfe.
  3. starff] Befund: startf (Fahne des f ist bei der farbigen Fassung unberücksichtigt geblieben).
  4. husfruwe] Fahne des f ist bei der farbigen Fassung unberücksichtigt geblieben.

Anmerkungen

  1. Helmut von Jan: Zwei Grabplatten der Familie Brandis aufgefunden. In: Alt-Hildesheim 36 (1965), S. 9–11, hier S. 9.
  2. 13. Dezember (St. Lucia).
  3. Henning Brandis’ Diarium, S. 38.

Nachweise

  1. Hildesheimer Friedhöfe, S. 180.
  2. Hans-Cord Sarnighausen: Zum Hildesheimer Bürgermeister Henning Brandis (1454–1529). In: Archiv für Familiengeschichtsforschung, Jg. 6 (2002), Heft 1, S. 47–53, hier S. 49f. mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 193 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0019303.