Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 157 Heilig Kreuz 1447 o. früher

Beschreibung

Grabplatte für den Dechanten Johannes Christiani (Kersten).1) Sandstein. Die hochrechteckige Platte ist in der Kirche in die Westwand des nördlichen Seitenschiffs eingemauert. In dem von der vierseitig umlaufenden, eingehauenen Inschrift A umrahmten Innenfeld ist der Verstorbene im Flachrelief dargestellt. Er hält Kelch und Hostie in der Linken, die Rechte segnend erhoben. Neben seinem linken Fuß ein Wappen, darin die erhaben gehauene Inschrift B. Die Platte weist etwa in Brusthöhe der dargestellten Figur einen später auszementierten Riß auf, wodurch der Text geringfügig beeinträchtigt ist. Die Ausführung des Monatsnamens in Inschrift A in abgekürzter Form und des letzten Buchstabens in kleinerem Schriftgrad sowie die des Sterbetags in kleineren Ziffern sprechen für eine nachträgliche Einfügung des Sterbedatums in die bereits zu Lebzeiten des Verstorbenen angefertigte Inschrift.

Maße: H.: 179 cm; B.: 87 cm; Bu.: 6,8 cm (A), 5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien, teilweise in gotischer Majuskel (A), gotische Majuskel (B).

DI 58, Nr. 157 - Heilig Kreuz - 1447 o. früher

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    · anno · d(omi)ni · M · ccccxlviia) / Mensis 〈nove(m)b(ris)〉 dieb)〈xxix〉c)d) obiit · d(omi)n(u)s · Johannes · chr(ist)ianie) / · de · alvelde · decan(vs) · hvi(vs) · [...] / sanctef) (crvcis)g) · canoni(cvs) · verden(sis) · cvi(vs) a(n)i(m)a reqviescat i(n) pace

  2. B

    · CHR(ISTU)Sh) ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1447 am 29. November starb Herr Johannes Christiani aus Alfeld, Dechant dieser Heilig-Kreuz-[Kirche und] Verdener Kanoniker. Seine Seele ruhe in Frieden. (A)

Wappen:
Christiani2)

Kommentar

Johannes Christiani hat sich im Jahr 1403 an der Universität Erfurt immatrikuliert.3) Am 29. November 1417 ist er als Subdiakon in Hildesheim bezeugt.4) Das Repertorium Germanicum weist ihn als Inhaber zahlreicher Kanonikate und Pfründen aus. Am 22. April 1419 wird sein Kanonikat an Heilig Kreuz bestätigt, am 13. November desselben Jahres wird er als Dechant genannt. Ebenfalls 1419 erhält er das Amt des Thesaurars in Verden, allerdings noch ohne Pfründe, erst 1427 erhält er dort eine Maiorpräbende und ein Kanonikat. In den Jahren 1415 und 1424 hat Christiani jeweils eine Romreise unternommen.5)

Textkritischer Apparat

  1. Es ist nicht zu entscheiden, ob auch die letzten Ziffern der Jahreszahl wie im folgenden Tages- und Monatsdatum erst nach dem Tod des Johannes Christiani nachgetragen worden sind.
  2. die] Fehlt Mithoff.
  3. Die nachgetragenen Ziffern sind kleiner ausgeführt als der übrige Text.
  4. Mensisnove(m)b(ris)〉 diexxix〉] Fehlt HS C 1030.
  5. chr(ist)iani] xpiani; Christianus HS C 1030; xpianus HS C 28, Kd., Mithoff, Brandt, Rieckenberg. Die Fehllesung hat dazu geführt, daß der Verstorbene vielfach unter dem Familiennamen „von Alfeld“ geführt wurde.
  6. decan(vs) · hvi(vs) · [...] / sancte] Aufgrund von Beeinträchtigungen der Steinoberfläche kann hier keine eindeutige Lesung gegeben werden. Zwischen hvi(vs) und sancte hat wahrscheinlich eine abgekürzte Form von ecclesie gestanden.
  7. +.
  8. XPC.

Anmerkungen

  1. Niederdeutsche Namenform in UB Stadt 4, Nr. 18.
  2. Christiani (Schrägbalken, der Figur nach belegt mit dem von zwei Scheiben flankierten Christusmonogramm XPC, beiderseits begleitet von einem Stern).
  3. Matrikel Erfurt, Bd. 1, S. 67, Zeile 18.
  4. Repertorium Germanicum 4,2, Sp. 1778–1782.
  5. UB Stadt 5, S. 586; UB Stadt 6, S. 276.

Nachweise

  1. DBHi, HS C 28, Nota 44 Kreuzkirche, S. 7.
  2. DBHi, HS C 1030, o. S.
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 140.
  4. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 189.
  5. Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, hg. vom Verein Herold in Berlin 12, Jg. 35, Dezember 1904, S. 217.
  6. Brandt, Inventar Heilig Kreuz, S. 147, Abb. 179.
  7. Slg. Rieckenberg, S. 579, S. 1066, drei Photos.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 157 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0015701.