Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 102 St. Andreas 1374 oder 1378

Beschreibung

Grabschrift für Dietrich Carpentarii (Zimmermanns) auf zwei Steinquadern, von denen der eine (Quader 1) heute in zwei Teile geteilt ist. Zwischen beiden Teilen ist ein hochrechteckiger Stein eingemauert, dadurch ist die Inschrift in der Breite eines halben Buchstabens zerstört worden. Die beiden Teile von Quader 1 sind am östlichen Strebepfeiler neben dem mittleren Eingang der Nordseite in ca. fünf Metern Höhe oberhalb von Nr. 135 angebracht. Auf ihnen befindet sich der Anfang der Inschrift (bis IN). Der Quader mit dem zweiten Teil der Inschrift ist in den westlichen Strebepfeiler neben demselben Eingang eingemauert. Dieser zweite Quader ist in fünf Zeilen regelmäßig beschriftet, die letzte Zeile ist eingezogen. Da das nördliche Seitenschiff nach dem in Inschrift Nr. 135 überlieferten Baudatum im Jahr 1415 fertiggestellt worden ist, wurden die beiden Steine wahrscheinlich schon 1415 in diesen Wandzusammenhang eingemauert. Die Buchstaben sind eingehauen, die Worttrenner sind auf dem Quader 1 als Quadrangeln, auf dem Quader 2 kreisförmig auf der Mittellinie ausgeführt.

Maße: Quader 1: H.: 56 cm; B.: 50 cm; Quader 2: H.: 56 cm; B.: 30 cm; Bu.: 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 58, Nr. 102 - St. Andreas - 1374 oder 1378

 Christine Wulf [1/2]

  1. PRESBIT[E]R / + ANNO · D(OMI)[N]I · M · / CCC · LXX[.]III · IN // DIE · SEVERI1) · O(BIIT) · / THIDERICVS · / [C]ARPE[N]TARII / CVI(VS) · A(N)I(M)A R(EQVIESCAT) IN / PACE AM(EN)

Übersetzung:

Priester. Im Jahr des Herrn 137[4] am Tag des Severus starb Dietrich Carpentarii. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen.

Kommentar

E und C sowie das runde T sind mit geraden Abschlußstrichen ausgeführt, A in CARPENTARII mit einem gewellten Deckbalken und oben nach links gebogener linker Haste. T kommt in der kapitalen und in der runden Form vor.

Ungewöhnlich ist die Anbringung des Weihegrades PRESBIT[E]R vor Beginn der eigentlichen Grabschrift. Die einheitliche Ausführung der Buchstaben spricht aber dafür, daß das Wort zum folgenden Text gehört.

Dietrich Carpentarii läßt sich zweimal für das Jahr 1371 als Zeuge nachweisen, sein Name ist mit dem Zusatz „Priester und Pleban in Elvede“ (Pfarrei im Amt Steuerwald) versehen.2) Am 12. März 1374 verkaufte das Andreasstift dem Priester Dietrich Carpentarii eine Rente und verpflichtete sich zur Feier des Jahrgedächtnisses.3) Das Datum dieser Urkunde läßt darauf schließen, daß Dietrich Carpentarii frühestens im Laufe des Jahres 1374 gestorben ist, folglich ist die Jahreszahl wohl zu M CCC LXXIIII zu ergänzen, auch eine Ergänzung zu M CCC LXXVIII ist nicht auszuschließen.

Anmerkungen

  1. 22. Oktober.
  2. UB Hochstift 6, Nr. 20 u. Nr. 25.
  3. UB Hochstift 6, Nr. 71; UB Stadt 3, Nr. 368.

Nachweise

  1. Slg. Rieckenberg, S. 518–521, drei Photos.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 102 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0010206.