Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 78 St. Michaelis 1310?

Beschreibung

Fragment einer Grabplatte. Sandstein. Der rechteckige Stein dient in der nordöstlichen Ecke des westlichen Querschiffes (heute Sakristei) der Kirche als Deckplatte eines kleinen Raumes. Erhalten ist nur die linke obere Ecke der Grabplatte mit dem Beginn und dem Ende der auf den Schrägkanten angebrachten Umschrift. Die Inschrift beginnt mit dem Datumsformular in einem dreipaßförmigen Schriftband im Innenfeld und setzt sich auf dem Rand fort. Unter dem Dreipaßbogen lassen sich die Reste einer Darstellung des Verstorbenen in Ritzzeichnung erkennen. Die Buchstaben sind eingehauen, auf dem Rand zeigen sie nach außen. Auf der Vorderkante des Steins eine Jahreszahl aus jüngerer Zeit.1)

Maße: 114 cm x 83 cm; Bu.: 3,5–4 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 58, Nr. 78 - St. Michaelis - 1310?

 Christine Wulf [1/1]

  1. [...E]NT[.]a) · TE[RN]Ob) · QUOQVE · DENOc) · + AU · Vd) [ - - - ] // + AUSTRALE · PLAGA · TEMPLI · O[. - - - / - - - / - - - / - - - ]e) PRESTAS · GAUDIA · LVCIS ·

Übersetzung:

[Im Jahr tausend, dreimal hundert] und zehn [...] im südlichen Bezirk der Kirche [...] du gewährst die Freuden des Lichts.

Versmaß: Die Inschrift war in Hexameter gefaßt.

Textkritischer Apparat

  1. Über dem T ein tief eingehauener Punkt.
  2. Lesung unsicher.
  3. Berges (Slg. Rieckenberg, S. 478) rekonstruiert den ersten Vers folgendermaßen: ANNO MILLENO CENTVM TERNO QUOQVE DENO (1310). Diese Ergänzung liegt der Übersetzung zugrunde. Das rekonstruierte Datumsformular entspricht dem in der Inschrift einer Altarstiftung des Abts Heinrich von Wendhausen von 1320 (Nr. 83) verwendeten Formular.
  4. Wahrscheinlich folgt ein us-Kürzel.
  5. TEMPLI · O [ - - - ]] TEMPLI IO Berges und Rieckenberg; Berges und Rieckenberg ergänzen die Buchstaben IO zu IOHANNIS und vermuten, daß die Grabplatte vor dem Johannesaltar gelegen hat. Der Johannesaltar befand sich allerdings nicht im südlichen Seitenschiff, sondern im Ostchor (vgl. Kat. Der vergrabene Engel, S. 35f.). Berges hat die Ergänzung IOHANNIS SUB ARA erwogen (Slg. Rieckenberg, S. 478).

Anmerkungen

  1. A(NN)O 174 · 0 · .

Nachweise

  1. Slg. Rieckenberg, S. 477–482 mit einem Abrieb und einer Zeichnung in Originalgröße, teils Berges.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 78 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0007805.