Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 145 Dom 1429 o. früher

Beschreibung

Skulpturen am westlichen Portal der Nordseite. Sandstein. Auf zwei vorgebauten Pfeilern rechts und links des Portals unter gotischen Baldachinen die Verkündigung: links Maria, rechts der Engel mit Spruchband (A). In zwei von gotischen Giebeln bekrönten Wandnischen unmittelbar neben dem Portal links auf einem Sockel mit Inschrift B Bischof Godehard. Er hält in seiner Rechten den Bischofsstab, um den sich ein Schriftband C windet, in seiner Linken ein Kirchenmodell. Vor ihm kniet ein mit einer Almutie bekleideter Stifter mit Schriftband (D) und einem Wappen, das in die Sockelinschrift B hineinragt. In der rechts neben dem Portal befindlichen Wandnische sind Bischof Bernward mit Krummstab und Kreuz sowie Epiphanius mit Buch und Schriftband (E) dargestellt. Beide Heilige sind durch die Inschriften F am Sockel identifiziert. Die Inschriften sind erhaben ausgeführt.

Maße: Bu.: 3–4,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien in gotischer Majuskel.

DI 58, Nr. 145 - Dom - 1429 o. früher

 Christine Wulf [1/3]

  1. A

    aue gr(ati)a · plena · d(omi)n(u)s · tecum1)

  2. B

    S(anctus) godehardus

  3. C

    ex te nascetur filius dei ui[ui]

  4. D

    [m]ater dei uiui miserere mei

  5. E

    B(ea)ta. que. credidisti. uirgo. maria ·

  6. F

    S(anctus) Bernwardus / S(anctus) Epyphanius

Übersetzung:

Gegrüßt seist du, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. (A)

Aus dir wird der Sohn des lebendigen Gottes geboren werden. (C)

Mutter des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner. (D)

Selig bist du, Jungfrau Maria, die du geglaubt hast. (E)

Wappen:
Burchardi von Höxter*

Kommentar

Das w in Bernwardus mit zwei nach oben verlängerten und nach links abgeknickten Hasten, die u enden oben ohne Brechung. Beide Merkmale weist auch die an der Nordwand von St. Andreas eingehauene Bauinschrift von 1415 auf.

Die Figurengruppe zeigt mit Maria, Epiphanius, Bernward und Godehard die ranghöchsten Patrone des Doms. Der Neubau des Nordwestportals und damit auch die Figurengruppe werden auf das Ende des 14. Jahrhunderts datiert.2) Das Wappen3) deutet darauf hin, daß der 1429 gestorbene Arzt Nikolaus Burchardi von Höxter diese Figurengruppe gestiftet hat (vgl. Nr. 144). Sofern diese Deutung des Wappens zutrifft, ist sein Todesjahr als Terminus ante quem für die Entstehung der Skulpturen und der Inschriften anzusehen.

Anmerkungen

  1. Lc. 1,28.
  2. Michael Wolfson: Die Stiftungen Bischof Gerhards. In: Kat. Goldkelch, S. 25–36, hier S. 25.
  3. Zur Identifikation des Stifters über das Wappen s. DBHi, HS C 31b, auf der verso-Seite mit Fußnote 67. –Dasselbe Wappen befindet sich auf einem heute in der St. Kunibert-Kirche in Sorsum angebrachten Sandsteinrelief, vgl. Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Inschriftenkommission, Inschriftensammlung Landkreis Hildesheim.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 100.
  2. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 49 (ohne B und F).
  3. Habicht, Mittelalterliche Plastik, S. 108 (C, E).
  4. Slg. Rieckenberg, S. 531, zwei Photos.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 145 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0014501.